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Bleibt Espeln fern: Clemens Tönnies. - © Christian Weische
Bleibt Espeln fern: Clemens Tönnies. | © Christian Weische

Kreis Paderborn Nach Eklat: Tönnies sagt lange geplanten Auftritt im Kreis Paderborn ab

Eigentlich sollte der Unternehmer und Fußball-Funktionär beim Erntedankfest in Espeln die Festansprache halten

Jens Reddeker
22.08.2019 | Stand 22.08.2019, 06:44 Uhr

Kreis Paderborn. Es wären wohl diesmal ein paar Besucher mehr geworden beim Erntedankfest in Espeln. Wie nun bekannt wurde sollte als einer der Höhepunkte am Sonntag, 1. September, Fleischunternehmer und Schalke-Lenker Clemens Tönnies die traditionelle Festansprache halten. Doch nach den Diskussionen um seine als rassistisch empfundenen Äußerungen beim Tag des Handwerks in Paderborn wird der Rheda-Wiedenbrücker doch nicht nach Espeln kommen. „Er hat zu Beginn der Woche abgesagt", berichtet Günter Austermeier gegenüber nw.de. Der Vorsitzende des Espelner Bürgervereins spricht von „schwierigen zwei Wochen", die hinter dem Vereinsvorstand liegen. „Wir haben nach der Rede in Paderborn intensiv über das Thema diskutiert", sagt er. Der Verein habe mit Tönnies’ Büro in Kontakt gestanden, doch die endgültige Absage sei erst zu Wochenbeginn gekommen. Der Verein selbst hatte nicht vor, so Austermeier, den Unternehmer auszuladen. Der Fleischfabrikant hatte bei der Rede in Paderborn die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika vorgeschlagen: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren." Als der Sturm der Entrüstung bundesweit ausbrach, ahnten die Espelner, das ihre langfristigen Pläne eventuell nicht aufgehen könnten. „Schon vor neun Monaten hatten wir ihn als Partner der hiesigen Landwirtschaft zum Fest eingeladen", berichtet Austermeier. Traditionell werden für die Ansprache Vertreter von landwirtschaftlichen Organisationen angefragt. Auch Politiker sind mitunter zu Gast, wie im letzten Jahr, als der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann die Rede am Festsonntag hielt. Der Vorsitzende ärgert sich Für Irritationen sorgte am Mittwoch ein Artikel in der Delbrücker Stadtpost, einem Mitteilungsheft, das von der Delbrücker Marketinggemeinschaft mit herausgegeben wird. Dort wird der Tönnies-Besuch – wie auch auf Plakaten – noch angekündigt. „Der Artikel hat mich auch gewundert, aber unsere Presseinformationen sind schon aktualisiert", erläutert Austermeier. Zu den deutschlandweit diskutierten Äußerungen des ostwestfälischen Fleisch-Königs, über die die Neue Westfälische zunächst exklusiv berichtete, will sich der Espelner Bürgerverein nicht äußern. „Ich ärgere mich vor allem darüber, dass wir nun keinen Festredner haben", sagt Austermeier mit Blick auf die drei besonderen Tage im Ortsteil vom 31. August bis zum 2. September. Zwar werden der Vorsitzende selbst und Bürgermeister Michael Berens (CDU) nach dem großen Festumzug Grußworte sprechen, doch die Festansprache wird beim 99. Heimat- und Erntedankfest zu allerersten Mal, wie Austermeier sagt, ausfallen müssen. Erwartet werden dennoch bis zu 3.500 Besucher.

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