Büren Freund getötet: Revision der Opfer-Eltern hat Erfolg

Entscheidung des Bundesgerichtshofes

03.12.2015 | Stand 04.12.2015, 09:41 Uhr

Karlsruhe/Büren (dpa). Der Prozess gegen einen jungen Mann, der seinen langjährigen Freund in Büren (Kreis Paderborn) brutal umgebracht hat, muss zum Teil neu aufgerollt werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag angeordnet. „Die Tat ist als vollendeter Heimtücke-Mord zu bewerten“, sagte die Vorsitzende BGH-Richterin Beate Sost-Scheible in Karlsruhe. Das Gericht sah als erwiesen an, dass der damals 19-Jährige seinem Opfer bei einer Scheune mit einer Eisenstange den Schädel eingeschlagen und später den Hals durchgeschnitten hat. (Az.: 4 StR 223/15) Das Landgericht Paderborn muss den als „Scheunenmord von Büren“ bekanntgewordenen Fall jetzt neu bewerten. Die Feststellungen des Landgerichts zum Ablauf der Tat bleiben aber bestehen. Das Paderborner Gericht hatte den heute 20-Jährigen im Januar wegen versuchten Mordes und Totschlags zu achteinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Nach den Ausführungen des BGH muss der Täter in der Prozess-Neuauflage aber nicht zwingend härter bestraft werden. Der Angeklagte hatte die Tat weitgehend gestanden und als Auslöser einen Streit wegen Mädchen angegeben. Demnach hat er seinen 17-jährigen Freund unvermittelt mehrfach von hinten mit einer Eisenstange auf den Kopf eingeschlagen. Das Opfer erlitt schwerste und letztendlich tödliche Schädel-Hirn-Verletzungen. Der Angeklagte ging daraufhin weg und kehrte eine Stunde später zum Tatort zurück. Er wollte bei der Polizei angeben, seinen Freund tot aufgefunden zu haben. Als er feststellte, dass sein Opfer immer noch lebte, schnitt er ihm die Kehle durch.Eltern waren in Revision gegangen Der BGH gab nun den Eltern des Opfers recht, die den Angeklagten wegen Mordes bestraft sehen wollen und deshalb in Revision gingen. Auch die Bundesanwaltschaft hatte auf Mord plädiert. Anders als das Landgericht bewertete der BGH das Geschehen als eine einzige Tat und zwar als Mord. Dass der Täter zwischendurch weggefahren sei, mache nicht zwei Taten daraus. Die Revision des Angeklagten, der ein milderes Urteil wegen Totschlags erreichen wollte, blieb dagegen ohne Erfolg. Die Richter folgten auch nicht der Argumentation seines Anwalts, wonach das Geständnis wegen Fehlern der Polizei bei der Vernehmung des jungen Mannes im Gerichtsprozess unverwertbar sein sollte. Zwar könne ein Angeklagter wegen Mordes nach Jugendstrafrecht mit bis zu 15 Jahren Haft verurteilt werden, sagte Richterin Sost-Scheible. Es verstehe sich aber nicht von selbst, dass die Strafe erhöht werden müsse. Auch das müsse das Landgericht prüfen.

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