Hat den Anstoß gegeben: Erzieher Mischka Kaiser hatte die Idee, zum Jubiläum der Waldorfpädagogik in Schloss Hamborn ein Festival zu veranstalten. - © Marco Schreiber
Hat den Anstoß gegeben: Erzieher Mischka Kaiser hatte die Idee, zum Jubiläum der Waldorfpädagogik in Schloss Hamborn ein Festival zu veranstalten. | © Marco Schreiber

Borchen Erstes Waldorf-Festival auf Schloss Hamborn geplant

100 Jahre nach der Gründung der ersten Waldorfschule soll in Borchen vier Tage lang gefeiert werden. Was Pfingsten 2019 geplant ist

Borchen-Schloss Hamborn. Bunt und vielfältig soll es werden, das weltweit erste Waldorf-Festival in Schloss Hamborn. Am Pfingstwochenende wird damit auf dem Gelände zwischen Schloss und Altenwerk, Hofgut und Schule das 100-jährige Bestehen der Waldorfpädagogik gefeiert. "Es ist eine Veranstaltung für alle, die Waldorf kennen oder kennen lernen wollen", sagt Mischka Kaiser. Vor anderthalb Jahren hatte der 35-jährige Erzieher die Idee, "Waldorf 100" mit einer mehrtägigen Großveranstaltung zu feiern. "Alle Kooperationspartner waren begeistert und Schloss Hamborn hat sich der Idee angenommen", sagt Kaiser. Mittlerweile steht das Programm, der Kartenvorverkauf läuft. Das Vorhaben wurde den Bewohnern vorgestellt und mehrheitlich für gut befunden. 1.500 Besucher werden erwartet, und "das muss das Dorf auch aushalten können", sagt Kaiser. Die Vielfalt der Einrichtungen ist einzigartig Etwa 500 Menschen wohnen auf dem zur Gemeinde Borchen gehörenden Schlossberg südlich von Paderborn, wo der Waldorfgedanke nahezu alle Lebensbereiche durchdringt. "Hier gibt es pädagogische, landwirtschaftliche und medizinische Einrichtungen, die unter dem Waldorfgedanken arbeiten", sagt Kaiser. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal." Hofgut, Schule, Wohnheim, Altenwerk, Rehaklinik, Buchverlag, Imkerei, sie alle fühlen sich der Lehre Rudolf Steiners verpflichtet, der vor mehr als 100 Jahren die Anthroposophie begründet hat, eine zum Teil auch kontrovers kritisierte esoterische und spirituelle Weltanschauung. Kaiser: "Waldorf ist mit vielen Vorurteilen verbunden, wir wollen die andere Seite zeigen." Das soll vom 7. bis 10. Juni mit Musik, bei Workshops und in Arbeitsgruppen geschehen, wenn der Kartenvorverkauf auf die erwartete Besucherzahl schließen lässt. Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit sind neben Fragen zur Zukunft der Waldorfpädagogik die großen Themen. Dabei sollen auch kritische Fragen gestellt und die eigene Wahrnehmung reflektiert werden, sagt Kaiser. "Es geht nicht darum, uns selbst zu beweihräuchern." Man wolle die Waldorfpädagogik mit den Fragen der Zeit in Verbindung bringen, etwa der Digitalisierung. Außerdem soll das wieder zusammengebracht werden, was auseinander driftet. Nach Angaben von "Waldorf 100" gibt es weltweit mehr als 1.100 freie Waldorfschulen und über 2.000 -kindergärten. Eine internationale Konferenz koordiniert die Jubiläums-Aktivitäten "Waldorf 100" ist eine Initiative der internationalen Konferenz der Waldorfpädagogischen Bewegung. Sie veranstaltet ein Jubiläumsfestival im Berliner Tempodrom, einen internationalen Kongress für Waldorfpädagogik und koordiniert die Projekte zum Waldorf-Jubiläum. Beim Festival in Schloss Hamborn wird es zwei Bühnen geben, auf denen Musik und Kunst geboten wird. Es wird von Kooperationspartnern wie der Alanus Hochschule unterstützt, der "Universität für Waldorfpädagogik", so Kaiser. Außerdem dabei sind der Bunde der Freien Waldorfschulen, ihre Schülervertretung, der Waldorfshop und andere. Singer-Songwriter wie Sarah Lesch und Fee Badenius werden erwartet, übernachtet wird im Zelt oder im Wohnmobil. Promis der Waldorfszene wurden für Vorträge gewonnen, ein Wanderzirkus aus der Schweiz hat sich angesagt. Wer nicht die ganze Zeit dabei sein kann oder möchte, kann als Tagesgast kommen. "Es ist eher ein Familienfestival", fasst Kaiser zusammen. Der Erzieher ist selbst ein "Waldi", wie sich die Absolventen der Waldorfschulen nennen. Der 35-Jährige hat in Kassel eine Ausbildung zum Erzieher durchlaufen und arbeitet seit 2006 in Schloss Hamborn. 2009 hat er die Intensivwohngruppe mitgegründet hat. Ein Festivalgänger ist der Vater dreier Kinder eher nicht. Die größte unabhängige Schulbewegung Die Waldorfpädagogik geht auf das Menschenbild des Antroposophen Rudolf Steiner (1861-1925) zurück und zählt sich zur größten freien Schulbewegung. In Deutschland gibt es etwa 250 Waldorfschulen und mehr als doppelt so viele Waldorfkindergärten. Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart als Betriebsschule der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik gegründet. In Schloss Hamborn haben sich 1931 die ersten Antroposophen niedergelassen, 1947 wurde die Rudolf-Steiner-Schule gegründet.

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