Borchen So wird in der Hitze der Wald gegossen

Bei Borchen: Warum Auszubildende die Bäume im Ritterholz bewässern müssen und wie in der Hitzewelle Pflanzen und Tiere im Forstrevier reagieren

Karl Finke

Borchen. Wenn die Forstleute dies geahnt hätten: Dass ab April so gut wie kein Regen mehr fallen würde. "Hätten wir gewusst, dass es solch ein Sommer würde, hätten wir gar nicht gepflanzt", sagt Carsten Breder, Förster im Revier Gellinghausen, mit einem inneren Blick zurück und durchaus Bedauern über die entstandene Bredouille. Ohne Wasserzufuhr würden wohl die meisten der 5.000 jungen Stieleichen in den nächsten Wochen nicht überleben. Im Frühjahr sah alles noch ganz anders aus. Nach ergiebigen Regenfällen seit November 2017 wurde die Waldverjüngung in einen gut durchnässten Boden eingebracht. 1,50 Euro kostete ein Setzling, einen weitere Euro das Pflanzen in ein blumentopfgroßes Erdloch. Den Wert des nachwachsenden Waldes wollte das Regionalforstamt Hochstift in der Hitzewelle nicht einfach abschreiben. Die jungen Eichen füllten im Ansatz den Platz, der im Ritterholz mit seinem 35 bis 40 Jahre alten Baumbestand vor allem durch das Eschensterben frei geworden war. Fast nur Buche und Ahorn blieben hier stehen. Der Waldboden wurde für die Verjüngung zum Teil frei geräumt. Vier Tage Bewässerung erforderlich Forstwirtschaftsmeister Franz-Josef Salmen (Haaren) und seine Auszubildenden hatten zunächst mit Probebohrungen die Feuchtigkeit im Boden getestet. Der Kalkboden speicherte das Wasser vergleichsweise gut - aber nicht gut genug für den Nachwuchs. Das Wasserfass musste anrollen. Auf einem natürlichen Gefälle und durch einen Schlauch floss danach das lebenserhaltende Nass punktgenau zu jedem Bäumchen. "Wie bei einem Blumentopf", so der Ausbilder: "Drei bis vier Liter pro Pflanze." 7.000 Liter rannen an einem Tag in den Wald. Vier Tage Bewässerung wurden insgesamt für die Rettung des Bestandes erforderlich. Was ohne diese künstliche Wasserzufuhr passieren würde, konnten die Forstexperten an einigen der Bäumchen bereits ablesen. Auch die jungen Stieleichen warfen an ihren Minikronen längst Laub ab - eine Schutzmaßnahme in der Hitzewelle. "Um die Verdunstung möglichst gering zu halten", so Förster Breder. Auch der Zuwachs fiele in diesem Jahr mit viel Sonne und ohne Regen deutlich geringer aus. Davon würden später dünne Jahresringe Zeugnis ablegen. Die größeren Bäume wiederum entledigten sich bereits ihrer Samen und Früchte. "In Südhanglagen sind Astabbrüche zu verzeichnen", so Breder weiter mit der Erklärung: "Das Holz wird ohne weitere Wasseraufnahme spröde." Er selbst hätte eine solche Situation in seiner 30-jährigen Dienstzeit in Gellinghausen noch nicht erlebt. Da könnten auch mögliche Sturzregenfälle in den nächsten Tagen kaum etwas verbessern: "Das Wasser fließt über den harten Waldboden einfach ab." In diesem Hochsommer sah es unter einigen Bäumen, die Laub abgeworfen haben, schon wie auf Herbstbildern aus. Das Rehwild lässt in der Hitze eine Paarungsmüdigkeit erkennen Die Hitzewelle blieb im Wald auch nicht ohne Auswirkungen auf das Wild. "Rehe können die Wärme eigentlich gut vertragen", so Förster Breder. Doch in der aktuellen Blattzeit, die Paarung beginnt meist Mitte Juli und dauert bis Mitte August, hätten Revierförster im Bereich Gellinghausen eine gewisse Müdigkeit festgestellt. Sollte die Zahl des Nachwuchses im kommenden Jahr kleiner ausfallen, würde weniger Eichenverjüngung verbissen - soweit die Leckerbissen nicht ohnehin durch Gatter geschützt sind.

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