Durch die Absage des Rathaus-Neubaus in Bad Lippspringe ist auch eine mögliche Ansiedlung eines Discounters hinfällig. - © Jens Reddeker / Montage: Thomas Grundmann
Durch die Absage des Rathaus-Neubaus in Bad Lippspringe ist auch eine mögliche Ansiedlung eines Discounters hinfällig. | © Jens Reddeker / Montage: Thomas Grundmann

"Discounter-Rathaus" in Bad Lippspringe ist gescheitert

Schlussstrich: Die Pläne am Verwaltungsstandort einen Discounter zu bauen sind vom Tisch. Trotzdem herrscht noch immer dringender Handlungsbedarf

Klaus Karenfeld
06.06.2019 | Stand 06.06.2019, 14:27 Uhr

Bad Lippspringe. Jetzt hat auch der Bad Lippspringer Stadtrat einen politischen Schlussstrich gezogen: Die vor genau einem Jahr vorgestellten Pläne, das örtliche Rathaus abzureißen und an gleicher Stelle zusammen mit einem Discounter neu zu bauen, sind endgültig vom Tisch. Im Mai war bereits durchgesickert, dass es Investoren nicht gelungen war, die notwendigen zusätzlichen Innenstadtgrundstücke zu erwerben. Wichtige Fragen aber bleiben. Das 1950 erbaute Bad Lippspringer Rathaus ist unübersehbar in die Jahre gekommen. Das bezweifelt auch die CDU nicht und hatte deshalb für die Ratssitzung am Mittwochabend einen eigenen Antrag eingebracht. Die Stadtverwaltung wurde darin aufgefordert, die notwendigen Instandsetzungsarbeiten am Verwaltungsgebäude im Detail aufzulisten und die Kosten zu ermitteln. Für die Antwort hatte die CDU der Verwaltung auch eine Frist gesetzt, und zwar bis zur nächsten Ratssitzung am 10. Juli. Zu hoher Druck durch Fristen Bürgermeister Andreas Bee fühlte sich durch diese Vorgabe unter Druck gesetzt: „Sie kennen die angespannte personelle Situation in der Stadtverwaltung. Was hier gefordert wird, ist in so kurzer Zeit nicht zu leisten." Bee schlug deshalb vor, das Thema Rathaus-Instandsetzung im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2020 zu diskutieren. Dann läge auch das Einzelhandels- und Zentrenkonzept im Detail vor. Martin Koke (FDP) machte einen Vorschlag zur Güte: „Die Frist bis Juli ist wirklich sehr kurz. Es wäre besser zu sagen: Die Verwaltung soll die gestellten Fragen schnellstmöglich beantworten". Bee wie auch die Fraktionen zeigten sich damit einverstanden. Ein Gesamtkonzept für die Innenstadt ist gefragt Dass im heutigen Rathaus akuter Raumbedarf besteht, wird auch von Dieter Bursch (Die Linke) nicht in Frage gestellt. Sein Lösungsvorschlag lautete kurz und bündig: „Einfach eine Etage draufsetzen und darüber ein neues Dach. Dann passt es." Dieser Sichtweise konnte Bee nur wenig abgewinnen: „Das Thema Rathaus ist viel komplexer. Da geht es unter anderem auch um Fragen der energetischen Sanierung und nicht zuletzt auch um die Funktionalität und die Optik des Hauses." Gerda Werth (Die Grünen) sieht in diesem Zusammenhang noch an anderer Stelle dringenden Handlungsbedarf. Angesichts der Ladenleerstände seien wirkungsvolle Konzepte gefragt, um die Innenstadt von Bad Lippspringe nachhaltig aufzuwerten. Wie Bee erhofft auch sie sich konkrete Handlungsempfehlungen vom Einzelhandels- und Zentrenkonzept. „Ein Weiter so geht jedenfalls nicht", so Werth. Discounter-Pläne hinfällig Angenommen wurde vom Rat auch der Antrag, finanzrelevante Planungen für einen möglichen Einzelhandel am Standort Rathaus einzustellen. „Damit hat die Verwaltung kein Problem", so Bee. „Bis heute ist seitens der Stadt kein Geld in mögliche kostspielige Gutachten geflossen. Das war und ist auch für die Zukunft nicht unsere Absicht." Da der Rathaus-Neubau gescheitert ist, hat die FWG ihren Plan für einen Ratsbürgerentscheid aufgegeben. „Bei veränderter Sachlage würden wir aber darauf zurückkommen", machte Bernhard Göke für seine Fraktion deutlich. Keine Mehrheit fand abschließend ein Bürgerantrag, das Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen.

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