An neuen Perspektiven wird gearbeitet: Die Welle-Türme im Bad Lippspringer Gewerbegebiet Am Vorderflöß sollen auch in Zukunft in den Himmel ragen. - © Wellemöbel
An neuen Perspektiven wird gearbeitet: Die Welle-Türme im Bad Lippspringer Gewerbegebiet Am Vorderflöß sollen auch in Zukunft in den Himmel ragen. | © Wellemöbel

Bad Lippspringe Bei Wellemöbel und MF in Bad Lippspringe wird weitergearbeitet

Wie das Unternehmen und der Insolvenzverwalter mit rund 200 verbliebenen Mitarbeitern die Produktion in eine Zukunft führen wollen

Karl Finke
10.01.2019 | Stand 10.01.2019, 08:13 Uhr

Bad Lippspringe. Im vorläufigen Insolvenzverfahren der Unternehmen Wellemöbel (Anfang Dezember noch 131 Mitarbeiter) und MF Bad Lippspringe (211) haben viele Beschäftigte für eine wichtige Weichenstellung gesorgt. Aus der Belegschaft sind rund 200 Arbeitskräfte bereit, unter der Regie von Insolvenzverwalter Frank Kebekus die Fortführung der Möbelproduktion in der Badestadt anzugehen. "Es werden noch mehr werden, wenn andere sehen, dass es weitergeht", so Kebekus im Gespräch mit nw.de zur Wiederaufnahme der Arbeit nach Ende der ohnehin zum Jahreswechsel geplanten Betriebsferien. "Die Auftragslage ist ziemlich gut", so Kebekus, Rechtsanwalt für Spezialthemen in Düsseldorf, weiter zu aktuellen Situation im Verfahren. Der Name Wellemöbel steht im deutschen Möbelmarkt und darüber hinaus offenbar nach wie vor für Qualität. "In gewissen Segmenten, zum Beispiel bei bestimmten Büromöbeln, ist das Unternehmen sogar Marktführer", so der Insolvenzverwalter zur Nachfrage. Einige Verträge sind bereits unterzeichnet worden Der Insolvenzverwalter aus Düsseldorf sucht mittlerweile vor allem nach Investoren, um dem zahlungsunfähig gewordenen Bad Lippspringer Unternehmen neues Geld zuzuführen. Kebekus setzt dabei auf die Kunden des Möbelherstellers, die zum Erhalt des etablierten Traditionsnamens finanzielle Beiträge leisten könnten. "Vier, fünf Verträge sind bereits unterschrieben und ich habe noch keine negative Rückmeldung erhalten", so Kebekus zu den Aktivitäten seiner Kanzlei: "Und wir haben erst mal nur bei den großen Kunden nachgefragt." Für die Beschäftigten scheinen die Bemühungen um eine Zukunft der Unternehmen mehr als eine Art Hoffnungsschimmer. "Die Situation ist alles andere als aussichtslos", so Kebekus' Einschätzung. Wer in den Unternehmen weiterarbeitet, musste allerdings eine so genannte Abtretungserklärung unterzeichnen. Sie bedeutete den Verzicht auf in 2018 nicht gezahlte Lohn-Summen. Auf diesem Wege stellt der Insolvenzverwalter die Zahlung des so genannten Insolvenzgeldes für die Monate Dezember, Januar und Februar sicher. Anfang Dezember hatte Geschäftsführerin Anna Sommermeyer-Rickert die Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Paderborn angemeldet. Sollte der Insolvenzverwalter in den kommenden Wochen weitere Geldgeber für die Unternehmen finden, steigen die Chancen auf ein ordentliches Verfahren. "Ich habe heute mit einem potenziellen Investor gesprochen", so Kebekus zu nw.de, "und führe ein weiteres Gespräch am Freitag." Für eine Perspektive zum Erhalt der Unternehmen müsse eine finanzielle Lösung in Sicht sein, so der Verantwortliche. Zur eventuellen Höhe des Investitionsbedarf konnte oder mochte der Düsseldorfer keine Angabe machen. Auch der Logistik-Betrieb soll weitergeführt werden Auch beim Logistik-Betrieb für Wellemöbel, der Howelpa GmbH in Paderborn, wird laut Kebekus wieder "in kleinem Rahmen gearbeitet". Dort hatte eine sehr große Zahl der Beschäftigten aufgrund der Probleme zum Jahresende gekündigt. In Mönkeloh solle aber nicht nur das Lager weitergeführt, sondern auch die Auslieferung der Möbel neu aufgenommen werden, so der Insolvenzverwalter. Als Stichtag für einen Sanierungsplan steht der 1. März im Hintergrund. Zu diesem Termin müssten die zukünftigen Strukturen möglichst in Sicht sein, so Kebekus. Die neuen Strukturen würden von den Vorstellungen der zukünftigen Geldgeber bestimmt. Wenn für Wellemöbel und Co. eine weitere Rettung gelingen sollte, wäre es für etliche Beteiligte bereits das dritte erfolgreich durchlaufende Insolvenzverfahren. Das Paderborner Traditionsunternehmen Welle, die Holding hat ihren Sitz nach wie vor an der Wollmarktstraße, gliederte die Möbelproduktion 2002/03 aus der Gruppe mit einem leicht verändertem Namen aus und verlagerte den Betrieb seinerzeit in die Gebäude des früheren Bad Lippspringer Unternehmens Stammschröer. Im zweiten Insolvenzprozess 2014 wurde die Belegschaft weiter verkleinert. Die verbliebenen Beschäftigten mussten unter anderem eine Verlängerung der Arbeitszeiten in Kauf nehmen.

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