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Erster Spatenstich zur Nordumgehung

Historischer Tag mit Pfiffen und Flüstern

VON JÖRG STUKE
23.10.2008 | Stand 04.02.2015, 12:35 Uhr

Löhne/Bad Oeynhausen. Der Planner denkt europäisch. "Mit diesem Lückenschluss entfallen die letzten neun Ampeln zwischen Amsterdam und Moskau", sagte Winfried Pudenz, Hauptgeschäftsführer von Straßen NRW, als gestern in Bad Oeynhausen mit dem ersten Spatenstich der offizielle Baubeginn für die Nordumgehung gefeiert wurde. Lautstark, aber friedlich wurde der Festakt begleitet von mehreren hundert Demonstranten gegen den Autobahnbau.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) machte das Wetter einen Strich durch seine Besuchspläne. Sein Hubschrauber konnte wegen Nebels nicht starten. Rüttgers blieb in Düsseldorf. NRW-Verkehrsminister ter Oliver Wittke (CDU) hatte aufs Auto gesetzt und war so pünktlich zum Spatenstich in Bad Oeynhausen angekommen.

Auch er betonte die überregionale Bedeutung dieses Projekts. "Wir können uns nicht ständig über Staus auf den Autobahnen beklagen, aber nicht den Mut haben, die nötigen Maßnahmen dagegen zu ergreifen", sagte Wittke auch mit Blick auf die kritischen Äußerungen der Nordumgehungsgegner. "Ich habe viel Verständnis für die Demonstranten", so der Minister. "Aber ich habe genau so viel Verständnis für die Menschen, die nicht länger unter zunehmendem Lärm und Abgasen in der Stadt leiden wollen."

Die Ortsdurchfahrt Bad Oeynhausen sei in einem unerträglichen Zustand, so Wittke. "Und die Situation würde schlimmer, wenn wir nichts täten." Dem Tunnel, der nach wie vor von den Nordumgehungsgegnern gefordert wird, erteilte Wittke erneut eine Absage: "Wir können einfach nicht an jeder Stelle einen Tunnel bauen, wo er gefordert wird. Betrieb und Bau wären unerträglich teuer", so der Minister auf Nachfrage der NW.

Wittkes Rede wurde von den Demonstranten, die sich durch einen Bauzaun getrennt jenseits des offiziellen Festaktes aufstellen mussten, immer wieder mit Pfiffen und Rufen kommentiert.

Staatssekretär verspricht lärmmindernden Asphalt

Trotz der lautstarken Kulisse schnitt Matthias von Randow, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, ein ganz leistes Thema an: den Flüsterasphalt, der von der Stadt als Lärmschutzmaßnahme gefordert wird. "Wir wollen das machen", versprach von Randow und kündigte an, dass über Details zum Flüsterasphalt kurzfristig Gespräche mit der Stadt und den Planern bei Straßen NRW geführt werden sollen.

Nicht zuletzt der Einsatz der beiden heimischen Bundestagsabgeordneten Steffen Kampeter (CDU) und Wolfgang Spanier (SPD) für den Spezialbelag habe das Ministerium überzeugt, so der Staatssekretär. Diese Zusage freute ganz besonders Bürgermeister Klaus Mueller-Zahlmann. "Das ist ein toller Erfolg unserer Verhandlungen", sagte er. Als "historischen Tag für Bad Oeynhausen", wertete der Bürgermeister den Spatenstich.

Ähnlich sah das der Staatssekretär von Randow. "Wir rechnen bis 2025 mit einer Verdopplung des Lastwagenverkehrs auf den Autobahnen", so der Gast aus Berlin."Wenn wir hier jetzt nicht handeln, dann würden in einigen Jahren dieselben Leute, die jetzt demonstrieren, vor uns stehen und fragen: Was macht ihr gegen den Lastwagen-Tsunami in unserer Stadt?"

Dann folgte der offizielle Akt. 14 prominente Gäste griffen zum Spaten und warfen symbolisch eine Schippe Sand auf die Baustelle. Die Demonstranten kommentierten das auf ihre Art: "Hier werden die Interessen der Bürger beerdigt", riefen sie.

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