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"100 Lastwagen mehr fallen nicht auf"

Tobias Fischer von Straßen NRW antwortet auf 19 Fragen zur Nordumgehung

VON NICOLE SIELERMANN
26.07.2008 | Stand 04.02.2015, 12:34 Uhr

Bad Oeynhausen. Der Bau der Nordumgehung rückt näher. Er wird massive Auswirkungen auf das Leben und den Verkehr im Norden der Stadt haben. Die zentralen Fragen rund um das umstrittene Bauwerk beantwortet Tobias Fischer, Projektleiter bei der Planungsbehörde Straßen NRW.

?Wann ist Baubeginn?

Der erste Spatenstich erfolgt voraussichtlich im September. Ein genauer Termin erfolgt nach Abstimmung mit dem Bundesverkehrsminister.

? Wo gehts los? Und wie geht es dann weiter?

Los geht es östlich und westlich der Eidinghausener Straße mit der Errichtung von Regenrückhaltebecken, gefolgt von den neuen Brücken für Mönichhusen und Wöhrener Straße über den Kaarbach, der verlegt werden muss.

? Wann starten die Arbeiten an den anderen Bauabschnitten und wie sehen diese aus?

Der zweite Abschnitt - von "Im Meerbruch" bis zur Dehmer Straße - inklusive der B 61n - beginnt 2009. Der dritte Abschnitt - Handwerker Straße bis Werrequerung West - 2010 und der vierte Abschnitt - Umbau Autobahnkreuz Löhne - 2011. Weitere Großbauwerke sind: Werrequerungen (Beginn 2009) und der Tunnel Hahnenkamp (Beginn 2011).

? Wie lange dauern die einzelnen Abschnitte?

Das ist entsprechend der einzelnen Abschnittsunterteilung sehr unterschiedlich. Zunächst werden jeweils die Bauwerke errichtet, dann folgt der Streckenbau und die Lärmschutzwände sowie die trassenbegleitenden Ausgleichsmaßnahmen sowie Bauwerke in tiefen Einschnitten. Pro Abschnitt müssen im Schnitt zwei bis drei Jahre Bauzeit gerechnet werden.

? Wohin kommt die Erde? Wo wird sie transportiert?

Überschussmassen gehen in das Eigentum des jeweiligen Auftragnehmers über, und werden von diesem entsprechend verwertet. Wir bewegen zirka eine Million Kubikmeter Erde. Davon werden 500.000 Kubikmeter für Straßendämme genutzt, einige für Lärmschutzwälle, und der Rest wird entsorgt. Der Abtransport erfolgt über die neue Werrebrücke im Osten der Stadt, die direkt an die B61 angebunden ist. Somit wird die Erde über die Mindener Straße zum Autobahnkreuz Löhne transportiert. Das wird auch in der Ausschreibung beschränkt, damit der Verkehr nicht durch Werste rollt. Zudem muss der Unternehmer auch eine saubere Straße gewährleisten. Für die Menschen an der Mindener Straße und Kanalstraße wird es keine zusätzliche Belastung sein. Dort gibt es zurzeit täglich 50.000 Fahrzeuge mit etwa 20 Prozent Schwerverkehr. Das sind 10.000 Lastwagen. Da fallen 100 Fahrzeuge, die für die Erde benötigt werden, nicht auf. Schließlich ist das gerade einmal ein Prozent.

? Gibt es den passiven Lärmschutz für die Anwohner schon zur Bauphase?

Nein. Der Lärmschutz entsteht parallel mit dem Bau der Autobahn. Wenn dann die Strecke freigegeben wird, ist auch der passive Lärmschutz fertig.

? Ist eine Anbindung der neuen B 61 in Dehme an den Weserauentunnel in Zukunft noch in anderer Form geplant?

Bisher ist eine derartige Maßnahme nicht im Bundesverkehrswegeplan enthalten.

? Hat die Absenkung des Grundwasserspiegels Auswirkungen auf die Anlieger und das Schloss Ovelgönne?

Der Umflut am Schloss Ovelgönne wird weiterhin das Wasser des Kaarbachs zugeführt, um die Dauerhaftigkeit der Pfahlgründung zu gewährleisten.

? Wohin wird das abgepumpte Grundwasser geleitet? Gibt es denn dann nicht noch mehr Probleme mit Überflutungen am Kaarbach?

Das Grundwasser wird nicht abgepumpt, sondern über entsprechende Drainageleitungen dem jeweiligen Vorfluter zugeführt. In der wassertechnischen Berechnung sind die im Vergleich zum Hochwasser des Kaarbachs geringfügigen Mengen aus der Grundwasser-Einleitung berücksichtigt.

? Gibt es größere Umleitungen durch die Baustellen?

Im Wesentlichen sind für die kreuzenden Straßen während der Bauphasen Umleitungen vorgesehen. Die größte Umleitung des örtlichen Verkehrs dürfte aus dem Neubau der Kaarbachbrücke auf der L772 (Eidinghausener Straße/Volmerdingsener Straße) entstehen. Für den Autobahnverkehr wird der Lückenschluss am Autobahnkreuz Löhne zum Ende der Maßnahme interessant.

? Gibt es nach Fertigstellung verkehrsberuhigende Maßnahmen auf der Mindener Straße/Kanalstraße?

Das ist aufgrund des hohen Anteils des innerörtlichen Verkehrs mit mehr als 20.000 Autos am Tag kaum zu erwarten.

? Und wie sieht es auf Dehmer Straße und Werster Straße damit aus?

Beides sind Straßen (B61 und L546) die zur Aufnahme des Verkehrs notwendig sind.

? Welche Straßen werden zu Sackgassen?

Alle Hauptwegeverbindungen bleiben selbstverständlich erhalten! Insgesamt haben die Verkehrsteilnehmer zwischen Werrequerung Ost und West an elf Stellen die Möglichkeit die A30 zu queren, also durchschnittlich alle 700 Meter. Hinzu kommen die Geh- und Radwegbrücken "Am Flutgraben" sowie am Alten Postweg. Die Geh- und Radwegstrecken entlang der Werre bleiben ebenso erhalten. Als Beispiel: Der Alte Salzweg wird der Werster Heide angebunden und dort über die Trasse geführt. Oder das Brökerfeld in Dehme, das nicht eigenständig über die Trasse geführt, sondern über die Straße "Steinkamp" angebunden wird. Das untergeordnete Wegenetz muss neu sortiert werden. Kein Weg endet in der Pampa, sondern hat immer eine Verbindung in der Nähe.

? Zwei Anlieger bekommen nach einer Einigung verbesserten Lärmschutz. Wie sieht dieser aus? Was ist dort anders, als am Rest der Trasse?

Das ist Bestandteil des gerichtlichen Vergleiches, den wir nicht öffentlich diskutieren!

? Welche Möglichkeiten haben Anlieger, bei denen der Lärmschutz nicht ausreicht?

Das Gericht hat bestätigt, dass der insgesamt eingeplante Lärmschutz dem gesetzlichen Standard entspricht.

? Wie viele Brücken wird es im Bereich der Nordumgehung geben?

26 Brücken sowie zwei Straßenquerungen auf dem Tunnel am Hahnenkamp.

? Wird die Nordumgehung über Brücken geführt, oder wird sie überbrückt? Wenn ja - wo und wie?

Es gibt 12 Überführungsbauwerke (Straßen die über die Autobahn gehen) und 14 Bauwerke für die Unterführungen von Gewässern oder Straßen.

? Wie sieht es mit dem Artenschutz aus? Welche Ausgleichsflächen sind geplant?

Natürlich wurde auch der Artenschutz bei der Planung entsprechend berücksichtigt. Es gibt unter anderem Spritzschutz auf den Werrebrücken, der verhindert, dass Schadstoffe in das Werrewasser gelangen. Es gibt Schutzeinrichtungen, Brücken und Durchlässe für Amphibien und Kleintiere sowie neu angelegte Gewässer und die sogenannten Überflughilfen für Fledermäuse. Insgesamt werden wir Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf mehr als 120 Hektar Fläche (mehr als 150 Fußballfelder) durchführen. So werden zum Beispiel der Wulferdingsener Bach auf großer Fläche oder ein Feuchtbiotop in der Blutwiese neu angelegt. Zur Diskussion als Ausgleichsfläche steht auch der ehemalige Truppenübungsplatz Herford-Schwarzenmoor.

? Halten die Bauarbeiter die normalen Arbeitszeiten ein? Minister Tiefensee hat immerhin "mehr Arbeit und weniger Staus bei Autobahnbaustellen" gefordert. Wird somit sonntags und nachts gearbeitet?

Die A30 wird zunächst auf der "grünen Wiese" errichtet und unterliegt damit nicht der Baubeschleunigung zur Stauvermeidung. Diese setzt erst beim Umbau des Autobahnkreuzes Löhne unter Verkehr ein. Selbstverständlich sollen die Bauzeiten so kurz wie möglich gehalten, die Bauablaufplanung optimiert und gesetzlichen Ruhezeiten eingehalten werden. Im Autobahnkreuz Löhne ist aber auch Nachtarbeit möglich.

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