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Kurz vor dem Rückflug nach Deutschland verabschiedeten die Mitarbeiter des Projekts "Ray of hope" Jule Müller. Die Kleinendorferin wäre gern noch ein bisschen länger geblieben. - © Jule Müller
Kurz vor dem Rückflug nach Deutschland verabschiedeten die Mitarbeiter des Projekts "Ray of hope" Jule Müller. Die Kleinendorferin wäre gern noch ein bisschen länger geblieben. | © Jule Müller

Rahden Was eine Rahdenerin ein Jahr lang in Ghana erlebt hat

Deutsche Freiwillige helfen Straßenkindern in Westafrika

Joern Spreen-Ledebur
19.10.2019 | Stand 19.10.2019, 16:45 Uhr

Rahden-Kleinendorf. Jule Müller bringt sich ein. Bei Aktionstagen im Museumshof ist sie dabei und unterstützt das Team der Ehrenamtlichen. Die Kleinendorferin macht aber noch mehr. Sie engagierte sich für Kinder, die nicht in einem wohlhabenden westlichen Staat leben. Die Idee, für ein Projekt eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten, hatte Jule Müller (19) schon lange. Schon in der achten Klasse habe sie darüber nachgedacht, sagt die Kleinendorferin. Diesen Wunsch hat sie sich erfüllt. Nach dem Abitur am Espelkamper Söderblom-Gymnasium flog sie vor einem Jahr nach Ghana. Sprachbarriere überwunden und viele neue Freunde gefunden Nun ist sie nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Ferne wieder zurück in Kleinendorf – mit ganz vielen Eindrücken. Sie hat viele neue Freunde gewonnen und hegt einen Wunsch. „Rays of hope" heißt das Projekt, bei dem sich Menschen um Straßenkinder kümmern. Bürger aus Ghana arbeiten hier mit, aber auch Deutsche. So wie Jule Müller. Während ihres Jahres in Ghana wurden rund 60 Kinder von acht Mitarbeitern betreut. "Kinder geben einem so viel zurück bei dem, was man macht" Unterstützt wird das Projekt von der Aktion Lichtblicke. Hinter dem Paderborner Verein steht die katholische Kirche. Der Verein unterstütze das Projekt finanziell, sagt Jule Müller. „In Ghana ist es ein eigenständiges Projekt." Zu den treibenden Kräften gehört ein ghanaischer Streetworker, der selbst als Kind auf der Straße lebte und in dem Projekt aufwuchs. Ziel ist die Re-Integration von Straßenkindern. Zu finden ist das Projekt in der Stadt Ashaiman. Wie viele Einwohner diese Stadt hat, das weiß wohl niemand so genau. Ashaiman ist etwa eine Dreiviertel Stunde von der ghanaischen Hauptstadt Accra entfernt. Entstanden sei die Stadt aus einem Slum und hätte sich später von der Hafenstadt Tema abgespalten. Eigenes Projekt sollte umgesetzt werden Was tun Kinder, die bei dem Projekt dabei sind? „Es gibt eine Vorschule mit den Basics zu Mathe, Lesen und Schreiben", berichtet Jule Müller. Auch das Sozialverhalten sei in dem Jahr Vorschule ein Thema. Pünktlich zur Schule kommen und Streit vermeiden – so würden Grundlagen für den folgenden Schulbesuch geschaffen. Außerhalb der Stadt wird durch das Projekt ein Internat betrieben, in dem die Kinder wohnen, die eine staatliche Schule besuchen. Welche Besonderheiten der Dialekt hat In der Vorschule unterrichtete die Kleinendorferin in einer Klasse Mathe und Englisch. Zudem engagierte sie sich für die nachmittägliche Hausaufgaben-Betreuung. Geholfen habe sie überall, wo Hilfe nötig war. Auch ein eigenes Projekt sollte die engagierte Kleinendorferin umsetzen – und tat das gern. Gemeinsam mit den Vorschülern griff Jule Müller zu Pinsel und Farben und gestaltete ansprechende Klassenräume. In der ersten Zeit in Ghana habe es „wahnsinnig viel Neues gegeben", merkt Jule Müller an. Viel Arbeit sei es gewesen. „Aber die Kinder geben einem viel zurück bei dem, was man macht." Neu für die Kleinendorferin war natürlich die Sprache in dem westafrikanischen Land. Sie habe während des einmonatigen Sprachunterrichts ein wenig den örtlichen Dialekt gelernt und habe mit den Kenntnissen auch zum Einkaufen gehen können, berichtet Jule Müller. In Ghana habe jede Region ihren eigenen Dialekt. Die Sprache zu lernen werde dadurch erschwert, dass die Menschen dort andere Laute und Aussprachen hätten. Erinnerungen an ein besonderes Ereignis Während der Arbeit mit den ehemaligen Straßenkindern habe es ganz viele kleine Erfolge gegeben, sagt Jule Müller und lächelt. Sie berichtet von einem kleinen Mädchen, das anfangs kein Wort Englisch sprach und auch nicht den örtlichen Dialekt. Das Kind habe eine Sprache gesprochen, die in Ashaiman niemand verstanden habe. „Da war überhaupt keine Verständigung möglich." Dann habe sich das geändert. Das Kind habe Englisch gelernt, spreche die Sprache nun fließend. Jule Müller: „Es ist schön, wenn man sich verständigen kann." Außerhalb des Projektes begann Jule Müller, sich in einem Kirchenchor zu engagieren und mitzusingen. „Dadurch entstanden Freundschaften mit Ghanaern über die Tätigkeit im Projekt hinaus." "Internet ist kein Problem, überall gibt es 4G" Die Kommunikation mit der Heimat sei übrigens kein Problem gewesen, merkt Jule Müller an. „Internet ist kein Problem, überall in Ghana gibt es 4G." Wenn mal ein Gespräch von Kontinent zu Kontinent zusammenbrach, dann habe das an Problemen in Deutschland gelegen. „Vom Gefühl her" wäre die Kleinendorferin gern noch etwas länger in Ghana geblieben, vielleicht ein weiteres Jahr. „Es war ein herzliches Miteinander, wie viele neue Geschwister." Und weil sie außerhalb des Projektes weitere Menschen kennenlernte, sei der Kreis noch größer gewesen. „Die Leute dort sind viel offener als hier." "Es ist wie eine große Familie" Wenn sie die Möglichkeit hätte, in Ghana wieder für ein soziales Projekt zu arbeiten – jederzeit, versichert Jule Müller. „Rays of hope" ist präsent in Jule Müllers Erinnerung. „Es ist eine große Familie, die Kinder sind untereinander wie Geschwister" – so beschreibt Jule Müller eine Besonderheit des Projekts. Viele ehemalige Straßenkinder kämen zu besuch, ehemalige Freiwillige ebenso. „Die sind sich nach wie vor verbunden." Ehemalige Freiwillige aus Deutschland würden sich hier für das Projekt einsetzen. Auch Jule Müller wird da keine Ausnahme machen. „Wir suchen neue Freiwillige für das nächste Jahr." Mitbringen müssten die Freude und das Interesse, eine neue Kultur kennen zu lernen. Infos finden Interessierte auch unter www.aktion-lichtblicke.de

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