Interessierte Zuhörer: IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven referierte vor dem Wirtschaftskreis Lübbecke. - © Karsten Schulz
Interessierte Zuhörer: IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven referierte vor dem Wirtschaftskreis Lübbecke. | © Karsten Schulz

Lübbecke IHK-Präsident fordert von der Politik: "Wirtschaft entfesseln"

Wirtschaftskreis Lübbecke: Scharfe Kritik an der Großen Koalition

Lübbecke-Alswede. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Lübbecke hatte zum 31. Wirtschaftskreis Lübbecke ins Autohaus Westfalen-Garage in Alswede geladen, und mehr als 100 Unternehmer waren erschienen. IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven hatte sich vom OWL-Oberzentrum aus aufgemacht, um den erfolgreichen, familiengeführten Unternehmen in der Region seine Reverenz zu erweisen, von denen einige ihren Sitz im Lübbecker Land haben. "Sie sind das Herzstück unserer Wirtschaftskraft", lobte er den unternehmerischen Geist und die Kreativität heimischer Industrieller. Er bezeichnete sie zudem als "Rückgrat des Mittelstandes", der OWL relativ unabhängig mache von konjunkturellen Krisen. Darauf wies auch Lübbeckes Wirtschaftsförderer Claus Buschmann hin, der den Abend hervorragend moderierte. Nach so viel Lob für die Kollegen im Minden-Lübbecker Land musste der Chef von 750 Mitarbeitern der Otto Boge GmbH & Co. KG auch einige Wermutstropfen verschütten. Insgesamt sei die Stimmung in der Wirtschaft "robust, aber nicht euphorisch". Billiges Öl, günstige Zinsen und "schlapper" Euro seien zwar positive Faktoren, Meier-Scheuven wies jedoch auch auf die Gefahren hin. Chinas Wachstum schwächele, ebenso Russland, und Brasilien stecke in der Rezession. Der Schuldenstand habe nicht abgenommen, und Griechenland sei noch nicht aus dem Schneider. Es gebe Bürgerkriege in Arabien, die Sanktionen gegen Russland hätten negative Auswirkungen und der demografische Wandel sei immer spürbarer durch zunehmenden Fachkräftemangel. Meier-Scheuven: "Wir müssen uns in Zukunft auf Gegenwind einstellen." Kaum ein gutes Haar lässt er an der Großen Koalition, deren Politik er ernüchtert als "für den Mittelstand nicht wahrnehmbar" bezeichnet. Der versprochene Bürokratie-Abbau sei ins Gegenteil umgeschlagen. Er sprach in diesem Zusammenhang den Mindestlohn und die Dokumentationspflicht an, die Frauenquote, das Entgelt-Gleichheits- und das Tariftreue-Gesetz: "Hier sind Bürokratie-Monster entstanden, die uns in unserer Entwicklung und unternehmerischer Kreativität behindern statt fördern", schim-pfte Meier-Scheuven. Die Politik müsse die Wirtschaft entfesseln, so der Unternehmer. Bei der Umsetzung des Landesentwicklungsplans forderte er Düsseldorf auf, auch an OWL zu denken.

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