Espelkamp Zwei Literaturpreise für Espelkamperin Marlies Kalbhenn

Karsten Schulz

Espelkamp. Von Espelkamp in die große, weite Welt der Literatur. Marlies Kalbhenn, heimische Literatin und Verlegerin, wird bundesweit immer bekannter. Sie trägt den Namen Espelkamps weit über die Stadtgrenzen hinaus und sorgt auch in dieser Hinsicht dafür, dass sich das Image der jungen Industriestadt im Park immer weiter verbessert. Vor allem tragen ihre Literaturpreise dazu bei, von denen sie auch im vergangenen Jahr zwei für sich verbuchen konnte. Der eine wurde ihr bereits im Oktober in Berlin überreicht, der zweite trug ihr eine Einladung zum Neujahrsempfang der Süddeutschen Zeitung am 18. Januar 2016 - ebenfalls in Berlin - ein. "Die Kunst der Einfachheit" - so lautete die Ausschreibung der Lebenshilfe und der LEA Leseklubs Berlin. (LEA = Lesen Einmal Anders). (In diesen Klubs treffen sich Erwachsene mit und ohne Behinderung einmal in der Woche in einem gemütlichen Café zum gemeinsamen Lesen.) Eine Erzählung für Erwachsene in einfacher oder leichter Sprache zu schreiben - dieser Herausforderung hat sich Marlies Kalbhenn gern gestellt und eine ihrer Erzählungen entsprechend "übersetzt". Aus 740 Einsendungen wählte die Jury ihre Geschichte mit dem Titel "Meine Freundin Anna" auf den zweiten Platz. Die Preisverleihung fand im Oktober 2015 in der Jerusalemkirche in Berlin-Kreuzberg statt: in Anwesenheit von rund 150 Mitgliedern der LEA-Leseclubs u. a. aus Ulm, Leipzig, Köln, Dortmund, Göttingen und Minden. Die Texte der Preisträger wurden sowohl von Berliner Schauspielerinnen als auch von Mitgliedern der Leseclubs vorgetragen. Es war ein Literaturfest der ganz besonderen Art, bei dem die Menschen mit geistiger Behinderung im Mittelpunkt standen, die mit berührender Intensität und Spontaneität bei den Geschichten "mitgingen". Die Erzählung von Marlies Kalbhenn ist nachzulesen in dem Buch "Die Kunst der Einfachheit", das im Verlag der Lebenshilfe Marburg erschienen ist. "Es war für mich eine zum Teil sehr bewegende Veranstaltung der ganz anderen Art. Sie war bunt, fröhlich, brachte einen aber auch ins Nachdenken", sagte die Literatin jetzt im Gespräch mit der NW. Ein Kontrastprogramm war das Fest der Süddeutschen Zeitung am vergangenen Montag in Berlin, wo rund tausend Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien einen langen Abend im Humboldt-Karree (Berlin-Mitte, Nähe Gendarmenmarkt) bei erlesenen Speisen, reichlich Getränken und Gesprächen verbrachten. Natürlich galt die Aufmerksamkeit der vielen Fotografen nur den wirklich großen Namen, die angeführt wurden von Angela Merkel und Walter Steinmeier. Aber ein Lächeln mit Wiebke Bruhns zu tauschen oder - aufgrund der Enge - für Sekunden auf Tuchfühlung mit Antje Vollmer, Sarah Wiener oder Helmut Markwort zu gehen - das hatte ja auch schon was! Marlies Kalbhenn war eingeladen worden, weil sie bei einem Kurzgeschichtenwettbewerb der Deutschen Bahn und der "Süddeutschen Zeitung" mit ihrer Geschichte über eine Bahnreise mit dem Paris-Moskau-Express aus 1.000 Einsendungen auf dem dritten Platz gelandet war. Die Geschichte "Hundert Kilometer sind keine Entfernung" ist in einem Buch mit dem Titel "Endlich Zeit" erschienen, das man mit etwas Glück kostenlos in Bahnhöfen ergattern kann, zum Beispiel in den Lounges der Ersten Klasse. Der Text ist aber auch im Internet zu finden. Marlies Kalbhenn hat den Berlinaufenthalt um einen Tag und eine Nacht verlängert, um auf der Probebühne des "Berliner Ensembles" eine Aufführung der Komödie "Die Juden" anzuschauen, die Gotthold Ephraim Lessing im Alter von 20 Jahren geschrieben hat. Ins Gästebuch des Theaters hat sie geschrieben, dass sie sich für die tolle Aufführung bedankt und sich auf die Begegnung im November freut, wenn das Berliner Ensemble im Espelkamper Theater "Nathan der Weise" spielen wird. Unter anderem auch zur Vorbereitung auf diese Aufführung wird Marlies Kalbhenn am Montag, 29. Februar, zu einem Abend in der Stadtbücherei Espelkamp einladen, der dem Leben und dem Werk Gotthold Ephraim Lessings gewidmet ist. Beginn ist um 19.30 Uhr. Veranstalterin ist die Volkshochschule.

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