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Die erste Hälfte der Flutmuldenbrücke wird dieses Jahr wohl doch noch nicht befahrbar werden. - © Ulf Hanke
Die erste Hälfte der Flutmuldenbrücke wird dieses Jahr wohl doch noch nicht befahrbar werden. | © Ulf Hanke

Verkehr Erneut Verzögerungen bei der Flutmuldenbrücke in Bad Oeynhausen

Anders als angekündigt wird die erste neue Hälfte der Fahrbahn nicht bis zum Jahresende fertig. Ein Grund ist die Suche nach Bomben. Doch die Bauarbeiter mussten auch monatelang auf Material warten.

Ulf Hanke
23.11.2022 | Stand 23.11.2022, 15:47 Uhr

Bad Oeynhausen. Der Zaubertrick mit der zersägten Brücke hat geklappt. Die Fahrbahn ist der Länge nach zerteilt und eine Hälfte abgerissen worden. Nur der Wiederaufbau der wichtigen Nord-Süd-Verbindung in der Kurstadt gestaltet sich deutlich langwieriger als gedacht. Anders als angekündigt wird die neue erste Hälfte der Flutmuldenbrücke nicht bis Ende des Jahres fertig. Das bestätigte Sven Johanning, Pressesprecher von Straßen NRW, auf Nachfrage der NW. Das gesamte Projekt ist derzeit etwa 2,5 Monate in Verzug.

Derzeit rollt der Verkehr als Einbahnstraße in Richtung Innenstadt über eine Brückenhälfte. Die andere Hälfte der Umflutbrücke wurde im Mai davon abgetrennt und abgerissen. Die Arbeiten wurden allerdings mehrere Wochen verzögert, weil der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes NRW mehrfach im Untergrund nach explosiven Überbleibseln aus den Weltkriegen suchte. Diese Suche gestaltete sich aufwendig. Drei Mal kamen die Experten vorbei, um verdächtige Stellen unter die Lupe zu nehmen. Die Spezialisten kämpften allerdings nicht nur gegen Blindgänger-Verdachtspunkte im Untergrund, sondern auch mit dem Coronavirus in den eigenen Reihen. Die Kampfmittelräumung dauerte insgesamt etwa vier Wochen und damit länger als erwartet, schätzt Straßen-NRW-Pressesprecher Sven Johanning.

Der Hauptgrund für die Verzögerungen auf der Flutmulden-Baustelle sind jedoch Lieferketten-Probleme, die sich zeitlich mit der Kampfmittelräumung überschnitten. Die Baufirma musste zehn Wochen auf den Stahl für die Spundwände warten. Diese Spundwände sind rings um die Fundamente der neuen Brückenpfeiler in den Boden gerammt worden. Der Stahl war für Juni bestellt. Auf der Baustelle ist er jedoch erst Ende August mit zweieinhalb Monaten Verzögerung eingetroffen, berichtet Sven Johanning.

Neue Brückenhälfte erst 2023 befahrbar

Straßen NRW ist dennoch "verhalten optimistisch", so Johanning, dass "bis Ende des Jahres die ersten Betonfertigteile für die neue Fahrbahn montiert" werden können. Davon gehe die Baufirma jedenfalls nach aktuellem Stand aus. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Fahrbahn dann auch sofort befahrbar wäre. "Dieses Jahr wird niemand mehr über die neue Hälfte der Brücke fahren können", sagt Johanning.

Der Neubau der Flutmuldenbrücke ist eines von Bad Oeynhausens Langzeit-Plan-Projekten. Seit zehn Jahren gilt die 1955 erbaute Brücke als einsturzgefährdet. Straßen NRW errichtete behelfsmäßig 90 Stahlstützen unter der Fahrbahn und wollte eigentlich schon im Herbst 2014 den Neubau beginnen. Doch danach sagte der Landesbetrieb sechs Mal Abriss und Baubeginn ab. Erst im siebten Anlauf im April dieses Jahres wurde die Baustelle eingerichtet.

Den Startschuss gaben zwei 75 Tonnen schwere Bohrgeräte. Sie bohrten 44 Löcher in die Flutmulde, in denen die Fundamente für die neue Brücke errichtet werden. Doch kaum setzten die Bohrer an, kehrten auch die Kampfmittelräumer zurück auf die Baustelle, um erneut nach explosiven Blindgängern aus den Weltkriegen zu suchen. Sie fanden allerdings die Fundamente der Vorvorgänger-Brücke von 1902. Mitte Mai sägte dann eine Spezialfirma die Flutmuldenbrücke der Länge nach in zwei Hälften. Den Abriss begleiteten im Sommer bei Rekordhitze zwei Schneekanonen, mit denen der Staub der Abrissarbeiten gebändigt wurde. Und dann warteten die Bauarbeiter monatelang vergeblich auf den Baustahl.

Brückenbau in 16 Monaten?

Das ganze Projekt ist im Mai 2019 noch mit 16 Monaten reiner Bauzeit vorgestellt worden. Damals sollte die Brücke auch noch 3,7 Millionen Euro kosten. Zuletzt ging Straßen NRW aber vor allem wegen gestiegener Materialkosten von einem Preis von 6,4 Millionen Euro und einer Bauzeit von 18 Monaten aus. Ob das zu halten ist, steht noch nicht fest. Die neuen Pfeiler der Brücke werden voraussichtlich im Winter betoniert. Dauerfrost könnte diese Arbeiten zusätzlich verzögern.

Wegen solcher möglichen Verzögerungen waren Abriss und Neubau der Flutmuldenbrücke im Stadtrat von Anfang an ein heiß diskutiertes Politikum. Zeitgleich wird in Bad Oeynhausen auch die Bahnbrücke über die Steinstraße abgerissen und erneuert. Damit gibt es zwei Brückenbaustellen auf der gleichen Nord-Süd-Achse. Die Fraktion der Bürger für Bad Oeynhausen (BBO) forderte die Stadtverwaltung auf, ein eigenes Fachbüro mit der Bauüberwachung zu beauftragen, um Straßen NRW auf die Finger zu schauen.

Stattdessen schlug Straßen NRW auf Wunsch der Stadt Bad Oeynhausen den Zaubertrick mit der zersägten Flutmuldenbrücke vor. Während der Bauarbeiten sollte die alte Brückenhälfte halbseitig befahrbar bleiben. Genau das hat auch geklappt: Der Verkehr rollt bisher einseitig Richtung Innenstadt über die Brücke. Nur für den öffentlichen Nahverkehr und Einsatzfahrzeuge wird eine Ausnahme gemacht. Sie können die Baustellenampel in die Gegenrichtung freischalten. Fußgänger und Radfahrer können die Brücke ebenfalls nur in Richtung Innenstadt passieren. Radfahrer in Richtung Volmerdingsen müssen absteigen und zu Fuß gehen.

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