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Wenige Fahrgäste: Derzeit ist der ÖPNV in der Kurstadt nicht ausgelastet und daher ausbaufähig.Nur wenige Menschen nutzen die Zustiegsmöglichkeiten am ZOB. - © Nicole Sielermann
Wenige Fahrgäste: Derzeit ist der ÖPNV in der Kurstadt nicht ausgelastet und daher ausbaufähig.Nur wenige Menschen nutzen die Zustiegsmöglichkeiten am ZOB. | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Mit dem Bus für einen Euro durch Bad Oeynhausen?

Neues Viererbündnis aus SPD, UW, Linke und BBO entwickelt in Arbeitsklausur Pläne für den ÖPNV, einen Klimagipfel und einen Neubau des Krankenhauses am derzeitigen Standort. Die Ausrichtung auf grüne Themen hat ihren Grund.

Nicole Sielermann
03.10.2019 | Stand 02.10.2019, 18:36 Uhr

Bad Oeynhausen. Eigentlich sind die Grünen raus aus dem alten Fünfer-Bündnis - doch ihre Themen haben sich die restlichen Vier weiterhin auf die Fahne geschrieben. Und so stehen nach einer Arbeitsklausur von SPD, UW, Linke und BBO ein Bad Oeynhausener Klimagipfel und ein günstiges Ticket für den ÖPNV als Ergebnis unterm Strich. Außerdem wollen sich die Vier zusammen mit ihrem favorisierten Bürgermeister-Kandidaten, Amtsinhaber Achim Wilmsmeier, für einen Neubau des Krankenhauses stark machen. Rund ein Jahr vor der nächsten Kommunalwahl hat der Wahlkampf an der ein oder anderen Stelle längst begonnen. Und so springt auch das Vierer-Bündnis auf den Zug rund um die Klimapolitik auf. "Die Themen beschäftigen uns bereits seit mehreren Wochen", wischt Olaf Winkelmann, Fraktionsvorsitzender der SPD, einen möglichen Stimmenfang im Lager der Grünen vom Tisch. "Diese Themen sind zurzeit in den Köpfen der Menschen und von denen gibt es eine Erwartungshaltung an die Politik. Die müssen wir bedienen", sagt Winkelmann. "Um diese Themen dürfen sich schließlich alle kümmern - nicht nur die Grünen." Ticketstruktur soll überschaubarer werden Und so machen sich die Vier zum einen für einen günstigeren und überschaubareren ÖPNV stark. Derzeit sei die Ticketstruktur zu kompliziert und zu teuer, urteilt auch Bürgermeister Achim Wilmsmeier. Deshalb wollen SPD, Linke, UW und BBO den Nahverkehr deutlich verbilligen. Ab Sommer 2020, so der Wunsch, solle Busfahren in Bad Oeynhausen nur noch einen Euro pro Tag kosten und Tickets auch per Smartphone bestellbar sein. Das Ziel: Mobilität umweltfreundlicher gestalten, um weniger Autos in Innenstadt und Parkhäuser zu haben. Wie das Ganze finanziert werden soll, ist derzeit noch unklar. "Wir stehen noch ganz am Anfang", erklärt dazu Winkelmann, als Sprecher des Vierer-Bündnisses. Vorstellbar seien Fördermittel von Bund und Land aber auch eine grenzübergreifende Kooperation mit dem Kreis und der Stadt Herford. "Es gibt ja bereits Initiativen in Bund und Land, vielleicht lassen sich die, wenn sie umgesetzt werden, als Finanzierung nutzen." Einige Städte, so Winkelmann, probierten es bereits aus. Bereits im Sommer dieses Jahres sei die Taktverdichtung im Süden der Stadt umgesetzt worden, erklärt Bürgermeister Achim Wilmsmeier. Die gleiche Angebotsverbesserung, also der Bus im Halbstundentakt, steht ab Anfang des nächsten Jahres im Norden der Stadt an. Wilmsmeier: "Damit sind wir Vorreiter im Kreisgebiet und das alles mit W-Lan und barrierefrei. Wichtig ist jetzt, dass die Minden-Herforder-Verkehrsbetriebe die neuen Busangebote wirksam bewerben, damit sie angenommen werden." Auf Antrag des damals noch Fünfer-Bündnisses (SPD, Grüne, BBO, Linke, UW) hatte der Rat im April beschlossen, dass die Stadt 700.000 Euro dafür ab 2020 jährlich zur Verfügung stellt - in diesem Jahr die Hälfte. Nachgedacht wird zudem über die Gründung einer eigenen Verkehrsgesellschaft. Diese soll dahingehend geprüft werden, ob sie steigende Kosten für die neuen Angebote abfedern kann. "Das aber", so Wilmsmeier, "können wir nicht alleine entscheiden, sondern müssen es mit den Gesellschaftern der mhv besprechen." Klimagipfel in der Kurstadt geplant Der Umweltaspekt soll außerdem bei einem geplanten Klimagipfel im Vordergrund stehen. Als "Daueraufgabe und größte Herausforderung unserer Zeit" beschreibt Wilmsmeier den Klima- und Naturschutz in Bad Oeynhausen. "Ich werde deshalb noch in diesem Jahr zu einem Klimagipfel Bad Oeynhausen einladen", unterstreicht der Bürgermeister. "Beteiligt werden Vereine, Fachleute, Institutionen, Unternehmen und interessierte Bürger, um sichtbare Maßnahmen mit der Beteiligung der Stadt und Dritter zu vereinbaren." Welche Ziele dabei konkret verfolgt werden sollen? "Natürlich gibt es Ideen", betont Olaf Winkelmann. "Aber die sollen natürlich in erster Linie mit den Teilnehmern des Gipfels erarbeitet werden." Da müsse geschaut werden, wer was machen könne. "Es sollen möglichst viele niedrigschwellige Angebote sein." Das neue Vierer-Bündnis hat sich bei der Arbeitsklausur auch darauf geeinigt, Achim Wilmsmeier erneut als Bürgermeisterkandidaten für das Jahr 2020 aufzustellen. Er habe bewiesen, urteilen die Vier, dass er nicht Klientelpolitik für eine einzige Partei, sondern Politik für die ganze Stadt mache. Ende März 2020 soll bei einer Konferenz den Delegierten empfohlen werden, ihn als Kandidaten aufzustellen. Ein Ziel hat Wilmsmeier für die letzten Monate seiner Amtszeit aber noch ganz klar formuliert: "Die Sicherstellung unseres Krankenhauses hier bei uns in der Stadt steht ganz oben auf meiner Liste für Bad Oeynhausen. Möglichst im Schulterschluss mit dem Herz- und Diabeteszentrum und den Mühlenkreiskliniken setze ich mich für einen Neubau direkt neben dem Herz- und Diabeteszentrum ein, in dem das Krankenhauses und die Auguste-Viktoria-Klinik räumlich zusammengeführt werden. Wir sprechen hier von der Zukunftssicherung von einigen tausend Arbeitsplatzen für Bad Oeynhausen und von vielen tausend Patienten, denen wir eine wohnortnahe medizinische Versorgung garantieren wollen."

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