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Rundbau: Im Inneren der Saline wird Sole vernebelt. - © Bad Essen
Rundbau: Im Inneren der Saline wird Sole vernebelt. | © Bad Essen

Bad Oeynhausen Andere machen es Bad Oeynhausen bei der Sole-Arena und Salinen-Sauna vor

In Bad Oeynhausen muss das alte Gradierwerk im Siel saniert werden. Derzeit wird über einen Neubau diskutiert. Doch wo soll er hin und wie soll er aussehen? Andere Bäder machen der Kurstadt in Sachen Solenutzung schon lange etwas vor

Nicole Sielermann
28.09.2019 | Stand 27.09.2019, 20:23 Uhr

Bad Oeynhausen. Da ist zum einen die Nachbarstadt Bad Salzuflen. Mit einem Gradierwerk mitten in der Stadt. Bad Essen im benachbarten Niedersachsen glänzt mit einer ganzen Sole-Arena. Und dann wäre da noch Bad Sassendorf - wo in den kommenden Wochen das modernste Gradierwerk Europas fertiggestellt wird. Während in Bad Oeynhausen noch über Sanierung, Neubau und Standort einer Saline debattiert wird, sind andere Städte weiter - sie inszenieren das Thema Sole. Und zwar so schick, dass es vor allem Gesundheitssuchende und Kurzurlauber in die Städte lockt. Vor neun Jahren hat zum Beispiel der Kurpark von Bad Essen (15.200 Einwohner) ein Facelift bekommen - pünktlich zur Landesgartenschau entstand unter anderem eine Sole-Arena. Sie ist mit einem Umfang von 50 Metern, sechs Metern Höhe und 470 Quadratmetern Schwarzdornfläche zum einen ein klassisches Gradierwerk, zum anderen wird im frei zugänglichen Innenraum die Bad Essener Sole mit einer Konzentration von zwei bis vier Prozent vernebelt. "Die Sole-Arena hat 470.000 Euro gekostet, inklusive Wassertechnik. Hinzu kamen 200.000 Euro für die Gestaltung der Freianlagen rundherum", erklärte Pressesprecherin Anne Schmidt. Erlebnis-Gradierwerk in Sassendorf Bad Sassendorf (12.000 Einwohner) nutzte die Chance der Regionale Südwestfalen 2013 und brachte größere Projekte auf den Weg. Wie zum Beispiel die Westfälischen Salzwelten. Und auf 1.300 Quadratmetern Fläche ein großes Erlebis-Gradierwerk, das in den kommenden Wochen fertig werden soll. Kosten: 2,5 Millionen Euro. Das Bauwerk soll Gesundheit, Erholung, Wellness und Erlebnis vereinen. Es ist 73 Meter lang, zehn Meter hoch und über zwölf Meter breit. Mehr als 15.000 Bündel Schwarzdorn wurden verbaut, über die demnächst aus 120 Hähnen die Sole rieselt. Die Kernfunktion ist weiterhin die Inhalation, aber das alles wird angereichert durch Rundwege, verschiedene Ebenen, Balkone im Schwarzdorn und ein Aussichtspunkt in zehn Metern Höhe. Im Inneren des Gradierwerkes ist zudem eine Bühne für Veranstaltungen vorgesehen. Ein Fahrstuhl ermöglicht den barrierefreien Zugang ganz nach oben. Ein großer, kreisrunder Durchgang zählt zu den weiteren architektonischen Besonderheiten. Einmalig aber ist der, der für rund 15 Millionen Euro sanierten Therme angegliederte, neue Bereich: eine Gradierwerk-Panoramasauna, Ruheraum im Gradierwerk und eine überdachte Liegefläche in luftiger Höhe. Direkt vom Gradierwerk gespeist wird zudem ein neues Schwebebecken, dessen 15-prozentige Sole ein Badegefühl wie im Toten Meer vermittelt. Damit haben die Bad Sassendorfer eine der modernsten Salinen Europas gebaut. Mitten im Ort stehen im nahen Bad Salzuflen (53.900) die Salinen. Dort wurde 2013 eines der drei Gradierwerke direkt am Kurparkeingang neu gebaut - nachdem das alte unter der Last der Ablagerungen und wegen morscher Balken teilweise zusammengebrochen war. Bad Salzuflen hat sich den Bau rund eine Million Euro kosten lassen. Alle 15 Jahre wird zudem die Bedornung erneuert - weil Salzuflen mit neun bis elf Prozent eine sehr mineralhaltige Sole hat. In Bad Oeynhausen hat die Sole aus dem Bülow-Brunnen einen Salzgehalt von acht bis neun Prozent. Doch auch hier sind die Tage der Anlage im Siel gezählt. Das Gradierwerk im Siel macht nicht mehr lange Die Bad Oeynhausener Saline - oder korrekterweise das Gradierwerk - hat ein Alter, in dem man praktisch täglich mit dem Schlimmsten rechnen muss. 1989 wurde die Saline im Siel gebaut, 1990 eingeweiht. Damit hat sie das rechnerische Ende ihrer Lebenszeit erreicht, sagt Dirk Henschel, Betriebsleiter des Staatsbades. „Man geht bei diesen Gradierwerken von einer Lebensdauer von 15 bis 30 Jahren aus", erklärt Henschel. Die Frage ist: Was soll passieren, wenn das alte Gradierwerk im Siel seinen Geist aufgibt? Allein die Schwarzdorn-Reisigbündel zu ersetzen, über die das Solewasser rieselt, würde nach Henschels Schätzung 750.000 Euro kosten. Seit dieser Eröffnung im Dezember 2017 wird in Bad Oeynhausen darüber diskutiert, ob sich eine solche Reparatur lohnt oder ob man nicht eine neue Anlage bauen sollte. Bürgermeister Achim Wilmsmeier (SPD) hält den jetzigen Standort im Siel für ungeeignet, weil zu weit ab vom Schuss. CDU und FDP haben auch bereits einen besseren Standort ausgemacht: Deshalb hatte die CDU 2018 beantragt, einen Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Kurverwaltung zu planen. Dafür sollten Planungskosten bereits für dieses Jahr und jeweils 750.000 Euro Baukosten in den Haushaltsjahren 2020 und 2021 vorgesehen werden. Mit dem Antrag zum Haushalt konnte sich die CDU im Dezember aber nicht im Stadtrat durchsetzen. Auch der Bürgermeister sieht die Saline woanders: „Eine neue Saline muss dahin, wo die Menschen sind. Und das wäre für mich beispielsweise auf dem Inowroclaw-Platz oder am jetzigen Standort des ZOB", sagt Achim Wilmsmeier.

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