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Die typische Ostwestfälin: Die gebürtige Bad Oeynhausenerin Carla Berling – hier besser bekannt als Peggy Wehmeier – liest im Rehmer Heimathaus aus ihrem Krimi „Tunnelspiel“. Der Abend war gespickt mit Anekdoten und Erlebnissen. Fotos: Thorsten Gödecker - © Thorsten Gödecker
Die typische Ostwestfälin: Die gebürtige Bad Oeynhausenerin Carla Berling – hier besser bekannt als Peggy Wehmeier – liest im Rehmer Heimathaus aus ihrem Krimi „Tunnelspiel“. Der Abend war gespickt mit Anekdoten und Erlebnissen. Fotos: Thorsten Gödecker | © Thorsten Gödecker

Bad Oeynhausen „Die Tanten gehen nicht tot“

Heimspiel: Die gebürtige Bad Oeynhausener Autorin Carla Berling liest auf Einladung von Heimatverein und NW zwei Mal im ausverkauften Rehmer Heimathaus. Nächstes Mal wird es Veränderungen geben

Nicole Sielermann
16.02.2019 | Stand 15.02.2019, 16:58 Uhr

Bad Oeynhausen. Carla Berling ist typische Ostwestfälin. Auch wenn die Kölner ihr in ihrer Wahlheimat oft nachsagen, sie sei barsch. „Das ist ostwestfälische Freundlichkeit“, sagt sie. „Kurzum. Schließlich ist ja noch was anderes zu tun.“ Bücher signieren zum Beispiel. Oder lesen. Denn dafür ist die gebürtige Bad Oeynhausener Autorin in ihre alte Heimat gereist. Gleich zwei Mal stellte sie ihren Krimi „Tunnelspiel“ bei der „Mordslesung mit Schluck und Stulle“ im jeweils ausverkauften Rehmer Heimathaus vor. Zehn Minuten vorher kommt das Lampenfieber. Immer. „Aber hier ist es besonders schlimm“, gibt Carla Berling zu. Schließlich schauten in der alten Heimat alle ganz besonders genau hin. „Sie bietet eine Mischung aus Kleinkunst und Krimi“, beschreibt NW-Redaktionsleiter Thorsten Gödecker bei seiner Begrüßung den Abend und rät dem Publikum: „Achten Sie besonders auf die spannenden Geschichten zwischendurch.“ Dicht gedrängt sitzen die 80 Zuschauer auf der Deele des Heimathauses. Dort, wo früher Pferd und Wagen Platz fanden, reicht die Kapazität kaum aus. „Die Karten waren so schnell weg – ich glaube wir bauen nächstes Mal an“, überlegt Eveline Taut, 2. Vorsitzende des Heimatvereins. Und Carla Berling kontert: „Oder wir machen eine ganze Woche.“ Denn was zwei Mal erfolgreich sei, sei Tradition. Ab dem dritten Mal werde es Brauchtum. Und für eine dritte Lesung will die Rehmerin auf jeden Fall wiederkommen. Bis zu vier Lese-Abende hintereinander kann sich Eveline Taut als Vertreterin der Veranstalter vorstellen: „Bei dem Ansturm, den es jedes Mal auf die Karten gibt.“ Bücher dafür hat Berling genug in Arbeit: „Im Sommer erscheint mit ‚Der Alte muss weg‘ eine Komödie“, sagt sie, „Ende 2019 oder Anfang 2020 dann Band fünf der Ira-Wittekind-Reihe.“ Auf dem Schreibtisch der Agentur liege zudem eine weitere Komödie und auf ihrem Schreibtisch ihr erster Roman. „Eine Familiengeschichte, die von den 1960er Jahren bis heute spielt.“ Viel Auswahl für die nächsten Lesungen. „Aber es sind die Ira-Krimis, die einfach hierher gehören“, ist Carla Berling überzeugt. Wie die beiden alten Tanten Friedchen und Sofie. Die sind ihren Lesern besonders ans Herz gewachsen. „Ich werde immer wieder angefleht, sie zu erhalten“, sagt Berling. Und beruhigt auf Ostwestfälisch: „Die beiden alten Tanten gehen nicht tot.“ Sie liest ausgewählte Passagen, plaudert über ihr Leben und streut die eine oder andere Anekdote aus der Entstehung des Krimis bei. „Ira ist wie ich. Die kann zuhören und weiß, wie man die Menschen zum Reden bringt.“ Andy, Iras Freund im Krimi, dagegen sei wie ihr Mann. Bodenständig. Einer, der die durchgeknallte Frau auch mal wieder einfange. Der eine oder andere neckische Stich gegen die Rehmer bleibt ebenfalls nicht aus. „Im Buch geht’s um Sado-Maso – ich weiß, ich bin hier in Rehme. Da kennt das keiner.“ Sie spart auch nicht mit der genauen Beschreibung der aufgefundenen Leiche. Die nämlich nackt an ein Gitter gekettet war. Und zudem „wassergefüllte Christbaumkugeln am Gemächt hängen“ hatte. „Als ich meinen Arzt nach den Details fragte und wissen wollte, wie die Geschlechtsteile des Mannes sich dadurch verändern, musste er schlucken. Ich glaube, er hatte Phantomschmerzen“, scherzt sie. Carla Berlings Erfolg sind die Lesungen. Ihre oftmals – umwerfend – direkte Art nimmt schon viele Besucher ein, bevor sie überhaupt eine Zeile gelesen hat. Direkt am Eingang postiert, hat Berling einen Blick auf die Gäste, begrüßt, plaudert und signiert die ersten Werke, die Anette Gohlke von der Buchhandlung Scherer verkauft. Wer sie erlebt, weiß, warum es Berling gelungen ist, mit „Königstöchter“ im Eigenverlag in nur sechs Wochen 45.000 E-Books zu verkaufen. „Das war der Grund, warum der Heyne und der Ullstein-Verlag auf mich aufmerksam geworden sind“, verrät sie. Beide machten ein Angebot – und die 58-Jährige hatte die Wahl. Letztendlich machte der Heyne-Verlag das Rennen, der alle Oeynhausen-Krimis neu auflegen ließ.

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