Unter der Woche ist nachts Schluss: Janine Borm und Christian Ochs ziehen die Konsequenzen und steigen als letztes Taxiunternehmen von sonntags bis donnerstags aus dem Nachtgeschäft aus. - © Nicole Sielermann
Unter der Woche ist nachts Schluss: Janine Borm und Christian Ochs ziehen die Konsequenzen und steigen als letztes Taxiunternehmen von sonntags bis donnerstags aus dem Nachtgeschäft aus. | © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen Taxi: Die letzten im Nachtgeschäft

Das Taxi-Unternehmen Timmerberg kündigt an, von sonntags bis donnerstags den Betrieb zwischen 0 und 6 Uhr einzustellen. Die Straßenverkehrsbehörde will Dienstpläne aufstellen, um das Angebot aufrechtzuerhalten

Nicole Sielermann
18.07.2018 | Stand 17.07.2018, 17:27 Uhr

Bad Oeynhausen. Sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag – für das Unternehmen Joachim Timmerberg war das Usus. Tag für Tag und Nacht für Nacht hatten sie ihre Taxen im Einsatz. So, wie es die Betriebs- und Beförderungspflicht vorschreibt. Und waren damit die letzten in der Stadt, die unter der Woche nachts im Einsatz waren. Doch damit ist zum 1. August Schluss. „Wir werden sonntags bis donnerstags zwischen 0 und 6 Uhr nicht mehr fahren", kündigen die Chefs, Janine Borm und Christian Ochs, an. Der Grund liegt auf der Hand: Das Unternehmen zahlt drauf. Eine Beschwerde beim zuständigen Straßenverkehrsamt in Minden hat nun aber offenbar Erfolg. "Wir zahlen drauf" „Unsere Konkurrenz hat den Betrieb nachts schon lange leise weinend eingestellt und fährt nur noch am Wochenende", sagt Janine Borm, die den Betrieb zusammen mit Ehemann Christian Ochs 2015 von ihren Eltern übernommen hat. 17 Autos hat das Unternehmen im Einsatz und zehn Fahrer fest angestellt. „Sechs unserer Autos stehen am Bahnhof." Nun wollen Timmerbergs die Konsequenzen ziehen: „Ab dem 1. August werden wir sonntags bis donnerstags zwischen 0 und 6 Uhr den Betrieb einstellen", kündigt Christian Ochs an. Dann gibt es für Kneipengänger, Reisende und auch für die Kliniken keine Taxen mehr. „Wir fahren momentan des Nachts für die Kliniken das Notfallblut – dann nicht mehr." Doch einfach still und leise den Betrieb einstellen, wie die anderen Unternehmen – das wollen die Chefs von Timmerberg nicht. „Wir wollen es publik machen", sagen sie. Und stellen klar: „Die abendlichen Dialyse- und Krankenfahrten werden weiter stattfinden." Eigentlich müssen Taxen immer fahren. „Es gibt für uns Unternehmer eine sogenannte Betriebspflicht", erklärt Borm. Diese lege die ständige Verfügbarkeit fest. Normalerweise verteile die sich auf alle angemeldeten Taxi-Unternehmen. „Früher gab es von Seiten des Straßenverkehrsamtes Minden Dienstpläne, welches Unternehmen wann und mit wie viel Fahrern zu fahren hat." Doch dieser ist mit der Taxi-Zentrale am Bahnhof eingestellt worden. Dort liefen früher die meisten Anrufe auf. Doch nach und nach hätten die Unternehmen sich aus diesem Dienst zurückgezogen. „Seitdem gibt es auch keine Pläne mehr." Dabei wäre es mit elf Unternehmen im Stadtgebiet ein leichtes, die wirtschaftlich schlechten Nächte gerecht aufzuteilen, findet Borm. "Die Stadt bedauert die Entscheidung" Deshalb fordert das Ehepaar Dienstpläne ein. „Es kann ja nicht sein, dass wir die Letzten sind, die die gesetzlich vorgeschriebene Dienstpflicht erfüllen und somit auch die Einzigen sind, die draufzahlen." Borm hat ein Beispiel parat: „Unsere Fahrer haben teilweise 33 Euro Einnahmen in einer Nacht." Für das Unternehmen bedeute das aber, dass sie sechs Stunden à Mindestlohn bezahlen müssten. „Da legen wir jede Nacht drauf." Zumal auch für die Stellplätze am Bahnhof Gebühren der Unternehmer fällig sind. Mit der Übernahme des Bahnhofes habe die Stadt die Preise angehoben. „Vorgesehen sind auf dem neugestalteten Bahnhofsvorplatz acht Plätze – es werden aber 25 Plätze abkassiert." Und die kosten. Minimum 500 Euro im Jahr. „500 fürs erste Auto, fürs zweite dann schon 1.100 Euro." Stadt, Straßenverkehrsamt Minden und die Bezirksregierung hat Janine Borm in den vergangenen Jahren eingeschaltet. Passiert ist bisher – nichts. „Es muss doch im Interesse einer Kurstadt sein, dass hier nachts ein Taxi zu bekommen ist", sagt die Chefin Kopf schüttelnd. Ist es aber offenbar nicht. Denn: „Die Stadt bedauert die Entscheidung." Aber: „Das ist ein Privatunternehmen und die Inhaber haben sich sicherlich Gedanken über die Wirtschaftlichkeit gemacht", sagt Stadtsprecher Volker Müller-Ulrich der NW. Kreis will gemeinsamen Dienstplan Hilfe kündigt sich nun wohl von Seiten des Kreises an, wie Kreissprecherin Sarah Golcher auf NW-Anfrage mitteilen lässt. „Das Unternehmen hatte an das Straßenverkehrsamt herangetragen, dass die nächtliche Betriebspflicht nicht mehr auf allen Schultern ruht, sondern dieses Unternehmen besonders belastet wird." Die Mitarbeiter seien daraufhin diesem Hinweis nachgegangen. „Mit Schreiben vom 13. Juli wurden sämtliche Taxiunternehmen im Bereich der Stadt Bad Oeynhausen angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass die Aufstellung eines Dienstplanes für die Nachtdienstbereitschaft von Sonntagabend bis Freitagmorgen geplant ist", erklärt Golcher. Die Taxiunternehmen hätten nun die Möglichkeit, Vorschläge einzubringen, um möglichst einvernehmlich einen solchen Plan aufzustellen. Die aktuelle Verordnung für Taxen stammt aus dem Jahr 1993 und sieht in Einzelfällen Dienstpläne vor. Golcher: „Aktuell gibt es die in Minden-Lübbecke aber nicht." Janine Borm und Christian Ochs sind gespannt. „Naja, das wurde uns schon vor zwei Jahren erzählt", winkt Borm ab. Bisher hätten sie jedenfalls noch keine Post vom Straßenverkehrsamt bekommen. Aber die werde sicherlich noch in dieser Woche im Kasten sein.

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