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In der Sicherungsverwahrung werden Straftäter nach Verbüßung ihrer Haftstrafe untergebracht, die eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. - © picture alliance / dpa
In der Sicherungsverwahrung werden Straftäter nach Verbüßung ihrer Haftstrafe untergebracht, die eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen. | © picture alliance / dpa

Kindesmissbrauch Sicherungsverwahrung für Lügde-Verurteilte - was bedeutet das?

Das Landgericht Detmold verurteilte Andreas V. aus Lügde zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren Haft, Mario S. aus Steinheim zu zwölf Jahren.

05.09.2019 | Stand 05.09.2019, 11:47 Uhr

Lügde (dpa/jw/anwi). Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde hat das Detmolder Landgericht am Donnerstagmorgen gegen die beiden Angeklagten hohe Haftstrafen verhängt und anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Was aber bedeutet eine Sicherungsverwahrung? Was passiert mit Andreas V. nach den 13 und mit Mario S. nach den zwölf Jahren Haft? Das bedeutet Sicherungsverwahrung Eine sogenannte Sicherungsverwahrung ist laut NRW-Justizministerium rechtlich nicht als Strafe einzuordnen. Ihr Zweck ist es, gefährliche Täter zu bessern und die Allgemeinheit zu schützen. Bei diesen Straftätern bestehe der Hang, erhebliche und für die Allgemeinheit gefährliche Straftaten zu begehen. Die Sicherungsverwahrung ist grundsätzlich zeitlich nicht begrenzt. Ob sie fortbesteht, wird regelmäßig von einem Gericht geprüft. Eine Sicherungsverwahrung schließt sich an die Verbüßung einer Freiheitsstrafe an. Nach dem sogenannten „Abstandsgebot" muss sich der Vollzug der Sicherungsverwahrung deutlich vom Strafvollzug unterscheiden. So ist den „Untergebrachten" eine individuelle und intensive Betreuung anzubieten, insbesondere eine psychiatrische, psycho- oder sozialtherapeutische Behandlung. Sicherungsverwahrung muss von einer Strafhaft räumlich getrennt vollzogen werden, entweder in einer eigenen Anstalt oder in separaten Abteilungen einer Justizvollzugsanstalt. Wie viele Sicherungsverwahrte gibt es in NRW? Am Stichtag 31. Januar 2019 waren es laut Justizvollzugskommunikation im NRW-Justizministerium 148. Ende März 2018 waren es nach Angaben des Statistischen Landesamtes noch 133. Frauen sind nicht darunter. Deutschlandweit waren laut dem Statistischen Bundesamt zum Stichtag 31. August 2018 559 Straftäter in Sicherungsverwahrung untergebracht, darunter eine Frau. Wie leben Menschen in Sicherungsverwahrung? Die meisten Sicherungsverwahrten in NRW leben in Werl. Dort ist 2016 ein Neubau für Sicherungsverwahrte eröffnet worden. Es gibt ein extra Haus mit 140 Einzelzimmern mit eigener Kochecke und Bad für Sicherungsverwahrte. Ein Tag Sicherungsverwahrung kostete in NRW 2017 übrigens 250,23 Euro pro Tag und damit rund 91.000 Euro im Jahr.

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