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Zum Prozessauftakt saßen Anwalt Jann Popkes und sein Mandant Heiko V. noch im Hauptverfahren auf der Anklagebank. Jetzt geht es vorraussichtlich zum letzten gesonderten Termin.   - © Archivfoto: Bernhard Preuss
Zum Prozessauftakt saßen Anwalt Jann Popkes und sein Mandant Heiko V. noch im Hauptverfahren auf der Anklagebank. Jetzt geht es vorraussichtlich zum letzten gesonderten Termin.   | © Archivfoto: Bernhard Preuss

Detmold Urteil im Lügde-Prozess: Zwei Jahre auf Bewährung für Heiko V.

Erol Kamisli
17.07.2019 | Stand 17.07.2019, 23:33 Uhr
Janet König

Detmold. Über einen Nebenausgang verlässt Heiko V. in Begleitung seines Rechtsanwaltes Jann Henrik Popkes gegen 20 Uhr das Detmolder Gerichtsgebäude – als freier Mann. Kurz zuvor hat ihn die Jugendschutzkammer unter Vorsitz von Richterin Anke Grudda zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe wegen Anstiftung und Beihilfe zu schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern verurteilt. Es ist ein paradoxes Bild, das sich nur wenige Minuten vorher im Saal 165 abspielt. Tränen der Erleichterung laufen Heiko V. über die Wangen, auf der anderen Seite steht der heute 19-jährigen Nebenklägerin die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Sie starrt auf den Boden und greift nach der Hand ihrer Prozessbegleiterin. Die junge Frau wurde als Kind aufs Schlimmste von Andreas V. missbraucht, Heiko V. hatte mehrmals dabei über Webcam zugesehen. „Dieses Urteil macht mich sprachlos", sagt Opferanwältin Zeliha Evlice. „Alle Täter da draußen lachen sich jetzt doch ins Fäustchen. Dieses milde Urteil ist für Kinderschänder ein Freibrief." Für die Opfer und vor allem ihre Mandantin sei die Bewährungsstrafe ein Schlag ins Gesicht – die Juristin hatte dreieinhalb Jahre Haft gefordert. Die Staatsanwaltschaft wollte zwei Jahre und neun Monate Haft für Heiko V. Geständnis und U-Haft wirkten sich strafmildernd aus Das Geständnis, eine persönliche Entschuldigung, sieben Monate U-Haft und die außergergewöhnlichen Umstände müsse das Gericht strafmildernd berücksichtigen: „Ohne den Fall Lügde wären diese Taten wohl nie öffentlich verhandelt worden", stellt Anke Grudda klar. Außerdem habe Heiko V. seinem sexuellen Verlangen Grenzen gesetzt, indem er die Einladung auf den Campingplatz von Andreas V. abgelehnt habe. An die Bewährung sind Auflagen gebunden, Heiko V. muss eine Therapie machen und der Nebenklägerin 3.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Außerdem bekommt der 49-Jährige einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Während der Urteilsbegründung sucht Grudda immer wieder den Blickkontakt mit der heute 19-Jährigen, die den Prozess im Saal verfolgt. Für die zur Beweisaufnahme verlesenen Chatverläufe zwischen Heiko V. und Dauercamper Andreas V. findet Grudda deutliche Worte: „Wie Sie in den Chats über die Mädchen geschrieben haben, ist an Widerwärtigkeit nicht zu überbieten." Die Menschenverachtung, die bei den Taten des 49-Jährigen zum Ausdruck gekommen sei, sei erschreckend, sagte Grudda. Heiko V. sei „gleichgültig und empathielos gegenüber den Kindern" gewesen. „Damit tragen Sie eine große Mitschuld, was den Kindern an Leid widerfahren ist." Dennoch habe die Kammer die wenigen Taten in Relation zu denen der Hauptangeklagten Andreas V. und Mario S. zu bewerten, die sich für mehr als 450-fachen Missbrauch über Jahrzehnte verantworten müssen. 43.000 kinderpornografische Bilder- und Videodateien waren bei Heiko V. sichergestellt worden. Einen kleinen Teil sieht sich die Kammer an diesem Abend an, um sich ein besseres Bild von Heiko V. zu machen. Pädophil sei Heiko V. nicht, das trägt der Sachverständige Bernd Roggenwallner vor. „Er hat nach der Trennung von seiner Ehefrau aus Langeweile angefangen", sagt er. Dabei sei Heiko V. zufällig auf Kinderpornos gestoßen. Parallel habe er weiter Beziehungen zu Frauen geführt – mit seiner letzten Partnerin sei er immer noch zusammen. Unsere Kollegen von der Lippischen Landeszeitung haben live aus dem Landgericht berichtet:

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