Überlebte Auschwitz: Martin Kohn verlor nach der Deportation seine Familie. - © Foto: United States Holocaust Memorial Museum
Überlebte Auschwitz: Martin Kohn verlor nach der Deportation seine Familie. | © Foto: United States Holocaust Memorial Museum

Detmold Auschwitz-Nebenkläger: „Ich ahnte nicht, dass ich meine Familie nie wiedersehen würde“

Der 87-jährige Martin Kohn kann aus gesundheitlichen Gründen die Reise von Las Vegas nach Detmold nicht antreten. Sein Anwalt schildert in einer Erklärung die Deportation aus Rumänien ins Konzentrationslager

Dirk-Ulrich Brüggemann

Detmold. Manuel Reiger, der als Rechtsanwalt den Nebenkläger Martin Kohn aus Las Vegas in den USA vertritt, schilderte am 11. Verhandlungstag die ergreifenden Erlebnisse seines Mandanten, der im Mai 1944 in Auschwitz seine Geschwister Eva, Ruzie, Josef, Moses und Elona sowie seine Mutter Rifke Kohn verlor. Der heute 87-jährige Martin Kohn kann wegen seines Gesundheitszustandes nicht selbst am Prozess gegen den ehemaligen SS-Wachmann Reinhold Hanning in Detmold teilnehmen. In der sechsseitigen Erklärung schildert Kohn die Deportation seiner Familie aus Rumänien, die sich zuvor im jüdischen Ghetto in Satu Mare mit vier anderen Familien eine Vier-Zimmer-Wohnung teilen musste. Im März 1944 wurde die Familie mit dem Zug in einer vier- bis sechstägigen Fahrt nach Auschwitz gebracht. „Als unser Zug an der Rampe in Ausschwitz ausgeladen wurde, wurde ich mit meinem Bruder Nachman von einigen SS-Männern von der Familie getrennt. Wer bei der Selektion anwesend war, kann ich nicht sagen. Aus unserem Zug wurden vielleicht noch acht weitere Personen auf unsere Seite gebracht. Meine Mutter und meine kleinen Geschwister wurden auf die andere Seite gebracht. Ich habe sie dort schnell aus den Augen verloren. Ich habe mich von ihr und von den Geschwistern nicht verabschiedet. Ich ahnte nicht, dass ich sie alle niemals wieder sehen würde", sagt Martin in der mit seinem Anwalt Reiger abgestimmten Erklärung. Deportation nach Plaszow Dann schilderte der Rechtsanwalt wie Martin Kohn und sein Bruder Nachman in ein Gebäude gebracht wurden, dass Entlausung genannt wurde. Dort wurden ihnen die Haare geschnitten und sie mussten zur Verfügung gestellte Bekleidung anziehen. Dann wurden sie in eine Baracke gebracht. Am nächsten Tag wurden bei beiden Brüder in das Konzentrationslager Plaszow deportiert. Kohn wurde im März 1945 mit seinem Bruder ins Krankenkamp Dirnau gebracht. Beide erkrankten an Typhus, der Bruder starb. Martin Kohn kam bis Juli 1945 ins Krankenhaus und durfte dann nach Ungarn zurückfahren. Er war mit 15 Jahren völlig allein und wurde dann in ein Waisenprogramm in die USA aufgenommen. Kohn verspürt noch eine große Wut und kann die Verbrechen an ihm und seiner Familie bei heute nicht vergeben und vergessen. „Mein ganzes Leben habe ich an diesen Erlebnissen gelitten, während Sie, Herr Hanning, ein ungestörtes Leben leben konnten", sagte Martin Kohn zum Abschluss in der Erklärung.

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