Maria H. war über 5 Jahre lang verschwunden. - © Polizei
Maria H. war über 5 Jahre lang verschwunden. | © Polizei

Fünf Jahre vermisst Maria H. auf Facebook: "Es ist mir gelungen, von ihm wegzulaufen"

Schülerin trennte sich bereits kurz nach der Flucht vom Blomberger Bernhard Haase

Dirk-Ulrich Brüggemann
Angela Wiese

Blomberg/Freiburg. Die Mutter der nach fünf Jahren wieder aufgetauchten Maria H. hat auf Facebook ein Statement ihrer Tochter veröffentlicht. Die heute 18-Jährige äußert sich darin auch dazu, warum sie erst nach so vielen Jahren wieder zurückkehrte. Maria H. hat ihre Heimat als 13-Jährige gemeinsam mit dem 40-Jahre älteren H. aus Blomberg verlassen. Er wird weiterhin mit internationalem Haftbefehl gesucht. Dessen Verhalten habe sich "nach unserer Flucht täglich" verschlechtert. In Polen sei es dem Mädchen damals schließlich gelungen, von ihm wegzulaufen. "Es war einfacher, so weiterzumachen" Doch warum ist das Mädchen damals nicht nach Hause zurückgekehrt? Auf Facebook erklärt sie dazu, dass ihr und H. aufgefallen war, dass beide von der Polizei gesucht werden. "Darum bin ich erstmal weiter geflüchtet", schreibt sie weiter. "Später dachte ich dann, dass ich ja zurückkommen kann, wenn erstmal Gras über die Sache gewachsen ist. Und dann war es einfacher, so weiterzumachen." Sie habe nicht gewusst, wie sie zurückkehren sollte und habe "schreckliche Angst gehabt". Mit 18 Jahren erst habe sie sich keine Sorgen mehr gemacht, nach ihrer Rückkehr in ein Kinderheim zu müssen oder bei der Polizei stundenlang verhört zu werden. Dann habe sie versucht, den Mut zu finden, wieder zu ihrer Familie heimzukehren. "Ich hatte die ganze Zeit vermieden, ins Internet zu gehen, aus Angst, die Polizei findet mich." "Konnte es vor schlechtem Gewissen kaum aushalten" Nach ihrem 18. Geburtstag, teilt Maria H. mit, informierte sie sich über die Ermittlungen. Dabei sei ihr bewusst geworden, wie sehr ihre Familie sie vermisst. "Ich konnte es vor schlechtem Gewissen nicht mehr aushalten." Die junge Frau nahm Kontakt zu den Eltern auf. Freunde des Vaters holten sie schließlich vor einer Woche an einem Busbahnhof in Mailand ab. Es ist das erste Mal, dass sich Maria H. öffentlich zu ihrem Verschwinden äußert. Zuvor hatte sie bereits bei der Polizei in Freiburg ausgesagt. Die Polizeisprecherin erklärte auf Anfrage, dass es Maria H. augenscheinlich gut gehe. "Sie ist wohl auf", so die Sprecherin. Auch im Gespräch mit den Ermittlern erzählte Maria H., dass sie Freiburg 2013 gemeinsam mit dem Blomberger verließ. Sie bestätigte auch, mit Bernhard Haase einige Zeit im polnischen Gorlice verbracht zu haben. In Polen hatten Zeugen das ungleiche Paar gesehen. Fahnder stellten dort auch den grauen Skoda von H. sicher. Die Kennzeichen waren zuvor in Sachsen gestohlen worden. Anwohner bestätigten, dass sich die beiden mehrere Wochen in Polen aufhielten, sie wurden sowohl beim Übernachten im Fahrzeug als auch beim Einkauf in Lebensmittelgeschäften gesichtet. Ebenfalls dort gefunden wurde auch H.'s weißer Schäferhund, der an einem Gartenhäuschen angeleint war. Mit Fahrrad und Zelt durch Osteuropa Den Beamten gegenüber beschrieb Maria H., wie sie nach dem Verschwinden weitergelebt hat. „Mit einem Fahrrad und einem Zelt fuhr sie nach eigenen Angaben alleine durch mehrere osteuropäische Länder und kam nach etwa drei Monaten in Italien an, wo sie seitdem wohnte. Finanziell hielt sie sich mit Gelegenheits-Jobs wie Fensterputzen oder Hilfe im Haushalt über Wasser. Vor etwa zwei Jahren bezog sie in Italien eine Wohnung und finanzierte ihren Lebensunterhalt weiterhin durch jobben", so die Polizeisprecherin. Die damalige Schülerin hatte den 40 Jahre älteren H. in einem Chat im Internet kennengelernt. Er hatte sich damals „Karlchen" genannt und behauptet, er sei 15 Jahre alt. Erst viel später beichtete er Maria sein wahres Alter. H.'s Ehefrau war ihrem Mann auf die Schliche gekommen und hatte ihn bei der Polizei angezeigt. So erfuhr Marias Mutter von der Beziehung ihrer Tochter. Wo H. sich seit der Trennung aufhält, weiß Maria H. nach Polizeiangaben nicht. Der Haftbefehl gegen den früheren Schatzmeister der rechtsgerichteten Partei „Die Republikaner" wegen Kindesentziehung und sexuellem Missbrauch besteht weiter.

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