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Diese alte Postkarte zeigt die historische Ansicht des Warburger Bahnhofs von Nordwesten um das Jahr 1914. - © Denkmalverein Warburg
Diese alte Postkarte zeigt die historische Ansicht des Warburger Bahnhofs von Nordwesten um das Jahr 1914. | © Denkmalverein Warburg

Historisch Bahnhof ist das Denkmal des Monats in Warburg

Die Sanierung und teilweise Rekonstruktion des Gebäudes könne ein Motor für weitere Entwicklungen sein, urteilt der Warburger Denkmalverein.

16.10.2022 , 03:00 Uhr

Warburg. Der Vorstand des Warburger Denkmalvereins hat das historische Bahnhofsgebäude zum „Denkmal des Monats Oktober“ erkoren. Der kurhessische Oberhofbaumeister und Oberbaudirektor Julius Eugen Ruhl habe mit dem in den Jahren 1852 und 1853 errichteten Warburger Bahnhof ein kleines Meisterwerk der Architektur geschaffen, das heute ein wichtiges Zeugnis für ein historistisches Bauwerk aus der Anfangszeit des Eisenbahnbaus in Westfalen ablege. Das Empfangsgebäude diente der Abfertigung des Personenverkehrs der ostwestfälischen Kleinstadt. Nahezu 100 Jahre wurde es als Inselbahnhof genutzt. An an seiner Nord- und seiner Südseite verliefen Gleise. Davon gibt heute noch die großzügige Überdachung der Bushaltestellen an der südlichen Seite Zeugnis.

Geschichte

Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Warburg zur preußischen Provinz. Unmittelbar an der Grenze des Kurfürstentums Hessen-Kassel gelegen, erhielt die Stadt eine frühe Bahnstation aufgrund eines Planes, eine Bahnverbindung zwischen Halle und Lippstadt zu schaffen. Weil diese Bahnstrecke durch die Staatsgebiete von Preußen, Kurhessen und den Thüringischen Herzogtümer Sachsen-Weimar-Eisenach sowie Sachsen-Coburg und Gotha verlaufen sollte, wurde ein Staatsvertrag geschlossen. Warburgs Bahnanschluss geht auf diesen Ende 1841 vereinbarten Vertrag zurück. 1847 setzte Warburgs Bürgermeister Heinrich Fischer den Spatenstich zum Bau des Bahnhofs.

Der Bau der Bahn auf westfälischem Boden verzögerte sich, weil die Eisenbahn-Gesellschaft aufgrund hoher Baukosten eines Tunnels oberhalb Willebadessens in Konkurs ging. Der preußische Staat gründete die Königlich Westfälische Eisenbahngesellschaft, die per Gesetz ermächtigt wurde, die Bahn von der kurhessischen Grenze über Warburg, Paderborn, Lippstadt und Soest nach Hamm zu bauen. Unterdessen hatte die kurhessische Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Gesellschaft schon 1849 eine Bahnverbindung von Kassel bis nach Haueda fertiggestellt. Ihre Fortführung bis Warburg ließ zwei Jahre auf sich warten, weil das Diemeltal durch ein aufwendiges Viadukt überquert werden musste. Der erste Probezug erreichte die Stadt im Januar 1851.

Da stand allerdings das Bahnhofsgebäude noch nicht. Ebenso wie die Fortführung der Strecke über das Eggegebirge nach Altenbeken und Paderborn. Erst gut zwei Jahre später, im Sommer 1853, wurde dieser Streckenabschnitt unter Beteiligung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel und des Fürsten Georg Victor von Waldeck, die am Warburger Bahnhof zusammentrafen, eröffnet.

Damals verliefen die Bahngleise nur nördlich des Empfangsgebäudes. Ihm gegenüber gab es einen kleinen Lokschuppen und eine Betriebsstätte zur Versorgung ankommender Lokomotiven. Dies änderte sich mit dem Anschluss Warburgs an die Obere Ruhrtalbahn, die Warburg 1873 erreichte und ihren Verkehr durch das Sauerland nach Hagen für Güter und Personen aufnahm. Ihre Gleise erreichten das Bahnhofsgebäude an dessen Südseite. Damit wurde es zu einem von zwei Seiten mit Gleisen umschlossenen Inselbahnhof.

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An dessen Südseite entstanden westlich des Personenbahnhofs ein Bahnbetriebswerk, ein Ringlokschuppen und der Güterbahnhof. Die 1890 eröffnete Twistetalbahn, die zunächst Warburg mit Arolsen verband und später bis Marburg fortgeführt wurde, erreichte den Bahnhof dagegen wieder auf den Nordgleisen. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Güterbahnhof Ziel von Fliegerangriffen. Die Mittelstände des Lokschuppens wurden weitgehend zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Einschneidende Veränderungen erfuhr der Bahnhof mit der Ende 1970 erfolgten Eröffnung des elektrischen Verkehrs auf der Strecke Kassel-Hamm. 1967 war der Personenverkehr nach Volkmarsen eingestellt worden. Später wurde auch der nach Altenbeken, Bestwig und Kassel aufgegeben. Der Zugverkehr wurde auf die Nordgleise verlegt, die Südgleise abgebaut.

Ende 2011 veräußerte die Deutsche Bahn das Empfangsgebäude an eine Privatperson, die es grundlegend renovieren und die Fassade weitgehend wieder in den Ursprungszustand versetzen ließ. Aktuell wird es als buddhistisches Zentrum und Kloster genutzt.

Architektonik

Für den Grenzbahnhof griff man auf einen Planer zurück, der damals in Kurhessen Oberhofbaumeister und zugleich Generaldirektor der Friedrich Wilhelms-Nordbahn war: Julius Eugen Ruhl. Daher weist der Warburger Bahnhof gewisse Ähnlichkeiten zu manchen hessischen Bahnhofsgebäuden auf, nicht aber zu solchen im übrigen Westfalen.

Das von Ruhl im Stil des Historismus unter Verwendung romanischer und gotischer Elemente geplante, zweigeschossige Empfangsgebäude wurde in den Jahren 1852 und 1853 in unverputztem Backstein errichtet. Ursprünglich hatte es den Grundriss eines Rechtecks. Prägend für das Bauwerk sind die an allen vier Seiten ähnlich gestalteten, zweistufigen Staffelgiebel. Am westlichen Giebel befinden sich runde Aussparungen mit den Initialen der Westfälischen Eisenbahn (WE). Die charakteristischen Staffelgiebel im Westen und Osten wurden nachträglich durch Anbauten teilweise verdeckt. 1883 erfolgte ein eingeschossiger, mittig angelegter Anbau an der Ostseite, der 1890 um ein weiteres Stockwerk ergänzt wurde. Der Eingangsbereich im Westen erhielt 1914 in voller Breite einen eingeschossigen Vorbau.

Im Innern schloss sich dem Eingang ein Längsflur an, in dem sich Betriebsräume, Fahrkartenausgabe und Gepäckannahme befanden. Nur durch einen Eingang vom Nordbahnsteig aus war das von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. finanzierte Fürstenzimmer, das später vor allem die fürstliche Familie aus Waldeck und ihre Entourage sowie gelegentlich auch der niederländische König Wilhelm III. und seine aus Arolsen stammende Gattin, Königin Emma, nutzten, erreichbar. Im ersten Obergeschoß des Gebäudes wohnten Bahnbedienstete.

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