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Im Visier: Rund 260 Hektar betrug die Fläche, die m ehemaligen Landesentwicklungsplan für flächenintensive Großprojekte vorbehalten war. Auf dem Areal nördlich der Bahngleise wird im kommenden Jahr zwischen dem Industriegebiet Nord (r.) und der Ostwestfalenstraße (l.) eine 5,4 Millionen Euro teure Anbindungsstraße gebaut werden (im Hintergrund ist die Stadt Warburg zu sehen). Dann könnten sich nach Vorstellung der Stadtverwaltung auf den heutigen Feldern auch Unternehmen neu ansiedeln. - © Davis Schellenberg
Im Visier: Rund 260 Hektar betrug die Fläche, die m ehemaligen Landesentwicklungsplan für flächenintensive Großprojekte vorbehalten war. Auf dem Areal nördlich der Bahngleise wird im kommenden Jahr zwischen dem Industriegebiet Nord (r.) und der Ostwestfalenstraße (l.) eine 5,4 Millionen Euro teure Anbindungsstraße gebaut werden (im Hintergrund ist die Stadt Warburg zu sehen). Dann könnten sich nach Vorstellung der Stadtverwaltung auf den heutigen Feldern auch Unternehmen neu ansiedeln. | © Davis Schellenberg

Warburg/Höxter Initiative bringt Warburg als Tesla-Standort ins Gespräch

Warburg war vor 15 Jahren schon einmal als Standort für das in Leipzig realisierte BMW-Werk im Gespräch. Der Standort könnte auch für den E-Autobauer Tesla von Interesse sein

Burkhard Battran
20.07.2018 | Stand 19.07.2018, 20:58 Uhr
Dieter Scholz

Warburg/Höxter. Seit der amerikanische E-Autobauer Tesla vor zwei Jahren den pfälzischen Maschinenbauer Grohmann gekauft hat, wird darüber spekuliert, dass ein Werk in Deutschland gebaut werden könnte. Das Thema ist wieder brandaktuell, seit Tesla im Juni angekündigt hatte, in Europa einen neuen Produktionsstandort aufbauen zu wollen. Deutschland sei dabei besonders im Fokus.»Region ist ein Spitzencluster mit vielen Zulieferern« Das Saarland hatte prompt reagiert und postwendend eine Bewerbung nach Kalifornien an Firmenchef Elon Musk geschickt. "Es ist meines Wissens die bisher einzige ernsthafte Bewerbung aus Deutschland, aber es muss nicht einzige bleiben", sagt der Warburger SPD-Kreisvorsitzende und Landesvorstandsmitglied Christoph Dolle. Bei einem Treffen mit Betriebsratsvertretern in der Kreisgeschäftsstelle in Höxter wurde die Idee diskutiert, dass auch die Hansestadt an der Diemel als Werksstandort bestens geeignet wäre und es zahlreiche gute Argumente gebe, die für Warburg sprechen. Es ist nicht das erste Mal, dass Warburg als Produktionsstandort der Automobilindustrie im Gespräch ist. Das 2005 in Leipzig eröffnete BMW-Werk hätte auch in Warburg stehen können. Zumindest war Warburg damals ernsthaft im Gespräch. "Wir haben das Glück, dass das Gelände bis heute im Regionalplan für diesen Zweck zur Verfügung steht und darauf aufgebaut werden kann", betont Kreisvorstandsmitglied Roger van Heynsbergen. Seitens der Betriebsratskreise wurde die gute unternehmerische Infrastruktur hervorgehoben. "Die Region ist ein Spitzencluster mit zahlreichen Zulieferern, die oftmals in ihren Segmenten Weltmarktführer sind", sagte Annette Alabas, Betriebsratsvorsitzende des Automatisierungsunternehmens Phoenic Contact in Blomberg. Nur einen Steinwurf entfernt vom potenziellen Tesla-Standort im Warburger Industriegebiet West befindet sich das Werk des Stahlrohrproduzenten und Automobilzulieferers Benteler. "Mit dem Standort Warburg ließe sich eine Allianz der kurzen Wege realisieren", sagte Christian Schachten, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Benteler-Konzerns. "So eine Bewerbung können und wollen wir in diesem kleinen Gremium nicht auf den Weg bringen, sondern es braucht dazu eine breite Phalanx aus Stadt, Kreis und Land", betonte SPD-Kreistagsfraktionsgeschäftsführer Rolf-Dieter Crois. Mit der Stadt Warburg und den örtlichen Fraktionen sei man bereits im Gespräch. "Jetzt geht es darum, den Ball richtig ins Rollen zu bringen und die Vorteile des Standorts in Warburg deutlich herauszuarbeiten", sagte Dolle. So stünden mit den Flughäfen in Calden und Paderborn-Lippstadt zwei Airports mit freien Kapazitäten zur Verfügung. Warburg sei verkehrsgünstig an das Autobahnnetz angeschlossen und "es laufen bereits die Planungen, für eine direkte Anbindung des Industriegebiets an die Ostwestfalenstraße B 252". Nach der Sommerpause soll das Thema in den Warburger Stadtrat und den Kreistag eingebracht werden. Die SPD-Vertreter befürchten, dass Standort-Konkurrenz aus dem eigenen Bundesland auf den Plan gerufen werden könnte. Christoph Dolle: "In Bochum wurde das Opelwerk geschlossen, dort würde man sicher auch gern eine neue Autoproduktion sehen wollen." »Das Thema ist für uns sehr frisch«, sagt der Bürgermeister Bürgermeister Michael Stickeln zeigte sich ein wenig irritiert über die Vorgehensweise der Sozialdemokraten. Dolle habe die Stadtverwaltung per Mail erst am Donnerstagmorgen über die Idee der Kreis-SPD informiert. "Das Thema ist für uns sehr frisch", sagt Stickeln. Doch werde man die Anregung nun detailliert prüfen. Allerdings gehe er davon aus, dass die Stadt für eine Industrieansiedlung von dieser Größenordnung derzeit "keine geeignete, zusammenhängende Fläche" zur Verfügung stellen könne. Nach dem neuen Regionalplan könnten einzelne Flächen des ehemals im Entwicklungsplan NRW vorgehaltenen LEP 6-Gebietes, für das sich damals BMW interessiert habe, frühestens ab 2023 angeboten werden, sagt Stickeln. "Wenn dann auch noch die eigentumsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden", bemerkt er. Zurückblickend sei es gut, dass es damals nicht zu einem Großwerk der Automobilindustrie gekommen sei, sagt Bürgermeister Stickeln. Denn auch ein amerikanischer Konzern wie Tesla trage sicherlich erheblich dazu bei, den vorwiegend mittelständischen Betrieben in der Region Fachkräfte vorzuenthalten, die sie aktuell dringend suchten.

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