Ein wertvolles Stück Stadtgeschichte: Am Mühlengraben in der Altstadt wurde jetzt ein Denkmal enthüllt, dass die Arbeitsweise der Wasserkunst zeigt. Ekkehard Kröger (hinten 2. v. r.) hat die Gedenktafel entworfen und gestaltet. - © Hermann Ludwig
Ein wertvolles Stück Stadtgeschichte: Am Mühlengraben in der Altstadt wurde jetzt ein Denkmal enthüllt, dass die Arbeitsweise der Wasserkunst zeigt. Ekkehard Kröger (hinten 2. v. r.) hat die Gedenktafel entworfen und gestaltet. | © Hermann Ludwig

Warburg Heimatverein richtet altes Wasserkunst-Denkmal her

Heimat- und Verkehrsverein: Zeugnis der historischen Wasserversorgung wieder erlebbar gemacht. Wasser vom Altstädter Mühlengraben in die Neustadt gepumpt

Hermann Ludwig

Warburg. Ein weiteres Stück Heimatgeschichte hat die Aktivengruppe des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) jetzt erlebbar gemacht. In monatelanger Kleinarbeit hat die Gruppe um den Vorsitzenden Klaus Stalze jetzt das Umfeld der "Wasserkunst" in der Warburger Altstadt hergerichtet und dort eine Schautafel enthüllt, die Ekkehard Kröger entworfen und gestaltet hat. "Der Warburger Heimat- und Verkehrsverein hat sich diese Stelle im letzten Jahr ausgesucht und vorgenommen, um einmal auf die ehemalige Wasserversorgung der Neustadt und die damit verbundenen Mühen hinzuweisen", erklärte der Vorsitzende Klaus Stalze. Der alte Gedenkstein war von Unkraut überwuchert, auch das Umfeld war nicht mehr begehbar. Im Laufe des Sommers wurde das gesamte Gelände um den Gedenkstein vom Unkraut befreit, der Zugang zu der Fläche mit einer in die Natur integrierten Treppe versehen und der Gedenkstein gesäubert. Desweiteren wurde die Inschrift auf dem Stein wieder lesbar gemacht und farblich hervorgehoben. Zuletzt hat Ekkehard Kröger, der Wasserexperte der Aktionsgruppe, seine Kenntnisse als Maschinenbauingenieur eingebracht und das Denkmal gestaltet, in dem die Technik der Wasserkunst veranschaulicht wird. Das Wasserhebewerk zur Versorgung der Neustadt wurde 1463 erstmals urkundlich erwähnt. In der Urkunde heißt es: "Der Rat kauft von dem Wollenamt für jährlich sieben Taler das Recht einer Wasserkunst." Mehr als 50 Höhenmeter waren zu überwinden, auf dem Puhlplatz stand ein Wasserturm, von dem aus die Brunnen in der Neustadt versorgt wurden. Wasserkunst war zunächst ein Begriff für die Einheit aus Pumpwerk und Wasserbehälter, später wurde der Begriff auch für die Gesamtanlage des Röhrensystems verwendet. Die ersten Wasserkünste wurden aus Holz erbaut, später aus Stein. Sie bestanden aus einem Pumpwerk und dem antreibenden Wasserrad sowie aus einem Hochbehälter, in dem das Wasser gespeichert wurde. Eine heute noch funktionierende Anlage besichtigte der Heimatverein in Landau, wo ein Verein den Betrieb managt. 1850 wurde diese Anlage modernisiert, unter anderem lieferte die Fa. Henschel aus Kassel ein neues Druckwerk, so dass in 24 Stunden immerhin 10.000 Liter hochgepumpt werden konnten. Bürgermeister lieh der Stadt 1.000 Taler "Damals gab es nur ein eine einzylindrige Pumpe, deshalb wurde ein Windkessel integriert, um den Wasserfluss zu verstetigen. Angetrieben wurde das behauste Wasserrad von dem Wasser des damals noch offenen Mühlengrabens vor den Toren der Stadt. "Im Winter wurde in dem Haus mit Feuerkörben dafür gesorgt, dass die Anlage nicht vereiste", erläuterte Böddeker, der berichtete, dass seinerzeit die Fa. Henschel der Stadt eine Dampfmaschine verkaufen wollte. Die Stadt musste auf die privaten Rücklagen des Bürgermeisters Fischer setzen, denn die Gesamtkosten betrugen 3.000 Taler, ohne diese Maßnahme gab die Stadt Warburg im Jahr 1850 6.700 Taler. Heinrich Fischer lieh der Stadt 1.000 Taler. "Ob das heute auch noch möglich wäre", fragte Klaus Stalze mit einem schelmischem Grinsen. 1894 wurde die Wasserkunst durch die noch heute aktive zentrale Wasserversorgung abgelöst. Gesponsort wurden die Renovierungsarbeiten von der Bürgerstiftung und der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold. Dass dieses historische Bauwerk wieder in den Fokus gerückt wurde, sieht Bürgermeister Michael Stickeln als besonderen Verdienst der Aktionsgruppe, die sich schon mit so vielen Arbeiten verdient gemacht habe. "Eine tolle Leistung zum Wohl der Stadt", lobte der Bürgermeister.

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