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Das Signal steht auf Rot: Ein Zug der Nordwestbahn bei der Vorbeifahrt am alten Corveyer Bahnhof. - © Simone Flörke
Das Signal steht auf Rot: Ein Zug der Nordwestbahn bei der Vorbeifahrt am alten Corveyer Bahnhof. | © Simone Flörke

Höxter Bahn lehnt Haltepunkt für Landesgartenschau in Höxter ab

Grüne sind über Begründung empört

Simone Flörke
15.08.2019 | Stand 18.08.2019, 15:57 Uhr

Höxter. Die Grünen im Rat der Stadt Höxter, im Kreistag und in der Verbandsversammlung des Nahverkehrsverbundes Paderborn-Höxter (nph) sind empört über die Weigerung der Deutschen Bahn, einen Haltepunkt am Weltkulturerbe Corvey zur Landesgartenschau einzurichten. „Uns stellt sich die Frage, ob die Bahn ihren Auftrag versteht. Anscheinend handelt sie nach dem Grundsatz: Ohne Fahrgäste würde unser Unternehmen viel besser funktionieren", kommentiert Ludger Roters, Fraktionssprecher der Grünen im Rat der Stadt Höxter die Nachricht. Höxters Baudezernentin Claudia Koch hatte darauf hingewiesen, dass bis zur Ausrichtung der LGS 2023 in Höxter nach Auskunft der Bahn eine Wiederinbetriebnahme zeitlich unmöglich sei – auch wegen der zeitlichen Verzögerungen im Fahrplan. „Damit der Haltepunkt in Corvey noch bis 2023 reaktiviert werden könnte, müsste sich das gesamte Verfahren bereits in einem fortgeschrittenen Genehmigungsprozess befinden", erklärte eine Bahnsprecherin auch auf Anfrage der NW. „Die Reaktivierung eines Haltepunkts ist an einen festen Prozess gebunden." Entscheidung liegt nicht allein bei der Deutschen Bahn Zunächst erfolge die Einrichtung eines Projekts, ehe Planer für das Projekt beauftragt würden sowie diverse Prüfungen erfolgten. „Dieser Vorgang dauert in der Regel mehrere Jahre", so die Sprecherin. Im Nachgang müsse das Projekt zur Prüfung beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) eingereicht werden. Erst nach der Genehmigung durch das EBA könne mit der Umsetzung des Projekts begonnen werden. Lesen Sie auch: Kommentar zur Entscheidung der Bahn - "Ein deutliches Warnsignal" Zur Umsetzung zählten nicht nur die praktischen Bauarbeiten zum Umbau der Station, sondern auch die Beantragung von betrieblichen Sperrpausen und die Erstellung von Fahrplänen. Zudem liege die Entscheidung nicht allein bei der Deutschen Bahn, „sondern wird gemeinsam und einvernehmlich mit dem Aufgabenträger – hier der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) – auch hinsichtlich der Finanzierung gefällt". Nach Angaben eines NWL-Sprechers war der Haltepunkt Corvey mit Blick auf den Welterbestatus in Corvey im Nahverkehrsplan vorgesehen gewesen. Rein vom Planerischen. Die Umsetzung stehe aber „ in den Sternen". Für den NWL Hauptkriterium für das Nein zum jetzigen Zeitpunkt: Die Kollegen auf der niedersächsischen Seite überplanten den Schienenkorridor und wollten künftig häufiger und schneller aus Richtung Hannover in den Raum Höxter und Paderborn fahren. Und um diese Schnelligkeit zu erreichen, sei auch eine Fahrzeitverkürzung auf dem Tableau. LGS nur ein temporärer Anlass „Ein zusätzlicher Halt würde das Gegenteil erzeugen." Zudem sei die LGS nur ein temporärer Anlass – und da sei selbst die Nähe zum Weltkulturerbe als gewichtiger zu werten. Die Grünen im Kreis und in der Stadt Höxter fordern seit Jahren einen Haltepunkt am Weltkulturerbe. Dass die Bahn nun argumentierte, die Zeit sei zu knapp, offenbare „leider nur zu deutlich die unternehmerische Unfähigkeit des Konzerns", heißt es in einer Stellungnahme. „Das Argument der fehlenden Minute im Fahrplan können wir nicht gelten lassen", macht Martina Denkner, Vertreterin der Kreistagsfraktion der Grünen in der Verbandsversammlung des nph, deutlich. „Gerade die DB ist es ja selber, die technische Probleme auf der Eggebahn, wie das ,Schlüsseln’ an Bahnübergängen, seit Jahren nicht in den Griff bekommt und so immer wieder Verspätungen produziert." Die Grünen raten der Stadt Höxter, in ihren Anstrengungen nicht nachzulassen. „Die Stadt Halle hat es vorgemacht: Innerhalb weniger Monate hat sie am damals neuen Tennisstadion einen Bahnhaltepunkt gebaut und in Betrieb genommen." Die Grünen fordern ebenfalls vom heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten und vom Vorsitzenden der nph-Verbandsversammlung verstärkten Einsatz für den Haltepunkt Corvey: „Jetzt müssen auf allen Ebenen intensive Gespräche geführt werden."

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