Unternehmenssitz: Die Meierhof-Brauerei in Ottbergen gibt es seit mehr als 25 Jahren. Hier wird bald kein Bier mehr produziert. - © Simone Flörke
Unternehmenssitz: Die Meierhof-Brauerei in Ottbergen gibt es seit mehr als 25 Jahren. Hier wird bald kein Bier mehr produziert. | © Simone Flörke

Ottbergen Meierhof stellt Bierproduktion ein

Brauen wird ins fränkische Roth verlegt / Marke soll erhalten bleiben

Amina Vieth
David Schellenberg

Ottbergen. Die Bio-Brauerei Meierhof in Ottbergen steht vor einschneidenden Veränderungen: Wie Geschäftsführer Wilhelm Cöppicus aus Ottbergen am Freitagabend der Neuen Westfälischen mitteilte, werde die Produktion Ende September endgültig eingestellt. „Wirtschaftliche Gründe veranlassen uns, die Produktion der Meierhof Bierspezialitäten zu verlegen“, erklärte Cöppicus. Und weiter: „Mit der Familienbrauerei Rother Bräu aus dem Naturpark Rhön haben wir einen Partner gefunden, der auch nach der EG-ÖKO-Verordnung zertifiziert ist und schon über 20 Jahre ökologisch braut.“ Die Braugerste komme nach wie vor von der Erzeugergemeinschaft Bördeland-Diemeltal. Sie werde auch weiterhin in der Mälzerei der Familie Lang in Mellrichstadt vermälzt und an die Rother Bräu ausgeliefert. Mit der Familie Lang arbeite die Ottberger Brauerei seit vielen Jahren erfolgreich zusammen. Das Brauwasser, so Cöppicus, komme künftig aus dem Naturpark Rhön. „Durch einen Lohnbrauvertrag ist abgesichert, dass unsere Bierspezialitäten nach unseren Rezepturen eingebraut werden“, unterstreicht der Geschäftsführer. Die Marke Meierhof bleibt erhalten. Die Firma Weydringer & Strothe aus Holzminden wird den Transport nach Ottbergen übernehmen. Das Gebäude und Gelände in Ottbergen soll weiterhin als Lager und Verkaufsraum genutzt werden. Der Freitagabend angekündigte Schritt fällt der Geschäftsführung nicht leicht. „Wir bitten die Freunde der Meierhof Bierspezialitäten um Verständnis für diese Maßnahme und sichern für die Zukunft eine gleichbleibend hohe Qualität unserer Bierspezialitäten zu.“ Xaver Weydringer, Geschäftsführer von Rother Bräu, bestätigte auf Nachfrage der NW, dass es Gespräche mit der Meierhof-Geschäftsführung gebe. Er wollte mit Verweis auf bestehende Geschäftsbeziehungen nicht näher darauf eingehen. Seit Wochen gab es aufgrund der schwierigen Lage der Brauerei Meierhof Verhandlungen über die Zukunft des Unternehmens, die die NW mit Rücksicht auf die Entwicklung im Hintergrund begleitete. Nach NW-Informationen ist es zu Absatzschwierigkeiten gekommen, weil die Brauerei innerhalb kurzer Zeit drei Großabnehmer verloren hat, die wegen Geschäftsaufgabe oder Besitzerwechsel aus dem Kundenkreis ausschieden. „Eine kleine Brauerei kann so etwas natürlich schwer verkraften“, erklärte Cöppicus bereits vor einigen Wochen. Im Jahr produziert die Meierhof-Brauerei rund 1.700 Hektoliter Bier. Dann gab es Hoffnung für die hiesige Brauerei, die sich durch Regionalität und der Produktion von Biobieren auszeichnet. Es habe Verhandlungen zwischen zwei großen Supermärkten, die in Höxter und Umgebung ansässig sind, gegeben. Über deren Verlauf gab es jedoch keine weiteren Informationen. Jetzt steht fest, dass die Produktion verlagert werden muss. Rother Bräu füllt im Jahr 35.000 Hektoliter Bier ab, davon 40 Prozent Biobier. Damit verliert nach NW-Informationen der Braumeister in Ottbergen seine Arbeit. Laut Meierhof-Geschäftsführung sei ein weiterer Stellenabbau nicht geplant. Seit mehr als 25 Jahren gibt es die kleine Privatbrauerei in Ottbergen. Mit einem ganz besonderen Geschäftsmodell: Die Brauerei ist ein Zusammenschluss von mehr als 60 Gastronomen aus NRW, Hessen und Niedersachsen. Neben Pils hat die Meierhof-Brauerei auch Altbier, Landbier und Weizenbier im Angebot. Dabei wird streng nach dem Reinheitsgebot von 1516 gebraut. Hilfsstoffe wie Eiweißstabilsatoren sind tabu. Das Bier wird nicht pasteurisiert und ist zum großen Teil unfiltriert. Die Gerste kommt aus zertifizierten Bio-Betrieben.

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