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Spur der Verwüstung: Die Schäden in Erkeln am Tag nach dem Unwetter. - © David Schellenberg
Spur der Verwüstung: Die Schäden in Erkeln am Tag nach dem Unwetter. | © David Schellenberg

Kreis Höxter Aufräumarbeiten nach Unwetter in Brakel werden Tage dauern

Stadt Brakel rechnet mit großer Schadenssumme

David Schellenberg
16.10.2019 | Stand 17.10.2019, 06:33 Uhr |

Kreis Höxter. Nach dem heftigen Unwetter in der Nacht zu Mittwoch sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Langsam wird sichtbar, wie groß das Ausmaß der Schäden tatsächlich ist. Vor allem die Bewohner des Brakeler Ortsteils Erkeln sind betroffen und verzweifelt. Das Unwetter war gegen 22 Uhr aufgezogen und hatte innerhalb kürzester Zeit große Verwüstungen und Überflutungen in den Ortschaften der Stadt Brakel, aber auch in den Höxteraner Ortschaften Bruchhausen und Ottbergen sowie Bredenborn (Marienmünster) angerichtet. Insgesamt gingen mehr als 100 Notrufe bei Polizei und Feuerwehr ein. In Erkeln und Hembsen wälzten sich bis zu einem Meter hohe Schlammlawinen durch die Straßen. Sie rissen Autos mit sich, die teilweise erst 150 Meter weiter an Gartenmauern und Häuserwänden stecken blieben. "Eine Naturkatastrophe in diesem Ausmaß haben wir hier noch nicht erlebt", sagte Brakels Bürgermeister Hermann Temme in einer am Mittwochmittag eilig einberufenen Pressekonferenz. Allein in Brakel waren etwa 100 ehrenamtliche Feuerwehrkräfte die ganze Nacht im Einsatz - nachdem sie bereits in der vorangegangen Nacht einen Großbrand in einem Schrotthandel löschen mussten. Große Behinderungen im Bahnverkehr Aufgrund des Unwetters gab es auch am Mittwochnachmittag noch große Behinderungen im Bahnverkehr. Die Strecke der Regionalbahn RB 84 wurde zwischen Ottbergen und Paderborn wieder gesperrt. In den Ortschaften Erkeln, Hembsen und Beller kommt es aufgrund der Aufräumarbeiten zu größeren Verkehrsbehinderungen sowie kurzfristigen Straßensperrungen. In Höxter sind nach Angaben der Stadt die Straße Lange Wiese in Brenkhausen und die Verbindung von Bosseborn nach Godelheim wegen Bäumen und Steinen auf der Fahrbahn dicht. Derweil versuchen Einsatzkräfte gemeinsam mit den Bewohnern von Erkeln und freiwilligen Helfern, die Lage in der Ortschaft in den Griff zu bekommen. In dem 550-Seelen-Dorf liefen zahllose Keller und Erdgeschosswohnungen voll. "Das Problem ist, dass es sich um eine zähe Schlammmasse handelt", erklärte der Einsatzleiter der Feuerwehr Brakel, Sven Heinemann. Dafür sind die Pumpen der Rettungskräfte nicht ausgelegt. Deshalb brach die Feuerwehr bereits in der Nacht alle Versuche ab, die Keller leer zu pumpen. Dies übernahmen am Morgen Landwirte mit ihren Güllefässern sowie Kanalreinigungsfirmen mit ihren großen Pumpenwagen. Allein bis zum Mittag wurden 15 Keller leergepumpt, in denen das Wasser teilweise bis zur Decke stand. Die Bewohner selbst versuchten, mit Schaufeln, Garagen und Vorgärten von Schlamm und Unrat zu befreien und ihn auf die Straße zu schippen. Feuerwehreinsatzleiter Christopher Pöppe, der bereits seit 22 Uhr am Dienstagabend im Einsatz war, rechnete mit einem Einsatzende nicht vor Einbruch der Dunkelheit. "Und morgen geht es sicherlich weiter." Schlamm auf Lkw geladen Am Nachmittag wurde begonnen, mit schwerem Räumgerät die Straßen zu säubern und den Schlamm auf Lkw zu verladen. Neue Feuerwehrkräfte aus Auenhausen und Frohnhausen wurden hinzugezogen. "Wir gehen davon aus, dass die Aufräumarbeiten noch Tage dauern werden", erklärte Franz-Josef Sentler vom Brakeler Bauhof. Die Stadt ließ mehrere Container aufstellen, in denen die Anwohner ihren verschlammten Hausrat kippen können. "Wir wollen jetzt unbürokratisch helfen", unterstrich Bürgermeister Hermann Temme. Er ist froh, dass bei dem Unwetter keine Menschen zu größerem Schaden kamen. In Erkeln wurde am Dienstagabend kurzzeitig ein älterer Mann vermisst, dessen Keller vollgelaufen war. Wie Wehrleiter Heinemann berichtet, war er im Keller ausgerutscht und hatte sich verletzt. Nach kurzer Suche wurde er in seinem Wohnzimmer gefunden. "Das Problem war, dass der Rettungswagen aufgrund der Schlammmassen nicht bis zum Einsatzort kam." Kurzerhand seien die Rettungskräfte im Unimog transportiert wurden - die Trage auf dem Dach, weil drinnen kein Platz dafür war. "Manchmal ist es gut, noch alte Fahrzeuge zu haben, die das können", sagte Heinemann. Die Verletzungen des Mannes stellten sich später als weniger gravierend heraus - er konnte ambulant behandelt werden. Brand aufgrund des Unwetters Zudem gab es in Erkeln aufgrund des Unwetters einen Brand. Ein Strom-Sicherungskasten in einem Keller war voll Wasser gelaufen. Das Wasser begann nach Feuerwehrangaben zu kochen und verursachte eine enorme Rauchentwicklung. Acht Personen mussten das Haus umgehend verlassen. "Wir konnten allerdings nicht sofort die Hauptsicherung für diesen Straßenzug ziehen, weil wir ja nicht wissen konnten, ob jemand in einem anderen Haus auf Strom, beispielsweise ein Atemgerät, zwingend angewiesen ist", erläuterte Heinemann. Erst als das geklärt war, wurde der Strom durch den Netzbetreiber abgestellt. Bis Mittwochabend soll der betroffene Hausanschluss abgestellt und der Strom für die restlichen Häuser wieder angestellt werden. Auch die Bundesstraße 252 wurde in der Nacht überflutet. Bei Brakel stand der Schlamm bis zu 80 Zentimeter auf der Fahrbahn. Der Landesbetrieb Straßen beseitigte ihn mit Schneeschiebern - die Feuerwehr säuberte die Straße.

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