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Quirliges Treiben: In Suez werden Koffer verladen. - © Burkhard Battran
Quirliges Treiben: In Suez werden Koffer verladen. | © Burkhard Battran

Brakel Hinreißend komische Abenteuerkomödie in Bökendorf

Abendstück auf der Freilichtbühne Bökendorf

Burkhard Battran
30.06.2019 | Stand 30.06.2019, 15:07 Uhr |

Brakel-Bökendorf. Verena Becker, Vorsitzende des Trägervereins der Freilichtbühne Bökendorf, traf den Nagel auf den Kopf, als sie sagte, dass man in diesem Sommer nirgendwo klimafreundlicher und preiswerter eine Weltreise unternehmen kann als auf der Bökendorfer Freilichtbühne. Am Samstag wurde dort mit stehenden Ovationen und frenetischen Applaus die Premiere von "In 80 Tagen um die Welt" gefeiert. Im nächsten Jahr feiert die Freilichtbühne ihr 70-jähriges Bestehen. Seit 61 Jahren werden in jeder Saison zwei Stücke inszeniert, für die sich die Begriffe Kinder- und Erwachsenenstück gebildet haben. Eine Differenzierung, die sich längst überholt hat. Beide Stücke sind heute mehrgenerationentauglich und es geht nur noch um die Frage, ob man lieber am Sonntagnachmittag oder freitags oder samstags am Abend ins Theater gehen möchte. Aber auch diese Frage hat sich schon erübrigt, denn der wahre Freilichtbühnengenuss besteht darin, beide Stücke gesehen zu haben. Denn nur dann kann man diesen unvergleichlichen Aha-Effekt erleben, wie gut die von Bühnenbildner Stefan Schukat erdachten Kulissen ebenso das Berlin der 20er-Jahre wie im Kinderstück "Emil und die Detektive" auch das London der 1870er Jahre von "In 80 Tagen um die Welt" darstellen. Zeichen für Kulturoffenheit Und natürlich auch Suez, Bombay, Kalkutta, Hongkong, Yokohama, San Francisco und Liverpool, denn das sind die Stationen in diesem vorcineastischen Road Movie von Jules Verne, das der hessische Bühnenautor Claus Martin (52) mit sicherem komödiantischen Gespür zu einer amüsanten Abendunterhaltung destilliert hat. Aber Regisseurin Anke Lux setzt in ihrer abwechslungsreichen Inszenierung auch ein Zeichen für Kulturoffenheit und Reisefreiheit in einer Welt mit zunehmenden protektionistischen und fremdenfeindlichen Strömungen. In der Hauptrolle des versnobten Phileasversnobten Fogg ist Freilichtbühnen-Urgestein Thomas Rüther zu sehen. Obwohl Eile ja das tragende Motiv der Geschichte ist, strahlt dieser "Fogg" eine stoische Ruhe aus. Echte Idealbesetzungen sind auch Carsten Meier als quirliger Diener "Passepartout" und Dorothea Specht als pfiffige Haushälterin. 2015 hat Martin diese Adaption des 150 Jahre alten Abenteuerklassikers von Jules Verne veröffentlicht. Seit die Story 1956 erstmals verfilmt wurde und dort eine Ballonfahrt gemacht wird, taucht dieses Motiv in zahlreichen Rezeptionen immer wieder auf, obwohl im Original nur mit Erd- oder Wasser verbundenen Verkehrsmitteln gereist wird. Auch bei Martin gibt es dieses Flug-Motiv. Zum Glück, denn sonst käme das Publikum nicht in den Genuss des mit viel Szenenapplaus bedachten Auftritts von Antje Drewes als resolute Ballonfahrerin. Zu Publikumslieblingen avancierten auch die beiden von Frank Spiegel und Laurenz Dohmann urkomisch gespielten schrulligen Polizisten. Über die Story hinaus gelingen Regisseurin Anke Lux auch immer wieder schöne Massenszenen mit mehr als 50 Darstellern wie beispielsweise die Ankunft in San Francisco, die sich in einem fulminanten Square- und Line Dance auflöste und abermals mit spontanem Szenenapplaus quittiert wurde. "In 80 Tagen um die Welt" wird bis zum 7. September noch 16 Mal aufgeführt. Einzelheiten zu Terminen und Karten gibt es auf der Homepage der Freilichtbühne: freilichtbuehne-boekendorf.de

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