Verstarb mit 83 Jahren: Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Meinolf Michels aus Großeneder. - © David Schellenberg (Archiv)
Verstarb mit 83 Jahren: Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Meinolf Michels aus Großeneder. | © David Schellenberg (Archiv)

Borgentreich/Großeneder Trauer um ehemaligen Bundestagsabgeordneten Meinolf Michels

Im Alter von 83 Jahren ist am Montag der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Landwirt aus Großeneder verstorben

Dieter Scholz
05.03.2019 | Stand 05.03.2019, 14:38 Uhr

Kreis Höxter/Großeneder. Meinolf Michels ist tot. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Landwirt aus Großeneder verstarb am Montag im Alter von 83 Jahren. Ein Politikprofi, nimmermüde in der Lokalpolitik, engagiert im Bundestag. 38 Jahre lang stand Meinolf Michels in der Öffentlichkeit, war auf der politischen Bühne in zahlreichen Ämtern und Funktionen aktiv. Diskutieren, „um die Sache ringen", wie er immer sagte, das war ihm bei aller Verantwortung wichtig, die er tatkräftig für die Gemeinschaft übernommen hatte. Michels war seit den 1970er Jahren eine der tragenden Säulen der CDU im Kreis Höxter. Ein Politiker, der auf die Menschen zuging. Pflichtgefühl, Verantwortung und Zivilcourage hatten bei ihm oberste Priorität. Meinolf Michels hatte den Beruf Landwirt erlernt, um den elterlichen Betrieb in der Warburger Börde übernehmen zu können. In der Landwirtschaftsschule lernte er seine spätere Frau Thea kennen. 1959 heiratet das Paar. Ein Familienmensch: Fünf Kinder gehen aus der Ehe hervor. "Bei ihm wusste man immer, woran man war" Ziemlich unvermittelt habe ihn am Rosenmontag die Nachricht vom Tod Michels erreicht, sagt CDU-Kreisvorsitzender Christian Haase betroffen. Meinolf Michels habe stets "klare Kante" gezeigt. "Bei ihm wusste man immer, woran man war", sagt Haase und erinnert sich an seine erste Zeit im Bundestag. Michels habe ihm geholfen, den Einstieg zu finden. Bescheiden wie er war, habe sich aber niemals aufgedrängt. "Ein Teamplayer, eine starke Persönlichkeit", sagt Haase. Michels habe in den 1980er und 1990er Jahren eine Ära geprägt. "Die bewegendste Zeit deutscher Geschichte miterlebt" Plenarsitzungen, Ausschusssitzungen, Wahlkreisarbeit und vieles, vieles mehr: Damit war für den CDU-Bundestagsabgeordneten im September 2002 Schluss. Für ihn endete eine 22-jährige Ära als bundespolitischer Vertreter der Bürger aus dem Wahlkreises Höxter-Lippe II in Bonn und Berlin. Drei historisch bedeutsamste Ereignisse erlebte Michels in seiner Zeit im Bundestag: der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands, die Einführung der D-Mark in den neuen Bundesländern und der Umzug von Bonn in die neue Bundeshauptstadt Berlin. „Ich habe die bewegendste Zeit deutscher Geschichte miterlebt", sagte er selbst. Doch auch negative Erfahrungen gehörten zum Leben des Abgeordneten Michels wie die von Franz-Josef Strauß initiierte Flugbenzin-Steuerbefreiung, die für viele nicht nachvollziehbar war. Auch die Spendenaffäre Kohl hatte bei Michels tiefe Spuren hinterlassen. Im kommunalen Bereich saß Michels 1964 erstmals in den Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Großeneder, deren Ortsvorsteher der Christdemokrat von 1975 bis 1992 war. Bei der Kommunalwahl 1969 wurde er gleichzeitig als Mitglied der Amtsvertretung des Amtes Borgentreich und in den Warburger Kreistag und zum stellvertretenden Landrat gewählt. 1980 zum Bundestagskandidat nominiert Mit der kommunalen Neugliederung zum 1. Januar 1975 wurde Michels mit den Aufgaben des Landrates beauftragt. Mit dieser Ernennung als Kommissar war Michels einer der wenigen in Deutschland, der für fünf Monate ganz alleine die politische Seite der neuen Kreise abdeckte. Der neue Kreistag wurde erst im Mai gewählt, Michels wurde stellvertretender Landrat. Bis 1980 saß der Borgentreicher Bürgermeister, der die Stadtkernsanierung, die Umgehungsstraße und den Umbau des alten Rathauses zum Orgelmuseum mitgeplant hatte, im Kreistag. Dann stellte Michels seine Funktionen zur Verfügung, die CDU hatte ihn zum Bundestagskandidaten nominiert. Vier Mal holte Michels für die Christdemokraten den Wahlkreis direkt. Bei allen Bundestagswahlen hatte er auf einen sicheren Listenplatz verzichtet. Zwischen 1980 und 2002 war er unter anderem Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen Union. Im Verteidigungsausschuss und Haushaltsausschuss war er stellvertretendes Mitglied. Zwölf Jahre lang war Michels Mitglied im Europarat. Dort war sein Sitznachbar der Sohn von Francois Mitterrand, die Sitzverteilung erfolgt alphabetisch. Als Landwirt wahrhaftig und gradlinig Als Landwirt wahrhaftig, gradlinig und deutlich: 24 Jahre, von 1966 bis 1990 war Michels Ansprechpartner und Vertreter seiner Berufskollegen als Ortslandwirt in Großeneder. 1968, wurde er in den Vorstand des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Warburg gewählt, 1970 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums zur Förderung der Betriebshilfsdienste und Maschinenringe in Westfalen-Lippe, von 1980 bis 1998 übernahm er den Vorsitz. Die Landwirte im Kreis beriefen Michels 1972 zum Kreislandwirt des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Warburg. Zwei Jahre später, 1974 erfolgte die Wahl zum Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaftsberatung bei der Landwirtschaftskammer Westfalen-Lippe. 1975 wurde Michels zum Kreislandwirt des nun größeren Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Höxter/Warburg wiedergewählt und blieb es bis 2001. 1994 hatte der Bundespräsident Michels das Bundesverdienstkreuzes am Bande verliehen.

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