In der Produktionshalle: Die Geschäftsführer Alexander Wieneke (l.) und Tobias Wieneke an einer modernen Laserstanz-Maschine. Der Bau des Gebäudes in Herste hat nur vier Monate gedauert. - © David Schellenberg
In der Produktionshalle: Die Geschäftsführer Alexander Wieneke (l.) und Tobias Wieneke an einer modernen Laserstanz-Maschine. Der Bau des Gebäudes in Herste hat nur vier Monate gedauert. | © David Schellenberg

Bad Driburg/Herste Wie das Bad Driburger Unternehmen Wieneke Fachkräftemangel entgegenwirkt

Lokale Wirtschaft: Das Bad Driburger Unternehmen Wieneke Anlagenbau und Verfahrenstechnik spricht über aktuelle Herausforderungen und die Geschäftsübergabe

David Schellenberg

Bad Driburg/Herste. Fachkräftemangel in ländlichen Industriebetrieben? Statt darüber zu lamentieren, haben Alexander und Tobias Wieneke, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens für Anlagenbau und Fertigungstechnik aus Bad Driburg, ihr eigenes Konzept gefunden, damit umzugehen. Das erfordert allerdings viel persönliches Engagement und auch einige Investitionen. Diese zahlen sich jedoch aus, sind sich die Unternehmer sicher. Rund 90 Mitarbeiter beschäftigt das 1968 gegründete, wachsende Unternehmen. Vor allem im handwerklichen Bereich ist es schwierig, gute Fachkräfte zu finden. Der demografische Wandel werde dabei verstärkt durch den Wegzug junger Leute aus der Region und einem abnehmenden Interesse an Handwerksberufen. AUSBILDUNG Die Lösung: gute Ausbildung. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Angestellten selbst ausgebildet. Personalvermittler muss er glücklicherweise nicht in Anspruch nehmen, berichtet Tobias Wieneke nicht ohne Stolz. Der Vorteil: Die Mitarbeiter kennen das Unternehmen und die Abläufe – und die Firmenchefs ihre Kollegen. »Den klassischen Generationenkonflikt hat es bei uns nicht gegeben« Dahinter steckt viel Arbeit: Bereits 1981 wurde im Betrieb die erste kaufmännische Auszubildende eingestellt. „Seit 1983 bilden wir auch im technischen Bereich aus", berichtet Tobias Wieneke. Inzwischen gehören ständig 16 Auszubildende zum Industriemechaniker und zum Produktdesigner zur Belegschaft. Zusätzlich unterstützen die Geschäftsführer die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Da konnte die Einkaufsleiterin einen Teil ihrer Arbeitszeit für die Abendschule nutzen, Unternehmensstudenten werden gefördert. „Wir hoffen, sie damit langfristig an das Unternehmen binden zu können." BEWERBUNGSTRAINING Doch das Engagement der Wienekes beginnt schon viel früher: Seit zehn Jahren bieten sie an der Realschule Bad Driburg ein ganztätiges Bewerbungstraining an. Das beginnt zunächst damit, dass die Neuntklässler eine komplette Bewerbung als Industriemechaniker erstellen müssen. Tobias Wieneke und Ausbildungsleiter Uwe Mergard schauen diese dann durch und streichen rot an, was so gar nicht geht. „Beispielsweise darf das Datum zum gewünschten Ausbildungsbeginn nicht fehlen und die Firmenanschrift sollte stimmen", sagt Tobias Wieneke. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Dennoch wird dies von 15-Jährigen gern mal vergessen. Und auch beim Kopieren von Teilen des Bewerbungsschreibens sei vorsichtig geboten. Es zeuge nicht von konzentrierter Arbeit, wenn man sich bei Wieneke als Bäcker bewirbt – anstatt bei Goeken backen. Im Februar dann kommen Tobias Wieneke und Uwe Mergard in die Schule und bespricht mit allen Klassen die Grundlagen einer guten Bewerbung. Worauf er und sein Bruder als Firmenchefs besonders achten: Die Anzahl unentschuldigter Fehlstunden. Denn einfach ohne Grund zu Hause bleiben gehe gar nicht. Er versucht dann, den Jugendlichen deutlich zu machen, welch schwerwiegende Konsequenzen ein solches Verhalten haben kann: Weil der Mitarbeiter fehlt, kann ein Auftrag nicht erfüllt werden, der Kunde springt ab, der Umsatz geht zurück, Mitarbeiter müssen entlassen werden. Eine solche Botschaft aus dem Mund eines Chefs zu hören, kommt an, ist Wieneke überzeugt. Er hofft, damit den Jugendlichen bei einem wichtigen Schritt auf dem Weg ins Berufsleben helfen zu können. NETZWERKE Zusätzlich ist das Unternehmen seit neuestem auch im sozialen Netzwerk Facebook aktiv. Vor allem, um Schüler zu erreichen, die sich für eine Ausbildung interessieren, wie Tobias Wieneke sagt. Junge Menschen informieren sich weitgehend in sozialen Netzwerken – dem könne man sich als Unternehmen nicht verschließen. Hier stellen sich beispielsweise Auszubildende der Firma in einer kleinen Serie vor. Es gibt aber auch Tipps für eine gute Prüfungsvorbereitung. Der Erfolg gibt all den Bemühungen recht: Seit 1981 haben alle Azubis bei Wieneke ihre Ausbildung abschließen können. ÜBERGABE Den Grundstein für eine vielversprechende Unternehmenszukunft legte schon der Vater von Alexander und Tobias, Rudolf Wieneke. Er war gerade Mitte 40, als er erstmals laut über eine Unternehmensübergabe nachdachte. „Ohne Druck", das betonen die Söhne ausdrücklich, habe er sie für die Aufgabe der Geschäftsführung interessiert. Mit Erfolg: Alexander machte seinen Meister als Maschinenbaumechaniker, Tobias studierte Betriebswirtschaftslehre. Früh wurden sie in die Entscheidungen mit einbezogen, haben sachlich über die Unternehmenszukunft diskutiert. Und sie durften sich selbst ausprobieren: 2001 gründeten sie gemeinsam mit ihrem Vater die Wieneke Color Pulverbeschichtung, die hauptsächlich Produkte des Mutterunternehmens veredelt. Auch Entscheidung über die größte Investition der Unternehmensgeschichte, der Neubau einer Produktionshalle, wurde im Jahr 2008 gemeinsam getroffen. Dass ein Standort im Industriegebiet Herste gewählt wurde, ist kein Zufall. Denn am Firmensitz im Gewerbegebiet Groppendiek war kein Platz mehr. Zur Auswahl standen neben Herste auch Bergheim und Altenbeken. „Uns war aber wichtig, dass unsere Mitarbeiter keinen deutlich längeren Arbeitsweg bekommen", sagt Alexander Wieneke. Zudem sei die Anbindung an die Bundesstraßen 252 sowie 64 und damit an die Autobahnen günstig. Jetzt, da Vater Rudolf das Rentenalter erreicht hat, haben die Söhne das Unternehmen federführend übernommen. Natürlich bringt der Senior seine Erfahrung immer noch mit ein, was die neue Generation sehr schätzt. Den Übergang hat er aber so ebenso geplant wie ein gutes Geschäft. „Den klassischen Generationenkonflikt hat es bei uns nicht gegeben", sagen Alexander und Tobias Wieneke deshalb nicht ohne Stolz.

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