Im Haus unter den Linden, dem HudL, waren früher das Heimatmuseum und das Gesundheitsamt untergebracht. - © Städtisches Museum
Im Haus unter den Linden, dem HudL, waren früher das Heimatmuseum und das Gesundheitsamt untergebracht. | © Städtisches Museum

Herford Auflösung Mittwochrätsel: Vom Heimatmuseum zum Bürgerzentrum

Im Haus unter den Linden wurden einst Daimler-Motoren verkauft. Zwischenzeitlich war hier das Gesundheitsamt untergebracht

Peter Steinert
Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford. Das Rätselfoto vom vergangenen Mittwoch zeigte das heutige Bürgerzentrum HudL (Haus unter den Linden) am gleichnamigen Abschnitt des Walls. Die Leiterin des Städtischen Museums, Sonja Langkafel, hat einmal dessen Geschichte zusammengefasst:

Das HudL ist heute als Bürgerzentrum ein gut besuchter Treffpunkt. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Das HudL ist heute als Bürgerzentrum ein gut besuchter Treffpunkt. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

"1896 gehörte das als Wohnhaus Unter den Linden 12 errichtete heutige Bürgerzentrum dem Lehrer Carl Bürcke, dem zweiten Leiter des Herforder Altertumsmuseums (1893 - 1902). In den 1920er Jahren gehörte es zunächst Wilhelm Menckhoff, der dort eine Verkaufsstelle der Daimler Motorengesellschaft betrieb. Ihm folgte ab 1927 der Kaufmann Otto Jörgens, dem Partner der Zigarrenfabrik Jörgens & Leimbach, die von 1903 bis 1934 im Anbau des Frühherrenhauses produzierten.

Das Gebäude wurde 1931 vom "Verein für Herforder Heimatkunde" erworben, um den ungeeigneten Museumssitz in der Brüderstraße verlassen zu können. Prof. Fritz Böckelmann und Dr. med. Gerhard Budde bauten die Ausstellung in acht Räumen auf zwei Etagen auf und schufen die Abteilungen Vorgeschichte, Abteigeschichte, Kunst und Kunstgewerbe, Handweberei, Stadtentwicklung, Biedermeierzimmer, altdeutsches und bäuerliches Zimmer.

Information

Die Gewinner

Drei mal gab es beim Rätselbild das Buch rad & tour zu gewinnen. Sie liegen zwei Wochen lang bereit in der Geschäftsstelle der NW, Lübberstraße 15-17. Die Gewinner sind Axel Trapp, Heike Temme und Hans-Jürgen Böger aus Herford

Herzlichen Glückwunsch!

Das Museum nannte sich jetzt "Heimat-Museum". Etwa 40 Prozent der Sammlung konnten gezeigt werden. Der Rest wurde in Unterschränken und im Keller aufbewahrt. Seit November 1937 präsentierte der Verein neben der ständigen Ausstellung auch Sonderausstellungen. 1936 war dafür ein Anbau errichtet worden, der heute bis auf die Kellerdecke abgerissen ist. Dort steht heute die 2002 errichtete Glashalle, in dem das Café des HudL betrieben wird. Die Villa Schönfeld stand dem Herforder Verein für Heimatkunde ab dem 1. April 1940 zur Verfügung. 1941 - 1975 befand sich im Haus Unter den Linden das Gesundheitsamt, für das 1950 angebaut wurde. Der Gebäudeteil ist heute dunkelrot angestrichen.

1977 eröffnete das Seniorenzentrum für Menschen über 50, das im Laufe der Jahre zu einem Bürgerzentrum für alle weiterentwickelt wurde. Den heute geläufigen Namen HudL erhielt es nach der Sanierung und dem Umbau 2001.

Die einzelnen Baustadien des heutigen Gebäudes sind im Treppenhaus des HudLs mit fotogenen Modellen dargestellt."

Gisela de Pagter: "1974 zog ich vom Niederrhein nach Herford. Ich war gebeten worden, mich beim Gesundheitsamt bezüglich Wiederaufnahme in den Beamtenstatus untersuchen zu lassen. Das war erforderlich, da ich, um das Diplom in Pädagogik und gleichzeitig die Lehrbefähigung für Realschulen zu erwerben, meinen Dienst kündigen musste.

Damals wurden die Fächer Englisch und Erdkunde an allen drei Realschulen gesucht. Herrmann Husung, selbst vormals Volksschullehrer, war an Kollegen mit ähnlicher Ausbildung sehr interessiert und setzte sich umgehend für mich ein. Diese Kollegen waren überall, in allen Notfällen, einsetzbar und Schulleiter Husung griff bei jeder Gelegenheit zu.

Also hatte ich mich beim Gesundheitsamt, vormals Heimatmuseum vorzustellen. Ich erinnere mich an ein hölzernes Treppenhaus, Holzdielen, über die man knarrenden Schrittes zu den Ärzten zu gehen hatte. Doch auf welcher Papierqualität wurde damals das Gesundheitszeugnis per Schreibmaschine ausgestellt? Heute ist es vollends vergilbt, braun, gerade noch lesbar, und für evt. Fälle müsste ich in die Borriesstraße ( Kreishaus) gehen, um ein einwandfreies, neues Exemplar zu erwerben.

Aus dem einstigen Heimatmuseum ist noch unter Bürgermeister Gabriel auf einstimmigen Beschluss aller Anwesenden (ich war dabei) das Haus unter den Linden entstanden. Ich nahm vor geraumer Zeit dort Kontakt mit dem Strickkreis der AWO auf. Welch hübsche Dinge für Kleinkinder und andere wurden dort gearbeitet! Ob die fleißigen Strickerinnen Interesse hätten, mit den kleinen Kunstwerken notleidenden Müttern und deren Kindern in Rumänien zu helfen, fragte ich. Das Echo war positiv, und ich konnte der Gesellschaft "Thun hilft Rumänien" ein zwei Kilo Paket mit Stricksachen in die Schweiz schicken, das man baldigst dankbar mit auf die Reise nahm."

Klaus Nowitzki: "Als Lehrling der Firma Landwehrjohann habe ich etwa 1961 die Elektroinstallation für ein neues Röntgengerät im damaligen Gesundheitsamt durchgeführt. Mangels entsprechendem Leitungsmaterial haben wir uns die Leitung (42 Adern, 220 Volt) selbst erstellt."

Anschließend noch ein Leserbrief zum Rätsel um den Stuckenberg:Der Name des Stuckenbergs (Mittwochsrätsel vom 5. Oktober) rief NW-Leser Gerd Sievers auf den Plan. Er weist darauf hin, dass es nicht zutreffe, dass die Bezeichnung auf den früheren Frauenarzt Dr. Stucke zurückzuführen sei. "Einen Frauenarzt Dr. Stucke hat es zwischen 1911, als die Walderholungsstätte von der Stadt Herford auf Initiative ihres damaligen zweiten Bürgermeisters Dr. Walter Hess errichtet wurde, und 1946, als das Waldjugendheim eröffnet wurde, nicht gegeben", schreibt Gerd Sievers und bezieht sich auf den ehemaligen Museumsleiter und Stadtarchivar Dr. Rainer Pape. Der hatte sich 1993 mit dem Thema beschäftigt und festgehalten, dass der Stuckenberg schon 1457 als "Stukenberg" und 1670 als "Stuckenberg" erwähnt worden war.

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