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Guter Dinge: Doris Bartelheimer und Karl-Wilhelm Vogt freuen sich, dass die junge Linder nahe der Charlottenburg gut angeschlagen ist. - © Andreas Sundermeier
Guter Dinge: Doris Bartelheimer und Karl-Wilhelm Vogt freuen sich, dass die junge Linder nahe der Charlottenburg gut angeschlagen ist. | © Andreas Sundermeier

Spenge 400 Jahre alte Linde an der Spenger Werburg lebt weiter

Schon 2003 war klar, dass die Linde am Torhaus der Spenger Werburg nicht mehr lange leben würde. Baumfachmann Karl-Wilhelm Vogt hatte die Idee, ihr Vermächtnis zu erhalten

Andreas Sundermeier
09.07.2019 | Stand 08.07.2019, 19:53 Uhr

Spenge. Bis 2003 war die Linde am Torhaus der Spenger Werburg ein amtlich anerkanntes Naturdenkmal. Dann fiel der Brandkrustenpilz massiv über sie her. Doris Bartelheimer vom städtischen Umweltmanagement ahnte schon lange, dass die Tage der Linde gezählt sind. Schon vor vier Jahren sagte sie: „Natürlich werden wir versuchen, sie zu erhalten." Doch sorgten Verkehrssicherungsgründe dafür, dass sie stets stark zurück geschnitten werden musste. Denn schließlich lasten Regen und Schnee schwer auf ihren großen Blättern und lassen Äste brechen. Eine junge Linde wurde bereits in unmittelbarer Nähe 2015 am Torhaus gepflanzt; sie steht für die Tradition. Zwei weitere sind jetzt dazu gekommen. Sie stehen am Eingang zur Regenbogen-Gesamtschule und im Garten des Jugend- und Kulturzentrums Charlottenburg. Sie verkörpern damit die Zukunft. "Und alle kommen aus einem alten Baum", erklärt Baumschulinhaber Karl-Wilhelm Vogt. "Ein Lindenbaum kann" erläuterte der Fachmann, "im Jahr 50 bis 70 Zentimeter wachsen, wenn er denn gut verwurzelt ist, auf guter Erde steht und einen optimalen Standort hat." Junge wilde Sommerlinden werden veredelt Die Linden sind die legitimen Nachkommen der Torhaus-Linde. Zumindest zu einem bedeutenden Teil. Als die alte Linde langsam zu sterben drohte, war es nicht mehr möglich, ihren Samen zu säen. Vogt hatte 2013 die rettende Idee, schnitt ein paar Triebe ab und veredelte damit junge wilde Sommerlinden. Die sind gut angegangen. Und sie haben wohl alle eine prächtige Zukunft vor sich; wenn sie denn gut gepflegt und gewässert werden. "Linden könnten bis zu 800 Jahre als werden", sagt Vogt. Aber das auch nur, wenn sie genügend Wasser bekämen. Anders als Eichen wurzeln sie nicht so tief, sondern eher herzförmig, erklärt Doris Bartelheimer. Vom Vorschlag, den beiden Linden in der Umgebung von Schule und Jugendzentrum mit jungen Menschen Paten zur Seite zu stellen, war sie begeistert. Die alte Linden wurde 1596 gepflanzt Die alte Linde an der Werburg - ihr Alter wird auf 400 Jahre und mehr geschätzt - soll damit in ihren Nachkommen überleben. Ludwig Seippel, Historiker aus Passion, erklärte schon vor Jahren, dass die alte und mittlerweile fast hohle Linde schon im Jahr 1596 gepflanzt worden ist. „Ein Sachverständiger ist in den 1960er Jahren zu diesem Schluss gekommen", berichtet er. Und: „Wenn man sich mit alten Bäumen in Deutschland befasst, stellt man fest, dass es nicht unbedingt Eichen sind, die mehrere hundert Jahre alt werden. Linden können ein noch höheres Alter erreichen."

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