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Die Nordbahn in Gohfeld ist eine der wichtigen europäischen Eisenbahn-Magistralen zwischen West und Ost. Der Lärmschutz im Norden der Trasse endet bisher auf Höhe der ehemaligen Schuhfabrik an der Ringstraße in Melbergen. - © Ulf Hanke
Die Nordbahn in Gohfeld ist eine der wichtigen europäischen Eisenbahn-Magistralen zwischen West und Ost. Der Lärmschutz im Norden der Trasse endet bisher auf Höhe der ehemaligen Schuhfabrik an der Ringstraße in Melbergen. | © Ulf Hanke

Löhne ICE-Trasse: Bahn prüft zusätzliche Gleise durch Löhne

Während die Stadträte in den Nachbargemeinden längst Position beziehen, hält sich die Eisenbahnerstadt Löhne bedeckt. Erst soll der Projektleiter im Stadtrat sprechen.

Ulf Hanke
15.03.2021 | Stand 13.03.2021, 14:38 Uhr

Löhne. Die Deutsche Bahn hat am 1. März mit der Suche nach einer neuen Hochgeschwindigkeitstrasse quer durch Ostwestfalen-Lippe begonnen und fängt bei ihren eigenen Gleisen an. Gutachter im Auftrag der Bahn-Projekts „Hannover-Bielefeld“ nehmen das Gleis der Nordbahn in Löhne unter die Lupe. Das hat Projektleiter Carsten Müller in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur angekündigt. Auf dem Stadtgebiet könnte das den Bau zweier zusätzlicher Gleise bedeuten.

Allerdings ist dafür nicht überall auch Platz. In Teilen von Melbergen und im Osten Gohfelds wird die Eisenbahntrasse zu beiden Seiten abschnittsweise von Wohnbebauung und Privatgrundstücken eingeengt. An der Flagenstraße hat die Stadt Löhne beispielsweise erst vor wenigen Jahren Land von der Bahn für den Bau einer Brücke für den Radschnellweg RS3 erworben.

Die Eisenbahnbrücke an der Rüscherstraße in Gohfeld ist eine ewige Baustelle. - © Ulf Hanke
Die Eisenbahnbrücke an der Rüscherstraße in Gohfeld ist eine ewige Baustelle. | © Ulf Hanke

Tief im Westen Gohfelds ist dagegen mehr Platz für Gestaltung. Der Bahnhof „Löhne (Westf)“ gilt schon seit seiner Erbauung als überdimensioniert und das Gelände des ehemaligen Verschiebebahnhofs in Löhne-Ort ist eine Brachfläche, die von außen nur über befahrene Gleise (Hamm-Minden oder Osnabrück-Hannover) zu erreichen sind. Für Gewerbe ist die Brache nicht nutzbar und für ein Solarkraftwerk wäre die Fläche „eigentlich zu schade“, wie der Löhner Bürgermeister Bernd Poggemöller im Gespräch mit nw.de sagt.

Das spricht gegen den Ausbau der Nordbahn

Ob die Bahnbrache für den Ausbau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke gebraucht wird, ist unklar. Auch das sollen die Gutachter im Auftrag des Projektteams herausfinden. Bis zum Spätsommer werden erste Erkenntnisse erwartet. Vermutlich werden die Gutachter einige Hindernisse entlang der Nordbahn entdecken, die dem Ausbau im Weg stehen könnten.

Ortskundige sehen schon jetzt einige Schwierigkeiten für zusätzliche Gleise auf den etwa acht Kilometern Schienenweg durch Löhne. Neben Engstellen an Wohnbebauung sind das vor allem die Brücken und die Lärmschutzwände, die bereits in den nächsten Jahren neu gebaut werden. Die Baustellen sind von langer Hand vorbereitet. Die Eisenbahnbrücken an der Rüscherstraße und an der Bünder Straße in Löhne-Ort müssen ersetzt werden. Auch am Übergang Quellental nagt der Zahn der Zeit. In den vergangenen Jahren sind zudem immer wieder Lastwagen gegen die Brücke gefahren.

Im Januar 2022 beginnt die Bahn damit, eine drei Meter hohe Lärmschutzwand zwischen der Grenze zu Bad Oeynhausen und dem Kohlenhof Gohfeld nördlich der Nordbahn aufzubauen. Der Süden folgt zwei Jahre später, also erst 2024. Dieser rund acht Millionen Euro teure Schallschutz wird die Strecke zusätzlich einrahmen.

Lärmschutz und Brücken werden gebaut

Auch deshalb fragt der Löhner Bürgermeister: „Ist da überhaupt noch Platz für zwei Gleise zusätzlich?“ Der Pressesprecher des Großprojekts „Hannover-Bielefeld“, Peter Mantik sagt dazu: „Wir werden frühestens in zwei Jahren Streckenvarianten präsentieren können.“ Bis jedoch eine Entscheidung für Aus- oder Neubau der Trasse entlang der Nordbahn oder ganz woanders fällt, sind Lärmschutz und Brücken längst gebaut. Die Bahn, betont Pressesprecher Mantik, steige „mit einem weißen Blatt Papier“ in die Planungen ein.

Derzeit wissen die Planer nicht einmal genau, wie viele Züge eigentlich zwischen den Bahnhöfen Löhne und Bad Oeynhausen täglich über die Gleise rollen und mit welchen Kapazitäten im Gleis sie auf der Strecke Bielefeld-Hannover planen müssen. „Das ist komplizierter, als es sich anhört“, sagt Mantik.

Durch Löhne rollt so einiges. Nicht umsonst hat Erich Maria Remarque der Stadt und ihrem Bahnhof in dem Roman „Im Westen nichts Neues“ mit einer Wehrsportübung namens „Löhne umsteigen!“ ein literarisches Denkmal gesetzt.

Einladung an den Projektleiter

Der Löhner Bürgermeister richtet den Blick nach vorn. Das Großprojekt zwischen Bielefeld und Hannover erinnere ihn unweigerlich an das Großprojekt „Stuttgart 21“, sagt Poggemöller: „Und dennoch: Schienenwege sind wichtig.“ Ist der Ausbau gut oder schlecht für Löhne? Da will sich Poggemöller noch nicht festlegen. „Ich will erst wissen: Was bedeutet das für uns?“ Welches Potential könne Löhne als ehemaliger Verkehrsknotenpunkt aus dem Projekt ziehen?

Der Stadtrat hat sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt: Bei einem "flächenschonenden Ausbau" sollen die Belange der Menschen in Löhne berücksichtigt werden. Ein Vertreter der Bahn soll vorm Stadtrat sprechen. Der Bürgermeister hat den Projektleiter Carsten Müller eingeladen. Vergangene Woche hat Müller bereits bei einer Kritikerin der Großprojekts, der Bürgermeisterin von Porta Westfalica, Sonja Gerlach (CDU), vorgesprochen und auch Poggemöller bereits sein Kommen zugesichert.

Wo der Bürgermeister chattet

Der Löhner Bürgermeister sieht aber auch Chancen des Projekts, für den Nahverkehr und einen möglichen neuen alten Haltepunkt am Gohfelder Bahnhof. Diese Chancen dürften steigen, wenn die Nordbahn entlastet wird, also die Trasse woanders gebaut wird. Bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „Hannover-Minden“ hat Poggemöller als einer von fast 3.000 Teilnehmern im Internetchat fleißig Fragen gestellt. Bisher ohne Antworten.

Das soll sich in den nächsten Tagen ändern, kündigt Bahnsprecher Mantik an. Noch vor der zweiten, allerdings nichtöffentlichen Veranstaltung, dem sogenannten „Planungsplenum“ mit den Kommunen, Bürgerinitiativen und Interessenverbänden, sollen Hunderte Fragen aus dem Auftakt-Chat auf den Internetseiten des Projekts beantwortet werden.

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