Über Löhne erfährt man bei Wikipedia erstaunlich viel. - © Felix Eisele
Über Löhne erfährt man bei Wikipedia erstaunlich viel. | © Felix Eisele

Löhne Wikipedia in Löhne

Das Online-Lexikon Wikipedia feiert 15. Geburtstag

Felix Eisele

Löhne. Ob Wikipedia-Gründer Jimmy Wales schon einmal in Löhne war, ist nicht verbürgt. Zumindest aber könnte sich der Internetpionier in seiner Enzyklopädie umfassend über die Werrestadt informieren: Seit das Online-Lexikon im Jahr 2001 an den Start ging, hat sich der einst dürftige Eintrag über Löhne zu einem umfangreichen Artikel mit vielseitigen Informationen entwickelt. Zum 15. Geburtstag von Wikipedia sagt die Neue Westfälische „Herzlichen Glückwunsch" – und blickt zurück auf die Geschichte eines besonderen Artikels. „Löhne ist eine Stadt im Nordosten des Kreises Herford in Nordrhein-Westfalen. Sie grenzt im Süden an Vlotho, Herford und Hiddenhausen, im Westen an Kirchlengern sowie im Norden an Hüllhorst und im Osten an Bad Oeynhausen (beide Kreis Minden-Lübbecke). Die Stadt hat den Status einer Mittleren kreisangehörigen Stadt" – es war am 2. August 2003, als die deutschsprachige Wikipedia mit diesen drei Sätzen über Löhne bereichert wurde. Ein Nutzer namens „Tebdi" hatte die knappen Informationen freigegeben, bevor er den neuen Eintrag um die einzelnen Stadtteile, einen Verweis auf die Werre, die Sitzverteilung im Stadtrat und Partnerstädte erweiterte. Nach und nach wurde den Informationen die nötige Struktur gegeben und die Basisdaten in einer Tabelle zusammengefasst. Insbesondere die Nutzer „Intertorsten" und „Hhdw" investierten dabei viel Zeit und Mühe. Wenige Monate nach Eröffnung der Löhne-Seite fügte „Tebdi" erste Fotos vom Bahnhof und der Ulenburg hinzu. Auch das Stadtwappen fand in dieser Zeit den Weg in die Wikipedia, wurde jedoch nach wenigen Tagen wieder entfernt – wegen „ungeklärtem Copyright", wie „Intertorsten damals erklärte. In der Folge entwickelte sich ein virtueller Streit: „TGlimm" fügte das Wappen einige Male hinzu, „Tebdi" entfernte es stets umgehend. Erst 2006 gab die Stadt ihre Einwilligung zur Nutzung des Wappens. Etwa zur gleichen Zeit zeigte sich am Beispiel Löhnes, dass die Möglichkeit zur freien Bearbeitung von Artikeln auch Schattenseiten birgt. Örtliche Rivalitäten wurden auf der Wikipedia-Seite ausgetragen: Gohfeld wurde zu „G-Town", Ostscheid als eigenständiger Ortsteil eingeführt. Der Nutzer „Peasmaker" erhob Mennighüffen zum „besten Ort" in Löhne und erklärte: „Gohfeld hingegen ist doof. Die können gar nichts." Lange zu lesen war dieser Absatz aber nicht: Der Nutzer „Geierkrächz" machte die Änderung mit dem Verweis, sie sei „keine Verbesserung des Artikels" wieder rückgängig. Das gleiche Schicksal ereilte den Eintrag „Löhne ist soooooooooooo toll! Gut, die Innenstadt jetzt nicht gerade, aber es gibt in der Umgebung ja noch viele andere Städtchen." Weit weniger liebevoll agierte ein Wikipedianer, als er die Löhner Mundarten im Jahr 2010 um den Begriff „Kanakendeutsch" erweiterte und gegen ausländische Mitbürger wetterte. Ein weiterer machte die „Weltstadt der Küchen" kurzzeitig zur „Weltstadt der Bordelle". Aufmerksame Wächter, darunter auch Seitengründer „Tebdi" brachten aber alles wieder ins Lot. Und doch hätte die Geschichte des Wikipedia-Artikels beinahe ein jähes Ende gefunden, als ein unbekannter User im August 2009 den kompletten Inhalt der Seite löschte. Nachdem der Artikel mühsam wieder hergestellt worden war, schlug der gleiche Nutzer nochmals zu, verlegte Löhne nach Bayern und den Regierungsbezirk nach Kirchlengern, bevor er sich endgültig aus dem Online-Lexikon verabschiedete. Viele weitere Nutzer, allen voran „CKomnik", AHoltmann", „Gönner" und der noch heute aktive „Aegy", bereicherten den Artikel fortan um stetige Aktualisierungen und informative Kapitel zu Bauwerken, Denkmälern und Löhner Persönlichkeiten. Neben der Rürupsmühle, dem Heimatmuseum oder der Werretalhalle hielten auf diese Weise auch Menschen wie Johannes Kuhlo, Adolf Blomeyer oder Lena Goeßling Einzug in die Wikipedia. Bis heute wuchs die Zahl Prominenten auf immerhin 26 an. An seinem fünften Geburtstag zählte der Artikel bereits zwölf DIN-A4-Seiten – auch weil mittlerweile immer mehr Löhner ihre Erkenntnisse über die Ortsgeschichte beisteuerten. Wie etwa „Ratziputz", der im April 2007 einen beachtlich umfangreichen Beitrag über die Zeit vom 12. Jahrhundert bis zur Machtergreifung der Nazis verfasste. Mittlerweile sind die drei Sätze vom 2. August 2003 auf stolze 20 DIN-A4-Seiten angewachsen. Unzählige Nutzer haben den digitalen Lexikon-Eintrag in insgesamt rund 1.000 Änderungen stetig um Zahlen, Fakten, Fotos, Einschätzungen und Anekdoten ergänzt. Und auch darüber hinaus sind im Laufe der Jahre etliche Artikel zu heimischen Persönlichkeiten, Bauwerken, und anderen Löhner Bezügen in die Wikipedia aufgenommen worden. Sie alle wurden im Löhne-Artikel.

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