Im Rathaus: Jörg Luttmann, Leiter des Amtes für Ordnung, erläutert einige Zahlen zur aktuellen Situation der Geflüchteten in der Gemeinde Hiddenhausen. Zwar gebe es nach wie vor vereinzelt Konflikte, doch die positive Resonanz überwiege. - © Mareike Gröneweg
Im Rathaus: Jörg Luttmann, Leiter des Amtes für Ordnung, erläutert einige Zahlen zur aktuellen Situation der Geflüchteten in der Gemeinde Hiddenhausen. Zwar gebe es nach wie vor vereinzelt Konflikte, doch die positive Resonanz überwiege. | © Mareike Gröneweg

Hiddenhausen Weniger Geflüchtete und ein positives Feedback zur Flüchtlingsarbeit

Das Ordnungsamt legt die aktuelle Situation von Geflüchteten in Hiddenhausen offen. Derzeit leben dort 185 Menschen in Flüchtlingsunterkünften

Mareike Gröneweg

Hiddenhausen. Die Situation geflüchteter Menschen in Hiddenhausen in Zahlen und Fakten zu verpacken, ist schwierig. Schließlich ist die Definition, wann ein Mensch ein Geflüchteter ist und wann nicht mehr, nicht trennscharf. Jörg Luttmann, Leiter des Amtes für Ordnung in Hiddenhausen, hat es dennoch versucht und findet, dass die Situation sich im Allgemeinen entspannt hat und die Gemeinde viel positives Feedback in Sachen Flüchtlingsarbeit erhält. Für Hiddenhausen, so Luttmann, werden Menschen als Geflüchtete deklariert, wenn sie in entsprechenden Unterkünften leben. Das Problem: "Was sehr kleine und sehr große Wohnungen anbelangt, haben wir einen Wohnungsmangel. Es ist für Geflüchtete sehr schwer, einen Mietvertrag zu bekommen", sagt Luttmann. In den insgesamt 17 Gemeinschaftsunterkünften, den 14 angemieteten Wohnungen und den befristet angemieteten Objekten stellt die Stadt den Geflüchteten insgesamt 323 Betten zur Verfügung. Davon sind laut Luttmann derzeit 185 belegt. Mittlerweile konnte die Gemeinde den Bestand der Mietwohnungen für Geflüchtete um 29 Wohnungen reduzieren. "Entweder, weil die Personen wieder ausgereist sind, oder weil die Familien in größere Wohnungen umgezogen sind", weiß Luttmann. Nachbarschaftskonflikte und Streit in den Unterkünften gebe es vergleichsweise wenig. Im Gegenteil: Es gebe sehr viele positive Entwicklungen im Zusammenleben zwischen Hiddenhausenern und Geflüchteten. "Ob Kindergeburtstage oder beim Rasenmähen aushelfen, wenn der Nachbar im Urlaub ist - da gibt es viele nachbarschaftliche Kooperationen zwischen Hiddenhausern und Geflüchteten", berichtet Luttmann. Er führt als Grund für das geringe Konfliktpotenzial in den Unterkünften auch an, dass jede Familie eine Wohnung, beziehungsweise jeder Flüchtling ein Zimmer erhält. "So soll ein gewisser Grad an Privatsphäre entstehen", berichtet Luttmann. Lage hat sich beruhigt Im Vergleich zur Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 habe sich die Situation beruhigt, sie sei gut zu bewältigen. Derzeit sei vor allem die Frage nach einem Familiennachzug ein Anliegen, das viele Geflüchtete in Hiddenhausen beschäftigt. Für Hiddenhausen werde mit einem Familiennachzug von 54 Personen gerechnet. Sogenannte Abschiebungen oder Rückführungen habe es in Hiddenhausen kaum gegeben, die Zahl sei geringfügig: "In den vergangenen drei Jahren hat das fünf Personen betroffen." Im gleichen Zeitraum seien jedoch 51 freiwillig ausgereist: 32 Personen sind laut Luttmann nach Serbien zurückgekehrt, einige auch nach Albanien, in den Kosovo oder den Irak. Auch in Sachen Bildung zieht die Gemeinde Hiddenhausen Bilanz. Alle Kinder besuchen, so Luttmann, eine Schule oder einen Kindergarten - nur in drei Fällen wurde der angebotene Kindergartenplatz nicht angenommen. Insgesamt gebe es 36 Kinder und Jugendliche aus geflüchteten Familien in Hiddenhausen. Auch die Flüchtlingsberatung des Ordnungsamtes verzeichne eine steigende Nachfrage an Geflüchteten im Arbeitsmarkt: Zwölf absolvieren derzeit eine Ausbildung, 25 gehen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach und einer befindet sich im Einstiegsqualifizierungsjahr für eine Ausbildung. "Die Zahlen, die es zur Kinderbetreuung und zu den Arbeitsverhältnissen gibt, beziehen sich auf Geflüchtete im laufenden Asylverfahren und auf abgelehnte Asylbewerber. Die Gruppe der anerkannten Flüchtlinge ist hier nicht erfasst", ergänzt Luttmann. Die Gemeinde hat zudem Zahlen offen gelegt, wie die Geflüchteten sich auf die einzelnen Ortsteile aufteilen. "Dabei sind jedoch nur die Menschen berücksichtigt, die von der Gemeinde untergebracht werden und nicht diejenigen, die in eigenen Mietverhältnissen leben", betont Luttmann. 63 Geflüchtete leben demnach in Schweicheln, 34 in Hiddenhausen, 31 in Oetinghausen, 19 in Eilshausen, 28 in Lippinghausen und zehn in Sundern. Für die Zukunft hofft Luttmann, mit seinem Team die Arbeit mit geflüchteten Frauen intensivieren zu können, da diese "oft untergehen". Zufrieden ist er mit der Entwicklung des Café Miteinander, in dem unter anderem ein Kurs für Verhütung für Frauen stattfindet, der sich an geflüchtete Frauen richtet und von dem Diakonischen Werk angeboten wird.

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