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Das Löschfahrzeug von 1993 wird inklusive technischer Hilfsausstattung in die Ukraine gefahren. Olaf Horn (v. l.), Thorsten Sickmann (Feuerwehr), Bürgermeister Tim Kähler, Axel Freitag (Feuerwehr) und Christoph Büker (Firma Carl Henke). - © Susanne Barth
Das Löschfahrzeug von 1993 wird inklusive technischer Hilfsausstattung in die Ukraine gefahren. Olaf Horn (v. l.), Thorsten Sickmann (Feuerwehr), Bürgermeister Tim Kähler, Axel Freitag (Feuerwehr) und Christoph Büker (Firma Carl Henke). | © Susanne Barth

Herford Fahrt Richtung Kriegsgebiet: Feuerwehr spendet Fahrzeug für die Ukraine

Ein Konvoi von sechs Fahrzeugen macht sich nächste Woche auf den Weg Richtung Kriegsgebiet. An der polnisch-ukrainischen Grenze übernehmen Kameraden die dringend benötigten Wagen.

Susanne Barth
30.04.2022 , 17:00 Uhr

Herford. Fast 30 Jahre lang war das Feuerwehrauto ein treuer Begleiter der Löschgruppe Schwarzenmoor. Ob zu Kellerbränden, Verkehrsunfällen oder nach Sturm und Hochwasser: Zahlreiche Einsätze sind die Kameraden damit gefahren. Bis das Fahrzeug 2019 aufgrund einer Neuanschaffung (HLF 20) seinen aktiven Dienst beendet hat, aber weiterhin als Reserve- und Ausbildungsfahrzeug genutzt wurde. 30.292 Kilometer hat das Löschfahrzeug auf dem Tacho - 1.200 weitere kommen in der nächsten Woche hinzu. Denn die Feuerwehr Herford spendet das Fahrzeug den Ukrainern.

Die ukrainische Feuerwehr benötige dringend Unterstützung. Im Krieg sind etliche Wagen mitsamt wertvollem Equipment zerstört worden. "Eure Fahrzeuge retten das Leben unserer Bürger", sagt Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Er steht im engen Austausch mit dem ehemaligen Europa-Abgeordneten Elmar Brok. Dieser initiierte die Hilfsaktion und schaffte ein Helfernetzwerk, das Spenden aktiviert. Mit dabei ist das Bielefelder Brandschutzunternehmen Carl Henkel, das den Hilfskonvoi ins Kriegsgebiet zum nunmehr vierten Mal organisiert.

Feuerwehrmann der Hauptamtlichen Wache fährt das Fahrzeug

Diesmal ist auch das Fahrzeug aus Herford dabei. Den Löschwagen mitsamt den hydraulischen Rettungsgeräten Schere und Spreizer, mit denen verschüttete oder eingeklemmte Personen befreit werden können, Hebekissen sowie Verbandmaterial und Einweghandschuhe, fährt ein Feuerwehrmann der Hauptamtlichen Wache persönlich an die polnisch-ukrainische Grenze. "Er hat sich freiwillig dazu bereit erklärt", sagt Kollege Olaf Horn. Für diesen Einsatz bekomme er selbstverständlich Sonderurlaub, bekräftigt Bürgermeister Tim Kähler beim Pressetermin. Schließlich dürfe dieses Engagement nicht zu Lasten seiner Freizeit gehen.

Der Feuerwehrmann stammt ursprünglich aus der Ukraine, kennt das Fahrzeug und kann somit die heimischen Helfer vor Ort nicht nur sprachlich unterstützen, sondern auch die Kollegen an der Grenze ins Fahrzeug einweisen. Der Wagen wurde 1993 für die Löschgruppe Schwarzenmoor neu angeschafft und sei "top in Schuss". Axel Freitag: "Die Kameraden haben das Fahrzeug sehr gut gepflegt."

Wagen hätte bei Versteigerung noch mehr als 10.000 Euro erbracht

Positiv sei zudem, dass die älteren Löschfahrzeuge noch händisch repariert werden können. 1.200 Liter Wasser fasst der Wagen, der in diesem Jahr als Reserve- und Ausbildungsfahrzeug der Herforder Feuerwehr ausgedient hat. Wäre das Löschfahrzeug nicht in die Ukraine gespendet worden, wäre es bei einer öffentlichen Versteigerung unter den Hammer gekommen. Feuerwehrmann Thorsten Sickmann schätzt, dass der Wagen zwischen 10.000 und 12.000 Euro eingebracht hätte.

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Doch wichtiger sei die Solidarität und die Unterstützung der Ukraine, sagt Tim Kähler. "Die Hilfe muss passgenau dorthin, sie muss konkret sein. Und das hier ist ein gutes Beispiel."

Im Konvoi machen sich kommende Woche sechs Feuerwehrfahrzeuge - neben dem Herforder sind auch zwei aus Bielefeld dabei. Begleitet wird der Fahrzeugzug von Bullis, die die Fahrer dann wieder zurück nach Hause bringen. Für alle wird die Aktion ein Kraftakt. Schließlich sind die Fahrzeuge anders als Lastwagen nicht für solch lange Strecken ausgerichtet. Meist legen die Feuerwehrautos nur bis zu 15 Kilometer zurück. Jetzt sind es mehr als 1.000.

48 bis 60 Stunden lang, so schätzt Christoph Büker von der Firma Carl Henkel, dessen Chef den Konvoi persönlich begleitet, werden die Fahrer unterwegs sein. - Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. Lange verschnaufen ist nicht. Nach der Übergabe an Vertraute von Vitali Klitschko an der polnisch-ukrainischen Grenze geht es für die Helfer sofort wieder zurück.

Nicht nur die Fahrzeuge sind wichtig fürs Kriegsgebiet. Die Wagen sind daher auch voll gepackt mit Ausstattung für die technische Hilfe, Medikamenten und Hygienematerial. Büker: "Wir haben genau gefragt, was benötigt wird." Es ist nicht der erste Konvoi dieser Art. Im März und April sind bereits Medikamentenlieferungen im Wert von 36.000 Euro erfolgt, vor Ostern sind ebenfalls Fahrzeuge übergeben worden.

Gehören zum Hilfsnetzwerk

Elmar Brok, ehemaliger Europa-Abgeordneter, pflegt einen intensiven Austausch mit Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Dadurch ist das Hilfsnetzwerk entstanden. Die Aktion unterstützen das Bielefelder Brandschutzunternehmen Carl Henkel, das Evangelische Klinikum Bethel, PVM Testzentren sowie der Hilfsverein Help-up aus Oerlinghausen. Bei der Zulassung der Fahrzeuge hilft die Firma Kroschke. Wer den Konvoi finanziell unterstützen möchte, kann spenden. Weitere Informationen unter www.bethel.de.

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