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Die Steine des Wittekindsdenkmals beim Abbruch des „Gebirges“ vor der Neugestaltung 1959. Foto: Georg Heese (Kommunalarchiv) - © Georg Heese (Kommunalarchiv)
Die Steine des Wittekindsdenkmals beim Abbruch des „Gebirges“ vor der Neugestaltung 1959. Foto: Georg Heese (Kommunalarchiv) | © Georg Heese (Kommunalarchiv)

Mittwochrätsel Auflösung: Es sprudelte Wasser, leider kein Likör

Der Eickumer Bildhauer Wefing entwarf das Wittekind-Denkmal für den Wilhelmsplatz. Es wurde 1899 eingeweiht und 1942 zu Kriegszwecken eingeschmolzen. 1959 ließ es ein Denkmalverein neu erschaffen.

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
21.04.2021 | Stand 20.04.2021, 20:01 Uhr

Herford. Das Mittwochrätselfoto vom 14. April zeigte Arbeiten im Zuge der Rekonstruktion des Wittekinddenkmals auf dem Wilhelmsplatz im Jahr 1959.

Das Denkmal zeigt das sogenannte Quellwunder von Bergkirchen. Der Sage nach gab es im Wiehengebirge ein Treffen zwischen dem Sachsenherzog Widukind und Kaiser Karl dem Großen. Widukind bestand auf einem göttlichen Zeichen, bevor er sich unterwerfe und zum Christentum bekehren ließe. Sein Pferd soll dann mit den Hufen gescharrt und die Quelle gefunden haben. Entsprechend quoll am Herforder Wittekinddenkmal jahrzehntelang Wasser unter einem Huf von Wittekinds Pferd hervor. Als der Platz jetzt neu gestaltet wurde, hat man die Brunnenumfassung um das längst trocken gefallene Denkmal entfernt. Das ist auf Kritik gestoßen. Es handele sich ursprünglich um einen Brunnen und kein Reiterdenkmal.

Das Wittekinddenkmal hat bei der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes seine Brunneneinfassung verloren. Foto: KIEL-STEINKAMP - © FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Das Wittekinddenkmal hat bei der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes seine Brunneneinfassung verloren. Foto: KIEL-STEINKAMP | © FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Alexander Pörschkeschreibt: „Deutlich zu erkennen im Hintergrund sind die Petrikirche und das Berufskolleg."

Hans-Walter Arningweiß: „Das Bild zeigt den Wilhelmsplatz mit dem Bau des Sockels für den Wiederaufbau des Wittekinddenkmals im Jahr 1959. Das einzige in Deutschland befindliche Wittekinddenkmal wurde 1942 zu Kriegszwecken eingeschmolzen."

Wolfgang Brakmannirrt mit dem Namen, meint aber den richtigen Platz: „Es ist der Wittekindsplatz, der gesucht wird. Als kleiner Junge war es für mich immer ein schönes Ausflugsziel. Leider hat das Wittekinddenkmal an Wert verloren, das fließende Wasser fehlt."

Die Herforder Wittekind-Likörfabrik hatte den Sachsenherzog auf seinen Flaschenetiketten. - © Archiv Jürgen Wilhelm
Die Herforder Wittekind-Likörfabrik hatte den Sachsenherzog auf seinen Flaschenetiketten. | © Archiv Jürgen Wilhelm

Jürgen Wilhelm weiß, dass der Wilhelmsplatz nicht nach ihm benannt worden ist. Vor vierzig Jahren montierten aber seine Schützenbrüder ein Originalschild am Wilhelmsplatz ab und drückten es dem Bürgermeister Dr. Kurt Schober zum Überreichen an Wilhelm als scheidenden Präsidenten des „Leisen Abtrunks" in die Hand. Sie hatten vorher versprochen, ein neues Schild nachzureichen. Das alte Original wird bei Jürgen Wilhelm in Ehren gehalten. Er war auch Inhaber der früheren Herforder Wittekind-Likörfabrik und schreibt: „Die Steine gehören zu einem Herforder Wahrzeichen: dem Wittekinddenkmal. Geschaffen von dem aus Eickum stammenden Bildhauer Wefing, fand es seinen Platz am Wilhelmsplatz. Am 28. Juni 1899 war die feierliche Einweihung. Im zweiten Weltkrieg wurde die Reiterfigur am 25. Juni 1942 für Rüstungszwecke demontiert und das Kupfer eingeschmolzen. Mein Patenonkel, der Stadtamtmann Otto Schober, (er war auch der Onkel des früheren Bürgermeisters der Stadt Herford, Dr. Kurt Schober) leitete als Präsident den Stammtisch „Wittekind", der sich in der Gaststätte Föge am Alten Markt traf. Hier gründete man am 1. Februar 1956 den Wittekind-Denkmal-Verein. Die Initiative zog Kreise in der Herforder Bürgerschaft und es wurden eifrig Spenden gesammelt. 1959 hat Bildhauer Kruse das Denkmal neu geschaffen. Am 30. August 1959 wurde das neue Denkmal eingeweiht. Als letzter Inhaber der „Wittekind Likörfabrik" (1896 -2000) habe ich einen besonderen Bezug zum Wittekinddenkmal: Es war unsere eingetragene Schutzmarke und unser ,Wittekind-Wacholder‘ galt als Herforder Spezialität."

Hans-Jürgen Schletz: Das Original des Herforder Wittekindbrunnens wurde 1942 aus Kriegsgründen eingeschmolzen und 1959 vom Herforder Bildhauer Walter Kruse auf Grundlage der alten Vorlage neu gestaltet. Bei der Einweihungsfeier des Denkmals war ich als Schüler dabei. Im Hintergrund sieht man die Petrikirche und links das ehemalige alte Gebäude der früheren Landeszentralbank, Zweigstelle Herford der Deutschen Bundesbank. Hier habe ich während meiner Bankausbildung etliche Millionen DM über den Wilhelmsplatz getragen und bei der Landeszentralbank eingezahlt.

Klaus-Dieter Stork: Das Wittekinddenkmal erinnert an den großen Gegenspieler Karls des Großen. Der Sachsenherzog Wittekind leistete erbitterten Widerstand gegen die überlegenen Franken und ihren christlichen Glauben. Das Denkmal erinnert an das Quellwunder, die Bekehrung Wittekinds zum Christentum. Im Zweiten Weltkrieg wurde es 1942 als Metallspende für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. Auf Initiative eines Herforder Denkmalvereins gestaltete Walter Kruse es 1959 auf Grundlage der alten Vorlage neu. Das Pferd Wittekinds ist das Wappensymbol des Kreises Herford, dem Wittekindsland. Die Gebeine des Sachsenherzogs sollen in der Stiftskirche in Enger beigesetzt worden sein. Gegenwärtig ist das Denkmal Gegenstand einer Diskussion. Hat man doch im Rahmen der Neugestaltung des Wilhelmsplatzes den Brunnenrand um das Felsmassiv aus Quadersteinen, auf dem das Denkmal steht, entfernt. Somit sprudelt auch nicht mehr das Wasser unter dem rechten Huf des Rosses hervor, um als Wasserfall von dem Fels in das umgebende Becken zu stürzen.

Elke Förster: Dieses Denkmal hatte früher auch einen Bereich mit Wasser (in welchem manchmal leider auch unbesorgt weggeworfener Unrat zu finden war). Als ich damals mit meinem Übernachtungsbesuch, meiner Großnichte, (damals etwa 7 Jahre alt) einmal bei einem Spaziergang dort vorbei kam, durfte sie etwas am Wasser spielen, während ich auf einer Bank saß. Sie hatte dann von mir unbemerkt ihre zwei Liebesperlenflaschen dort mit Denkmal-Wasser gefüllt und in ihrem Kleidchen versteckt, später zu Hause angekommen ihrer jüngeren Schwester als „Geheimnis" gezeigt und danach haben die beiden „Kleinen" diese Flaschen als Andenken in ihrer „Schatztruhe" in Ihrem Zimmer aufbewahrt. Dies fiel erst auf, als ihrer Mutter mehrmals einzelne in den Kleidern klebende Liebesperlen fand und danach im Kinderzimmer ein unangenehmer „Duft" immer präsenter wurde. Diese Andenken wurden dementsprechend entsorgt, wogegen auch die Tränen der Kleinen wegen des Verlustes des Andenkens nicht halfen. Als kleinen Trost bekam die Kleine später eine Postkarte mit dem Wittekindsdenkmal darauf zugesendet.

Information

Die Gewinner

Drei Mal gab es beim Rätselbild eine historische Zeitungsseite per E-Mail zu gewinnen. Den Gewinn senden wir in den nächsten Tagen zu. Die Gewinner sind Elke Förster, Wolfgang Möller und Erwin Steffen. Herzlichen Glückwunsch!

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