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Kurz nach Mittag ist es auf der Uhr der "Adolf Ahlers Bekleidungswerke" in Elverdissen. - © Kommunalarchiv Herford
Kurz nach Mittag ist es auf der Uhr der "Adolf Ahlers Bekleidungswerke" in Elverdissen. | © Kommunalarchiv Herford

Mittwochrätsel Auflösung: Ahlers gab vielen Näherinnen ein Auskommen

Busse brachten die Mitarbeiterinnen aus den Dörfern zum Arbeitsplatz. Ein Großbrand in den 1970er Jahren im Elverdisser Werk vernichtete Bürogebäude. Aus den Steuereinnahmen wurde das Freibad der noch selbstständigen Gemeinde finanziert.

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
13.01.2021 | Stand 12.01.2021, 18:12 Uhr

Herford. Das Mittwochrätsel vom 6. Januar zeigte den Eingang zum Bekleidungswerk Ahlers an der Elverdisser Straße in Elverdissen.

Hans Dieter Grimm schreibt: „Ich bin 1943 in Elverdissen geboren und kenne dieses Foto genau. Es ist die Firma Adolf Ahlers. Bis zum Jahr 2000 hab ich in Elverdissen gewohnt und gearbeitet." Annegret Schemmann erinnert sich: „Ich habe dort 1959 meine Lehre als Näherin begonnen und war 51 Jahre für die Firma tätig. Es handelt sich um Ahlers. Eine schöne Erinnerung. Das Foto ist vor dem Brand entstanden."

„Oma Anni arbeitete in der Kantine"

Anni Kleiner war in den 1960er/70er Jahren in der Kantine von Ahlers beschäftigt, so dass ihr Name noch vielen Mitarbeitern ein Begriff sein dürfte. - © Archiv Ohlheide
Anni Kleiner war in den 1960er/70er Jahren in der Kantine von Ahlers beschäftigt, so dass ihr Name noch vielen Mitarbeitern ein Begriff sein dürfte. | © Archiv Ohlheide

Christoph Olheide hat erkannt: „Das Bild ist aus der Turmstraße heraus aufgenommen worden, rechts sieht man noch die zur Schmiede Scholz gehörende Mauer. Mit der Firma Ahlers, die sich mitten im Zentrum Elverdissens ausbreitet, verbinde ich seit frühester Kindheit Erinnerungen. Meine Oma Anni Kleiner war dort in den 1960er/70er Jahren in der Kantine beschäftigt, so dass ihr Name noch den damals dort Beschäftigten ein Begriff sein dürfte. Anfang der 70er gab es bei Ahlers einen großen Brand, dessen Bekämpfung eine größere Menschenmenge von der Straße aus live mitverfolgte. Dem Brand ist das auf dem Foto zu sehende Gebäude zum Opfer gefallen, anschließend wurde wieder aufgebaut, allerdings in veränderter Weise. Sechs Jahre lang führte mein Weg zum Kindergarten und später zur Grundschule direkt an der großen Fabrik vorbei. Gegenüber von Ahlers zum Sportplatz hin gab es einen kleinen Kiosk, der von einem älteren Herrn betrieben wurde. Dort kauften wir oft für zwei Groschen Tütchen mit Panini-Sammelbildern oder das neue Yps-Heft. Am südlichen Ende des Betriebsgeländes verlief als Verbindung zwischen Sandstraße und Elverdisser Straße, der sogenannte Heckenweg, ein nur etwas über einen Meter breiter Fußweg, auf dem es beim Befahren mit dem Rad aufgrund der Enge öfters zu kritischen Begegnungen mit Fußgängern kam. Heute ist der Weg nicht mehr vorhanden. Dort lag auch die ,Pommesbude‘ Jurkewitz. Es war eine große Freude, wenn unser Vater manchmal Bratwurst und Pommes von dort mitbrachte. Nicht zuletzt wegen der sehr einträglich sprudelnden Gewerbesteuern der Fa. Ahlers war die bis 1968 selbstständige Gemeinde Elverdissen in der Lage, ein für damalige Verhältnisse recht großzügiges Freibad zu bauen, das wir Kinder so oft wie möglich frequentierten."

Rita Frentrup schreibt: „Der Opa meines Mannes, Rudolf Heidbreder, war dort sein ganzes Arbeitsleben auf dem Büro beschäftigt und er fuhr jeden Morgen, ob Sommer oder Winter, mit dem Fahrrad von der Engerstraße bis Elverdissen mit dem Rad. Erst mit zunehmenden Alter ist er im Winter mit dem Bus ab Bahnhof gefahren. Meine Patentante, Inge Christoph, hat dort Näherin gelernt und viele Jahre dort gearbeitet. Da wir im selben Haus wohnten, hat sie für mich auch oft ein Kleid genäht und als ich ca. 10 Jahre alt war, war es ein grün-rotes mit Fischgrätmuster, grauenhaft für ein Mädchen in dem Alter! Später habe ich auch Näherin gelernt, aber nicht bei Ahlers, sondern bei der anderen Näherei in Elverdissen, Ewald Führhoff, Waldstraße."

Die Ansicht des Ahlers-Werkes hat sich geändert. Die Reste des Zauns stehen noch. - © FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP
Die Ansicht des Ahlers-Werkes hat sich geändert. Die Reste des Zauns stehen noch. | © FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Michael Stachowski schreibt: „Es ist das alte Portal der Firma Ahlers zu sehen. ,Adolf Ahlers – Bekleidungswerke‘ hat auf dem Schild gestanden, bevor Sie es bearbeitet haben."Erika Schlüter hat erkannt: „Ich bin 78 Jahre alt, in Elverdissen geboren und habe einen Teil meiner Kindheit dort verbracht. Ich habe natürlich auf den ersten Blick das alte Büro– und Fabrikationsgebäude der Firma Ahlers erkannt! Vorne links in dem kleinen Häuschen hatte der Pförtner sein Domizil.

"Niemand kam ohne Erlaubnis auf das Firmengelände"

Niemand kam ohne Erlaubnis auf das Firmengelände. Ich kann mich noch gut an die vielen Busse erinnern, die morgens die Näherinnen für die Bekleidungsfabrikation aus dem ländlichen Umland brachten und nach Feierabend wieder zurück auf ihre Dörfer. Kurz nach dem Krieg war in einigen Hallen ein Flüchtlingslager eingerichtet. Meine Familie war eng mit dem Arbeitgeber Ahlers verbunden: Mein Großvater half seinerzeit mit, den Betrieb aufzubauen, Maschinen zu installieren usw. Er hat noch viele Jahre dort sein Geld verdient. Meine Mutter wurde nach beendeter Schulzeit als Bürolehrling angestellt und war nach beendeter Ausbildung noch einige Zeit als kaufmännische Angestellte dort beschäftigt. Der Bruder meiner Mutter wurde nach bestandener Meisterprüfung als Nähmaschinen-Mechanikermeister angestellt. Die vielen Nähmaschinen mussten aufgestellt, gewartet und repariert werden. Meine Tochter hat nach ihrem Abitur dort die Lehre als Industriekauffrau absolviert und war danach einige Zeit Im Sekretariat beschäftigt. Mein Schwiegersohn war einige Jahre Geschäftsführer bei einer der Ahlers-Marken."

Klaus-Dieter Stork schreibt: „Im Juli 1932 eröffnete der am 24. April 1899 in Jever geborene Tuchgroßhändler Adolf Ahlers einen Nähbetrieb für Berufsbekleidung in dem seit 1924 leerstehenden Fabrikgebäude der ehemaligen Weberei Erwin Seidel in Elverdissen mit 70 Leuten, darunter viele alte ehemalige Seidel-Mitarbeiter. Da schon vorher drei Textilbetriebe an diesem Standort gescheitert waren, ließ sich Ahlers trotz Abraten durch Elverdisser Bürger von seinem Vorhaben nicht abhalten. Seine Devise war nicht ausschließlich Handeln mit Textilien, sonder auch selbst daraus Produkte herstellen. Bisher hatte er neben seinem seit 1919 bestehenden Tuchgroßhandel in Oldenburg i.O. lediglich in Warstein einen Nähbetrieb übernommen. Den Namen „Westfälisches Textilwerk" behielt er für seine neue Firma in Elverdissen zunächst bei, da dieser Schriftzug schon am Gebäude aus alter Zeit angebracht war. Eigene Werksomnibusse waren unterwegsEs erfolgte lediglich der Zusatz Adolf Ahlers. Die Firma expandierte enorm und erweiterte ihre Produktpalette auch durch Übernahme von anderen Bekleidungsherstellern. Mit eigenen Werksomnibussen wurden anfangs die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich aus der umliegenden Region zu ihrem Arbeitsplatz in Elverdissen herangeholt. Auch auf dem sozialen Sektor bot die Firma seinen Beschäftigten viel, wie Kinderkuren, Urlaubsfahrten, Kindergarten, Werksküche, Bücherei, Theaterring, Betriebsorchester, Sportgemeinschaft und Lehrwerkstatt, sowie auch Heimstättenbau. Anfang der 1970er Jahre ging dann die Beschäftigungszahl in der deutschen Textilindustrie wegen der Auslandskonkurrenz stark zurück. Viele Firmen verlegten ihre Produktionsstätten in sogenannte Billiglohnländer. Ein kleiner Trost erfolgte im Jahre 1970: Ahlers durfte die deutsche Fußballnationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in Mexiko mit dem ,kleinen Ausgehanzug‘ einkleiden. Zu allem Überfluss brach am 23. Juni 1973 in der Nacht ein Großbrand auf dem Elverdisser Fabrikgelände aus, der einen Schaden von über 10 Millionen DM verursachte. Es waren hauptsächlich Verwaltungsgebäude und Lager betroffen, so dass wenigstens der Betrieb nicht unterbrochen werden musste. Heute wird die Firma Ahlers von der Enkeltochter des Gründers, Dr. Stella Ahlers geführt und zählt mit ca. 2.000 Beschäftigten zu den marktführenden Bekleidungsherstellern in Europa."

Information

Gewinner

Drei Mal gab es beim Rätselbild eine historische Zeitungsseite per E-Mail zu gewinnen; diese senden wir in den nächsten Tagen zu. Die Gewinner sind Erika Schlüter, Hans Dieter Grimm u. Christoph Olheide.Herzlichen Glückwunsch!

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