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Einen Kreißsaal gibt es am Lukas-Krankenhaus nicht mehr. - © Gerald Dunkel
Einen Kreißsaal gibt es am Lukas-Krankenhaus nicht mehr. | © Gerald Dunkel

Bünde Warum Bünde keine Frauenklinik mehr hat

Seit nunmehr fast fünf Jahren gibt es im Bünder Lukas-Krankenhaus keine Geburtsstation mehr. Die Schließung hatte unter anderem wirtschaftliche Gründe

Madeline Hunfeld
10.06.2019 | Stand 10.06.2019, 14:35 Uhr

Bünde. Mittlerweile ist es fast fünf Jahre her, dass das letzte Kind in der Frauenklinik des Lukas-Krankenhauses zur Welt kam. Seit der Abteilungsschließung am 31. Oktober 2014 ist es Geschichte, dass Bünde als Geburtsort auf der Geburtsurkunde verzeichnet wird – es sei denn, es handelt sich um eine Hausgeburt. Heute müssen schwangere Frauen nach Herford, Lübbecke oder Melle fahren, wenn sie ihr Baby im Kreißsaal entbinden möchten. Erstmals bekannt gegeben wurde die Schließung im August 2014. Die Nachricht, dass von nun an keine Babys mehr im Lukas-Krankenhaus auf die Welt gebracht werden, wurde von vielen Frauen und auch Männern mit Bestürzung und Trauer aufgenommen. Mit dem Schritt endete eine fast 125-jährige Tradition in Bünde – die Frauenklinik war seit Gründung des Lukas-Krankenhauses Teil des Hospitals gewesen. Hauptgrund waren zu wenige Geburten Rückläufige Geburtenzahlen seien ein Hauptgrund gewesen, weshalb eine Weiterführung keine Möglichkeit mehr darstelle, erklärten Stefan Kerst und Hans-Ulrich Sorgenfrei vom Lukas-Krankenhaus damals. Denn während in den 1980er Jahren noch bis zu 900 Babys pro Jahr zur Welt kamen, waren es 2013 nur noch knapp über 300. Um die Kosten der Geburtshilfe decken zu können, wären allerdings mehr als doppelt so viele Geburten nötig gewesen. So kamen durch die Geburtsabteilung jährliche Einbußen in Millionenhöhe zustande. „Diese Geldmengen durch Erlöse anderer Fachbereiche auszugleichen, ist auf Dauer keine rentable Lösung", betonte Sorgenfrei im August 2014. Der ausschlaggebende Grund zur Schließung war laut Sorgenfrei jedoch die NRW-Politik. Der Krankenhausplan des Landes sah nämlich vor, im gesamten Kreis Herford im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe circa 40 Betten abzubauen. So kam die politische Regierung zu dem Schluss, dass die beiden Frauenkliniken in Herford (Kreisklinikum und Mathilden-Hospital) künftig ausreichend für den Kreis seien. Eine Weiterführung der Bünder Geburtsklinik war demnach nicht mehr möglich. „Im Endeffekt ist es also nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine politische Entscheidung, die Frauenklinik zu schließen", sagte Sorgenfrei. Schließung wurde zwei Monate vorgezogen Ursprünglich war die Schließung für Jahresende 2014 geplant, doch der Termin wurde aufgrund eines Ärzte-Mangels um zwei Monate vorgezogen. Wie Stefan Kerst damals erklärte, seien nicht mehr genügend Fachkräfte vor Ort gewesen, um eine Rundum-Versorgung garantieren zu können. „Wir bedauern die jüngsten Entwicklungen, aber sind zu dem Schritt gezwungen", hieß es in einem Pressegespräch. Da schwangere Frauen aus dem Stadtgebiet seither nicht mehr in Bünde entbinden können, müssen sie auf umliegende Krankenhäuser ausweichen. Zahlreiche Frauen nutzen nun die Kliniken in Herford oder Lübbecke, wo die Geburtenzahlen kontinuierlich ansteigen. Einige Paare entscheiden sich auch für eine Fahrt ins benachbarte Niedersachsen: Im Niels-Stensen-Klinikum in Melle ist die Geburtenrate in den letzten Jahren so stark gestiegen, dass im vergangenen Winter ein dritter Kreißsaal eingerichtet wurde. Seit das Klinikum Herford in der vergangenen Woche für mehrere Tage seine Kreißsäle schließen musste, ist die Diskussion darüber wieder entbrannt, ob es nicht doch Sinn machen würde, am Lukas-Krankenhaus wieder eine eigene Geburtsklinik einzurichten.

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