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Hotel - © Pixabay
Hotel | © Pixabay

Schloß Holte-Stukenbrock Pläne für Inklusionshotel in Schloß Holte-Stukenbrock stoßen auf Skepsis

Gastgewerbe: Marktanalyse sieht gute Chancen für weiteres Hotel

Sigurd Gringel
26.06.2019 | Stand 26.06.2019, 17:55 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock will die Idee eines Inklusionshotels weiter verfolgen. Laut einer Bedarfs- und Marktanalyse, die die Stadt in Auftrag gegeben hat, habe die Stadt durchaus Potenzial dafür. Es wäre nach der Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung am Habichtweg ein weiteres, barrierefreies Großprojekt. Hiesige Hoteliers befürchten aber existenzbedrohende Konkurrenz. Im November 2017 hatte die Stadtverwaltung zwei Vertreter der Pyramis Immobilien Entwicklungs GmbH eingeladen, um über das Projekt „Inklusionshotel" zu berichten. Der ehemalige Gütersloher Oberkreisdirektor Günter Kozlowski und Michael Kirchner, Chef der Kirchner-Gruppe, zu der Pyramis gehört, stellten das Projekt „Inklusionshotel" vor. Pyramis ist nach eigenen Angaben darauf spezialisiert, die Entwicklung und die Verwirklichung von Stadtentwicklungsprojekten kleiner und mittelgroßer Kommunen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher, (verwaltungs-) rechtlicher und bautechnischer Aspekte zu untersuchen. Arbeitsplätze werden gefördert Die Stadt wollte ausloten, ob dieses Hotelprojekt für sie infrage kommt, und beauftragte Pyramis mit der Erstellung einer Marktanalyse. In einem Inklusionshotel, mitunter auch Integrationshotel genannt, arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen; Menschen mit Behinderung erhalten eine Möglichkeit auf dem Arbeitsmarkt. Betrieben wird es von einem Sozialverband. Für die entstandenen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen gibt es Fördergeld. Zum Beispiel von der Sozialorganisation „Aktion Mensch". Diesmal war Michael Kirchner allein gekommen und las den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses weitestgehend die erstellte Präsentation vor. Demnach stagniere das Hotel- und Gastgewerbe in Schloß Holte-Stukenbrock, die im Juni neu eröffneten Unterkünfte im Safariland sind in die Bewertung noch nicht eingeflossen. Vor allem Drei-Sterne-Hotels bieten nach Einschätzung Kirchners die größten Entwicklungsmöglichkeiten. Die meisten neu gebauten oder modernisierten Hotels bieten einen Drei-Sterne-Standard. Sie seien in erster Linie für Geschäftsleute, Tagungsteilnehmer und Monteure mit einer Belegung von Montag bis Donnerstag attraktiv. Das mache etwa zwei Drittel der Nachfrage aus, sagte Kirchner. Die durchschnittliche Bettenauslastung im Kreis Gütersloh liebt bei durchschnittlich 35 Prozent. Doch diese Maßzahl sei für Kirchner nur bedingt aussagekräftig, weil die Geschäftsleute nicht nur ein Bett belegen, sondern in der Regel als Alleinreisende ein Zimmer. So gerechnet müsse die tatsächliche Auslastung nach oben korrigiert werden. Vielleicht auf 47 Prozent. Sehr gute Marktchancen Und weil in Schloß Holte-Stukenbrock viele Unternehmen ansässig sind, bescheinigt der Analyst der Stadt „sehr gute Marktchancen". Ein barrierefreies Hotel hätte auch den Vorteil, dass behinderte Menschen einchecken können, die häufig auch eine Begleitperson mitbringen. Die nächstgelegenen Inklusionshotels sind in Detmold, Bielefeld, Gütersloh und Paderborn. Allein das Paderborner Hotel „Aspethera" wird nicht von der Embrace-Gruppe vermarktet, die das Planerbüro als Partner empfiehlt. In Paderborn ist es eine Kirchenstiftung. Das Flussbetthotel in Gütersloh betreibt der Wertkreis. Der sei auch in Schloß Holte-Stukenbrock denkbar, er betreibt bereits den additiven Kindergarten „Die jungen Wilden". Aber auch die Stiftung Ummeln (Projekt: "Wohnen am Landerbach") und die Lebenshilfe sind potenzielle Partner. Erste Gespräche mit einem möglichen Betreiber seien geführt, sagte Michael Kirchner, jetzt müsse ein Grundstück gefunden werden. Die Stukenbrock-Senner haben 2018 ein Inklusionshotel als Nachfolge für den leerstehenden Forellkrug ins Spiel gebracht. Das sagt die Politik Horst Geller (FDP) war von dem Vortrag enttäuscht. „Was hat die Analyse gebracht? Das hätte ich auch aufschreiben können." Für Michael Kirchner, der an dem Abend etwas schmallippig wirkte, antwortete Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. Es gehe bei der Analyse im Kern um die Frage, ob die Stadt noch ein Hotel verträgt. Die Mitglieder von Bündnis 90 / Die Grünen überrascht die positive Einschätzung der Analyse nicht. Sie hatten schon bei der Vorstellung der Idee vor anderthalb Jahren gemutmaßt, dass dieses Ergebnis herauskommen würde, weil das beauftragte Stadtplanerbüro Teil der Kirchner-Gruppe ist, die selbst als Investor gehandelt wird. Über den Investor sei aber noch nicht entschieden, sagte Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. Udo Richter (Grüne) sagte: „Ich vermute, dass hier unter dem sozialen Deckmäntelchen Fördergelder abgegriffen werden sollen." Aus seinen Gesprächen mit ansässigen Hoteliers habe sich ein anderes Bild ergeben. Einer habe gesagt, ein zusätzliches Hotel würde den bestehenden das Genick brechen. Jürgen Gärtner (CDU) entgegnete: „Der Markt regelt das." Bei vier Enthaltungen (Grüne, CSB und FDP) wurde der Antrag, das Projekt weiter zu verfolgen, angenommen.

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