Wolfsfamilie: Das Bild hat Fotografin Sarah Jonek im Tierpark Olderdissen gemacht. In der Senne ist offenbar eine einzelne Wölfin heimisch geworden. Ihr könnten weitere folgen. - © Sarah Jonek
Wolfsfamilie: Das Bild hat Fotografin Sarah Jonek im Tierpark Olderdissen gemacht. In der Senne ist offenbar eine einzelne Wölfin heimisch geworden. Ihr könnten weitere folgen. | © Sarah Jonek

Schloß Holte-Stukenbrock Die ganze Stadt ist jetzt Wolfsgebiet

Neuer Status für die Senne: Wo die Grenzen verlaufen und was sich dadurch ändert

Christine Panhorst
21.12.2018 | Stand 23.12.2018, 13:02 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. SHS ist auf den Wolf gekommen. Jetzt auch ganz offiziell. Denn seit dem 20. Dezember gehört die komplette Stadt zum „Wolfsgebiet Senne" und damit zu einer von zwei Regionen in Nordrhein-Westfalen, in denen der Wolf sesshaft geworden ist. Die meisten Schloß Holte-Stukenbrocker werden davon jedoch wenig merken. Und mit dem Wolf wird auch ein imposanter Herdenhund in die Senne zurückkehren. Es gibt kein Schild, keine sichtbare Grenze, keine Regeln. Wer das Wolfsgebiet betritt oder sogar darin lebt, für den ändert sich nichts. Auch der Wolf mit der umständlichen Kennung GW1044f, weiblich, Single, wird von seinem eigens zugeteilten Gebiet wenig mitbekommen. Mit der Zeit wird ein Snack von Nachbars Weide für Fräulein Wolf jedoch schwerer zu haben sein. Denn wer Kühe, Schafe, Ziegen auf Weiden in SHS hält, bekommt dank des neuen Status mehr Unterstützung für den Schutz vor dem Wolf. Das neue Gebiet ist vor allem auch ein Klingelschild für die Wolfsdame: Sie hat nach regelmäßigen Sichtungen über eine Dauer von fast sechs Monaten jetzt eine feste Adresse und ist auf insgesamt rund 922 Quadratkilometer eingezogen. So groß ist das „Wolfsgebiet Senne" insgesamt. Ein Kerngebiet dieser Größe benötige der Wolf für seine Streifzüge, erklärt Peter Schütz, Pressesprecher im NRW-Umweltministerium. "Wölfe meiden zwar den Menschen, aber nicht seine Bauwerke und Fahrzeuge" Der Bärenanteil des Wolfs-Zuhauses erstreckt sich auf die Kreise Lippe und Paderborn dazu kommt Schloß Holte-Stukenbrock und ein Zipfel Bielefeld. Die Grenzen orientierten sich an der Struktur der Landschaft und an natürlichen Hindernissen, erklärt Schütz. Bielefeld und Verl zum Beispiel gehören zur sogenannten Pufferzone. „Das sind Bereiche, in denen die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass der Wolf einmal im Jahr vorbeischaut", sagt Schütz. Generell bevorzugten Wölfe aber Ruhe, Landschaften in denen es viel Kleinwild gibt und in denen es auch nachts schön dunkel ist – wie in der Senne. Locker auf Bürgersteigen flanierend oder in Nähe parkender Autos könnte ein Wolf jedoch durchaus mal in Stadtnähe gesichtet werden, sagt Schütz. „Wölfe meiden zwar den Menschen, aber nicht seine Bauwerke und Fahrzeuge." Anschaffung von Drohhunden wird gefördert Die Rückkehr des Wolfs betrifft vor allem Landwirte, Halter, Schäfer, die Weidetiere haben. Unter anderem liegt der Biohof Gut Wilhelmsdorf zukünftig auf Wolfsgebiet. „Das ist kein rechtlich bindendes Schutzgebiet für den Wolf, es geht in erster Linie um neue Förderrichtlinien", sagt Peter Schütz. Hilfen habe es bisher nur gegeben, wenn ein Wolf ein Tier riss. Ab sofort können Herdenhalter im Wolfsgebiet bei der Detmolder Bezirksregierung auch Fördermittel für Präventionsmaßnahmen beantragen. „Das sind zum Beispiel Elektrozäune, die bis zum Boden gehen." Denn der Wolf buddelt lieber, als dass er springt. „Mittel gibt es auch für die Anschaffung von Drohhunden", sagt Schütz. Die speziellen Herdenhund-Rassen seien in Osteuropa noch weit verbreitet. In die Senne werden sie wohl mit dem Wolf zusammen zurückkehren.

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