Das wäre der Platz gewesen: Auf dieser Fläche am Kreuzkrug wollte sich die Spedition Wahl & Co. ansiedeln. Nun hat sich der Eigentümer der Fläche entschieden, doch nicht zu verkaufen. - © Gunter Held
Das wäre der Platz gewesen: Auf dieser Fläche am Kreuzkrug wollte sich die Spedition Wahl & Co. ansiedeln. Nun hat sich der Eigentümer der Fläche entschieden, doch nicht zu verkaufen. | © Gunter Held

Schloß Holte-Stukenbrock Reaktionen auf die Ablehnung des Logistikers Wahl & Co.

Magnus Graf von Schlieffen verkauft seine Fläche nicht an Wahl & Co. Das wirft auch die Pläne für ein Gewerbegebiet am Kreuzkrug zurück.

Sabine Kubendorff
07.11.2018 | Stand 07.11.2018, 19:21 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Das vom Stadtrat mehrheitlich gewollte Gewerbegebiet am Kreuzkrug (Bielefelder/Oerlinghauser Straße) kann auf lange Sicht nicht realisiert werden, soll aber trotzdem im neuen Landesentwicklungsplan festgeschrieben werden. Ausschlaggebend sind aber allein die Pläne des Eigentümers der Fläche. Das ist Magnus Graf von Schlieffen. Er hatte eigentlich erfolgreich mit dem Sennestädter Logistikunternehmen Wahl & Co. über den Verkauf von 20 Hektar zwischen Autobahn und Bielefelder Straße verhandelt. Man war sich über den Preis einig. Allerdings war der Abschluss abhängig von eine Forderung von Schlieffens: die Oerlinghauser Tunnelstraße mit Maut oder Lkw-Verbot belegen. Beides hat der Landesbetrieb Straßen NRW „aus rechtlichen Gründen abgelehnt", das hat Bürgermeister Hubert Erichlandwehr am Dienstagabend im Haupt- und Finanzausschuss mitgeteilt. Also will von Schlieffen nicht verkaufen. Jedenfalls aktuell nicht, wie er auf Nachfrage der Neuen Westfälischen am Mittwoch betonte. Erst müsse „nachhaltig und vernünftig" die Verkehrssituation geklärt sein. „Die Lebensqualität der Menschen darf nicht weiter beeinträchtigt werden", sagt er. „Straßen NRW interessiert sich für die Menschen an der Oerlinghauser Straße gar nicht." »Da muss dringend was gemacht werden« „Der Eigentümer", verlas im Hauptausschuss der Bürgermeister, „legte stets großen Wert darauf, dass durch die Ansiedlung einer weiteren Spedition (neben DB Schenker, d. Red.) die Tunnelstraße durch Lkw-Verkehr nicht stärker belastet wird. Er befürchtet, dass die L 751 noch stärker als heute in Zukunft als Mautumgehungsstraße genutzt wird." Nur wenn von Schlieffens Forderung erfüllt wird, besteht für ein Gewerbegebiet am Kreuzkrug eine Chance, „sonst bleibt es Acker", erklärt er knapp. Für Martin Wildemann von der CSB ist „das Gewerbegebiet tot", für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Lars Pankoke „auf die lange Bank geschoben". Die Enttäuschung ist groß. Auch bei dem Chef der Spedition, Jörn Wahl-Schwentker? „So emotional würde ich das nicht sehen", sagt er auf Nachfrage der NW. „Es ist halt so." In Steinhagen war Wahl & Co. bereits abgeblitzt, und Wahl-Schwentker hatte dann den Kreuzkrug als eine der letzten Chancen für seine Firma in OWL bezeichnet. Jetzt sagt er: „Wir werden die Augen weiter offen halten." In Süddeutschland indes habe sich Wahl & Co. kürzlich an einer Speditionsgruppe beteiligt. „Die Tinte ist trocken", einen Namen will er nicht sagen. Was von Schlieffen, Wildemann, Pankoke und auch Gerhard Blumenthal von der FDP eint, ist der Ärger über den Landesbetrieb Straßen NRW. Sie fürchten, dass die Behörde, die Lars Pankoke als „träge" bezeichnet, sich jetzt mit noch weniger Verve darum kümmern wird, die aktuell schon schlechten Verkehrsverhältnisse am Kreuzkrug zu verbessern. „Da muss dringend was gemacht werden", sagt Gerhard Blumenthal. Im Sommer hätte schon mit dem Bau zusätzlicher Ampeln am Autobahnanschluss und an der Falkenstraße begonnen werden sollen. Passiert ist bislang nichts. „Weil ein Stückchen Grundstück fehlt", sagt lakonisch Martin Wildemann, der gar nicht gut zu sprechen ist auf den Landesbetrieb. SPD und Bündnis 90/Die Grünen freuen sich „Hat Straßen NRW also die Macht, sich gegen den Willen aller Beteiligten durchzusetzen?", fragte er im Hauptausschuss, nachdem der Bürgermeister die Erklärung zum gescheiterten Geschäft zwischen Graf von Schlieffen und Wahl & Co. verlesen hatte. „Schockiert" sei er, sagte Martin Wildemann. Wenn sich auch SPD und Bündnis 90/Die Grünen darüber freuen, dass das Geschäft geplatzt ist und die von ihnen befürchtete zusätzliche Verkehrsbelastung ausbleiben wird – grundsätzlich sind beide Fraktionen nicht gegen ein Gewerbegebiet am Kreuzkrug. SPD-Chefin Marion Herzog sagt: „Kreuzkrug ja, nur kein Logistiker." Das im Sommer vorgestellte Verkehrsgutachten hatte ergeben, dass viele kleinere Firmen noch mehr Verkehr als ein großer Logistiker verursachen würden. Das Projekt „Kreuzkrug" steht und fällt also in jedem Fall mit dem Landesbetrieb Straßen NRW.

realisiert durch evolver group