Truppenübungsplatz Senne: Alte Panzer und Bunker dienen den Soldaten als Zielobjekte. Der Abzug der britischen Streitkräfte ist bis 2020 geplant. Übernimmt dann die Bundeswehr. - © Marc Köppelmann
Truppenübungsplatz Senne: Alte Panzer und Bunker dienen den Soldaten als Zielobjekte. Der Abzug der britischen Streitkräfte ist bis 2020 geplant. Übernimmt dann die Bundeswehr. | © Marc Köppelmann

Schloß Holte-Stukenbrock Wieder Streit um Nationalpark

Landesentwicklungsplan: Das Papier der rot-grünen Landesregierung hat ausgedient, das neue der schwarz-gelben wird von der Mehrheit im Stadtrat akzeptiert. Die Minderheit spricht von „Flächenfraß“ und „Kampfansage“

Sabine Kubendorff

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Siegesgewissheit währte nur kurz. Als die rot-grüne Landesregierung vor einigen Jahren damit begann, den Landesentwicklungsplan (LEP) zu überarbeiten, freuten sich auch die heimische SPD und die SHS-Grünen auf den Nationalpark Senne. Wenige Monate nach der Verabschiedung des neuen LEP wurde die schwarz-gelbe Landesregierung gewählt, die das meiste wieder rückgängig macht. Das ist Teil des Entfesselungspaktes. Bruno Reinke macht das nur noch kämpferischer. Als jetzt dem Stadtrat eine Stellungnahme zu dem schwarz-gelben LEP vorgelegt wurde, nutzte der grüne Fraktionssprecher die Gelegenheit zu einer ausführlichen Abrechnung. „Feuer frei für den Flächenfraß“, knurrte er. „Man knabbert weiter an der Senne.“ Dass die Schaffung eines Nationalparks nach Abzug des britischen Militärs nicht länger im LEP festgeschrieben sei, bezeichnete Reinke als „Kampfansage“. „Wir Grüne stehen weiterhin für die Bewahrung der einzigartigen Natur und der Artenvielfalt in einem Nationalpark Senne.“ »Das Ding war einfach nicht gut« Auftritt FDP-Fraktionssprecher Thorsten Baumgart. Dass der rot-grüne LEP nur wenige Monate Bestand hatte, „liegt daran, dass das Ding einfach nicht gut war“. Er nannte das Papier einen „Entwicklungshinderungsplan, gerade für die ländliche Region“. Im Übrigen haben die FDP nie die Schützwürdigkeit der Senne angezweifelt, „aber es gibt ökologische Gründe gegen einen Nationalpark“. Die Senne sei das, was sie jetzt sei, weil sie seit vielen Jahrzehnten militärisch genutzt und auch gepflegt werde. Sinnvoll sei daher, dass die Senne nach dem Abzug der Briten weiterhin militärisch genutzt werde, sagte Baumgart mit Blick auf die Bundeswehrkaserne in Augustdorf. Und so bilanzierte er den neuen LEP: Die Änderungen von Schwarz-Gelb seien „richtig und wichtig. In der Gesamtabwägung ist das jetzt ein Top-Ding.“ Da konnte ihm Klaus Dirks (CDU) nur eingeschränkt zustimmen. Der neue LEP sei jetzt noch immer kein Top-Ding, weil er auf Kompromissen basiere. Aber der alte LEP hätte „den Kommunen und Kreisen die Luft zum Atmen genommen“. Unter anderem war kritisiert worden, dass die Erweiterung von Gewerbebetrieben im Außenbereich unmöglich gemacht worden wäre. Statt dessen sollten Industriebrachen genutzt werden, die es in ländlichen Regionen im Vergleich zum Ruhrgebiet kaum gibt. In der sogenannten Detmolder Erklärung, die zahlreiche Kreise, Städte, Kammern und Verbände mitgetragen haben, war befürchtet worden, dass die Entwicklung Ostwestfalen-Lippes durch den rot-grünen Landesentwicklungsplan ausgebremst werden würde.

realisiert durch evolver group