Hier wird bald gebaut: An der Oerlinghauser Straße/Falkenstraße wird eine Ampelanlage errichtet. Dann werden sich die Autofahrer mit einer verengten Fahrbahn arrangieren müssen. - © Sigurd Gringel
Hier wird bald gebaut: An der Oerlinghauser Straße/Falkenstraße wird eine Ampelanlage errichtet. Dann werden sich die Autofahrer mit einer verengten Fahrbahn arrangieren müssen. | © Sigurd Gringel

Schloß Holte-Stukenbrock Wie der künftige Verkehr durch SHS gelenkt werden soll

Stadtentwicklung: Die Wege zu den und rund um die neuen Gewerbegebiete Kreuzkrug und Senne sind Thema im Ausschuss. Kommunalpolitiker schmeckt die Entscheidung des Landesbetriebs Straßen NRW nicht.

Birgit Guhlke
05.07.2018 | Stand 04.07.2018, 19:37 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Um die künftige Verkehrsentwicklung rund um die Gewerbegebiete Kreuzkrug und Senne ging es während der jüngsten Sitzung des Wirtschafts-, Marketing- und Stadtentwicklungsausschusses. Die Zahlen und Ergebnisse dieser verkehrstechnischen Untersuchung, die Olaf Timm von der Ingenieurgesellschaft „nts“ aus Münster vorstellte, sorgten bei den Kommunalpolitikern für Stirnrunzeln und Erstaunen. Olaf Timm stellte die Untersuchung vor, die den aktuellen Zustand am Kreuzkrug sowie in Stukenbrock-Senne zeigt sowie den prognostizierten Verkehrszuwachs, sobald die dort geplanten Gewerbegebiete erschlossen sind und sich dort Betriebe angesiedelt haben. Klar ist, dass dann mehr Verkehr herrscht. Der Landesbetrieb Straßen NRW und die Stadtverwaltung suchen nun nach Möglichkeiten, diesen erhöhten Verkehrsfluss zu lenken und zu leiten, ohne dass es zum Kollaps kommt. „Knotenpunkte ertüchtigen“, heißt die Devise im Behördendeutsch. Kreisverkehr Es geht um den Ausbau Kreuzkrug-Kreuzung mit weiteren Fahrbahnen und Abbiegespuren. Es geht um Ampelanlagen und Erschließungsstraßen zu den Gewerbegebieten. Es geht nicht um Kreisverkehre – auch wenn die von einigen Kommunalpolitikern favorisiert werden. Für den Landesbetrieb Straßen NRW, so erklärte es Olaf Timm, seien Kreisverkehre in beiden Fällen nicht geeignet, auch weil dort „viel Lkw-Verkehr zu erwarten sei“ und der Verkehrsfluss durch Kreisverkehr eher gebremst werde. Das sei vielfach ein willkommener Effekt, nicht aber bei den beiden geplanten Gewerbegebieten. Olaf Timm stellte für beide Gebiete die Ausbau- und Erschließungsvarianten vor, zu denen die Stadtverwaltung aus Sicht der Stadt bereits Vorschläge und Hinweise hat einfließen lassen. Nun lernten die Kommunalpolitiker diese Vorschläge kennen, entschieden ist damit noch nichts. Zumal noch einige Fragen offen geblieben sind. Zehn Prozent mehr Mit zehn Prozent mehr Verkehr müssen (nicht nur) die Schloß Holte-Stukenbrocker so oder so bis zum Jahr 2030 rechnen, erklärte Olaf Timm. Das seien übliche Prognosen. Vergleichend dazu stellte er die möglichen Entwicklungen vor, die er für das Gewerbegebiet Kreuzkrug in zwei Stufen einteilte. Stufe 1 beschreibt den Start des Logistikers Wahl & Co., Stufe 2 den Start des zweiten Teils des Gewerbegebiets. Die Ergebnisse erstaunten die Kommunalpolitiker. Die Situation am Kreuzkrug sei eh schon „ungenügend“ – egal, ob sich dort weiteres Gewerbe ansiedelt oder nicht, wenn nicht entsprechend gegengesteuert und der „Knotenpunkt ertüchtigt“ wird. Mitarbeiterzahl hat Einfluss Und, das war für die Politiker fast noch erstaunlicher, nicht der Logistiker sorge den Berechnungen zufolge für mehr Verkehr, sondern die noch nicht näher qualifizierten Betriebe, die sich in dem weiteren Bereich des Gewerbegebiets ansiedeln. In Zahlen: ungefähr 2.100 Fahrten pro Tag mehr für Stufe 1, 3.800 Fahrten pro Tag mehr für Stufe 2. Die Erklärung: Ein Großer hat vermutlich nicht so viele Mitarbeiter wie viele Kleine. Und die müssen auch alle zu ihrem Arbeitsplatz kommen, ausschließlich Fahrradfahrer werden das nicht sein. Die laut Prognose erfolgreichste Variante zur Bewältigung des Verkehrszuwachses hat laut Analyse von Olaf Timm die geringste Chance auf Umsetzung. Denn bei dieser Variante würde die Oerlinghauser Straße im Kreuzungsbereich als Brücke über die Bielefelder Straße geführt werden. Das sei zu teuer und zu aufwendig, auch wenn damit ein – im Schulnotendeutsch – „befriedigendes“ Ergebnis möglich wäre. Straßen NRW gebe sich mit dem Schulnotenzustand „ausreichend“ zufrieden, der mit den Ampeln und dem Ausbau von Fahrspuren und Fahrbahnen zu erreichen sei. Ähnlich ist es beim Gewerbepark Senne. Die Stadtverwaltung hat einen Favoriten für die Erschließung des Gebiets, den Straßen NRW allerdings nicht favorisiert. Laut Stadtverwaltung sei eine neue Erschließungsstraße von der Paderborner Straße aus sinnvoll, auch um alles ein wenig zu entzerren. Für Straßen NRW reicht in diesem Fall Ausbau und Begradigung der Kreuzung Lippstädter Weg, Paderborner Straße (L 756). Auch in diesem Bereich könnte laut Darstellung der Analyse von Olaf Timm mit einem Kreisverkehr Leistung und entsprechend Schulnote verbessert werden. Auch hier lehne Straßen NRW einen Kreisverkehr ab. Thema im Rat Das alles schmeckte den Kommunalpolitikern gar nicht. Lars Pankoke (CDU) nannte den Plan für den Kreuzkrug, stellvertretend für weitere Ausschussmitglieder, „ein Zwischending“, das für ihn keinen Sinn ergab, weil es „keine zukunftsfähige Lösung ist“. Außerdem fehlte den meisten die Analyse für den noch möglichen dritten Teilbereich des Gewerbegebiets an der Bielefelder Straße gegenüber von dem Restaurant „Moe’s Diner“. Das soll in die nächste Untersuchung einfließen, dieser Bereich aber, sagte Amtsleiter Werner Thorwesten (Fachbereich Wirtschaft und Stadtentwicklung), werde vermutlich eh erst in 20 Jahren relevant. Der Gewerbepark Senne ist auch während der nächsten Ratssitzung Thema. Dann wollen die Kommunalpolitiker entscheiden, ob sie als Kommunalparlament eine Erschließungsvariante empfehlen wollen. Auch wenn sie nicht der Favorit des Straßenbaulastträger ist. A33-Anschlussstelle gesperrt In den Sommerferien beginnen die Ausbauarbeiten an der Oerlinghauser Straße. An den Autobahnabfahrten werden die Ampelanlagen fest installiert, eine weitere an der Falkenstraße gebaut. Laut Pascal Lideck, bei der Stadtverwaltung zuständig für den Straßenverkehr, sind für die Arbeiten zehn Wochen angesetzt. Der Verkehr soll an der Oerlinghauser Straße an der Baustelle entlang geleitet werden, die Fahrbahn wird verengt. Komplett gesperrt wird die A33-Anschlussstelle Schloß Holte-Stukenbrock. Auf- und Abfahrten sind dann nicht möglich.

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