Neues Hinweisschild: Albert Brock vom städtischen Bauhof (l.) bringt die neuen Schilder an. Sie sind bedeutend größer als bisher und entsprechen den Ergebnissen des Vergleichs vor Gericht. Imke Heidotting und Martin Venne von der Stadtverwaltung möchten den Charakter der Ems-Erlebniswelt unbedingt erhalten, wollen aber auch das Ruhebedürfnis der Nachbarn ernst nehmen. - © Knut Dinter
Neues Hinweisschild: Albert Brock vom städtischen Bauhof (l.) bringt die neuen Schilder an. Sie sind bedeutend größer als bisher und entsprechen den Ergebnissen des Vergleichs vor Gericht. Imke Heidotting und Martin Venne von der Stadtverwaltung möchten den Charakter der Ems-Erlebniswelt unbedingt erhalten, wollen aber auch das Ruhebedürfnis der Nachbarn ernst nehmen. | © Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock Ems-Erlebniswelt soll kein „Freibad für Arme“ sein

Nach einem gerichtlichen Vergleich, den ein Anwohner erwirkt hat, müssen Besucher jetzt zahlreiche Auflagen einhalten. Ein großes Schild klärt sie auf

Schloß Holte-Stukenbrock. Die Besucher der Ems-Erlebniswelt müssen ab sofort verschärfte Auflagen einhalten. Dies ist das Ergebnis eines Vergleichs vor Gericht, nachdem ein Anlieger geklagt hatte. Die Stadt hat sich verpflichtet, darauf zu achten, dass die Einschränkungen auch eingehalten werden. Seit Dienstag hängen nun neue Schilder an den drei Eingängen zur Ems-Erlebniswelt. Die Symbole sprechen eine eindeutige Sprache: Drei zeigen an, was hier gern gesehen wird, aber sechs weisen darauf hin, was alles verboten ist. Die Tafeln sind wesentlich größer als die bisherigen, um zu verdeutlichen, dass ein „Freibad für Arme" nicht geduldet wird. „Mit der Ems-Erlebniswelt verfolgen wir ein erlebnispädagogisches Konzept", erklärte Imke Heidotting vom Stadtmarketing. „Kinder sollen zum Beispiel Erfahrungen mit dem Element Wasser machen. Aber wir wollen nicht, dass die Anlage als Freibad genutzt wird. Das war übrigens auch schon in der Vergangenheit der Fall." Die Verbotszeichen besagen: Schwimmen oder der Aufenthalt in Badekleidung sind nicht gestattet. Wasserlauf ist zentraler Bestandteil Bereits bei der Planung der Ems-Erlebniswelt, die im September 2010 eröffnet wurde, waren die Bürger beteiligt, betonte Imke Heidotting. Der Wasserlauf, der die Ems im Kleinen symbolisieren soll, war von vornherein ein zentraler Bestandteil. Allerdings äußerten schon damals einige Anwohner Bedenken, in der Folgezeit kam es gelegentlich auch zu Beschwerden. Ein Anlieger von ihnen zog vor das Verwaltungsgericht in Minden und beklagte sich über die Lärmentwicklung, lautstark ausgetragene Streitigkeiten unter den Besuchern und über Gäste in Badekleidung. „Das Gericht hat daraufhin genau geprüft, es gab einen Ortstermin, das Ganze zog sich etwa zwei Jahre hin", berichtete Martin Venne von der städtischen Bauaufsicht. Am Ende des langwierigen Verfahrens wurde ein Vergleich geschlossen, zu Jahresbeginn wurde er rechtskräftig. „Und die Auflagen setzen wir nun auch um", bekräftigte Imke Heidotting. Imke Heidotting räumte ein, dass die Umsetzung nicht leicht sei. „Das ist der schmale Grat, den wir gehen müssen." Die Stadt werde an dem ursprünglichen Konzept festhalten und vor allem Kindern Naturerlebnisse ermöglichen. Gerade weil die Ems-Erlebniswelt eine Attraktion für den sanften Tourismus darstelle, sei das Vorhaben mit öffentlichen Mitteln gefördert worden. Kommentar des Autors: Es ist unglaublich, womit sich die ohnehin überlasteten Gerichte beschäftigen müssen. Jeder andere Nachbarschaftszwist wäre an einen Schiedsmann verwiesen worden. Nun sind also weitreichende Restriktionen für die Ems-Erlebniswelt wirksam. Sie ist einer der herausragenden touristischen Anziehungspunkte in der Stadt, sogar ein Alleinstellungsmerkmal. Nun aber müssen sich die Gäste vor dem Betreten genau merken, was sie hier noch dürfen. Werden die bedauerlichen Betreuer nun zu Hilfssheriffs, die zum Beispiel das Alter der im Wasser planschenden Kinder genau kontrollieren? Wie sollen sie unterscheiden, ob es sich um normale Freizeit- oder eventuell schon um Badekleidung handelt? Regeln sind sicher notwendig, aber sie müssen praxistauglich sein. Es stellt sich die Frage, ob eine Erlebniswelt in diesen engen Grenzen noch ihren Namen verdient. Kontakt zur Redaktion

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