Der natürliche Schatz bedarf des Schutzes: Johannes Wiemann-Wendt macht sich dafür stark, den Truppenübungsplatz Senne nach dem Abzug der Briten zu einem Nationalpark zu erklären. Derzeit sammelt er dafür Unterschriften. Zu der Aktion haben mehrere Umweltverbände aufgerufen. (Foto: Knut Dinter) - © Knut Dinter
Der natürliche Schatz bedarf des Schutzes: Johannes Wiemann-Wendt macht sich dafür stark, den Truppenübungsplatz Senne nach dem Abzug der Briten zu einem Nationalpark zu erklären. Derzeit sammelt er dafür Unterschriften. Zu der Aktion haben mehrere Umweltverbände aufgerufen. (Foto: Knut Dinter) | © Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock „Die Senne ist unsere Arche Noah“

Höchster Schutz als Ziel: Mit einer Unterschriftenaktion soll an die Landesregierung appelliert werden, den Nationalpark wieder in den Landesentwicklungsplan aufzunehmen

Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock. „Vor Jahren hatte ich Gelegenheit, an einer Führung durch die Senne teilzunehmen. Von der Natur war ich so beeindruckt, dass es mich umgehauen hat“, sagt Johannes Wiemann-Wendt. Seither setzt sich der pensionierte Lehrer dafür ein, Tiere und Pflanzen auf dem Truppenübungsplatz – er wird 2020 aufgegeben – besonders zu schützen. Doch die Landesregierung will keinen Nationalpark Senne mehr schaffen. Deshalb sammelt Wiemann-Wendt derzeit auch in Schloß Holte-Stukenbrock Unterschriften, um gegen diese Entscheidung zu protestieren. Seit 125 Jahren wird die Senne militärisch genutzt. Erstaunlicherweise hat sich hier dennoch eine reiche Flora und Fauna entwickelt. „Die Panzer der Briten fahren nur außen, viele Bereiche bleiben unberührt“, erklärt Wiemann-Wendt. Nach seinen Worten leben auf der 120 Quadratkilometer großen Fläche allein 1.000 Arten, die auf der roten Liste stehen. „Es wurden 233 Schmetterlingsarten beobachtet, und sogar die seltene Heidelerche, das Neunauge und der Ameisenlöwe sind in der Senne anzutreffen“, sagt er. „Das Gebiet ist einzigartig in Nordrhein-Westfalen. Es ist ein Refugium vor unserer Haustür, das wir woanders nicht mehr vorfinden.“ Die Bachläufe, Moore, Sanddünen, die weiten Offenlandflächen und viele weitere, recht verschiedene Biotope in der Senne seien wertvoller als die Lüneburger Heide. Besuchermagnet und ökonomischer Impuls Insofern sei es nur logisch, das Gebiet zwischen Schloß Holte-Stukenbrock und Paderborn zum Nationalpark zu erklären und ihm damit den höchsten Schutz zu bieten. Zweimal sei das Thema bereits positiv im Landtag behandelt worden. Die jetzige Landesregierung erkennt jedoch keine Akzeptanz in der Bevölkerung. „Genau das Gegenteil ist der Fall“, berichtet Wiemann-Wendt. So konnte er beim Fest anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Campingplatzes am Furlbachtal in kurzer Zeit 160 Unterschriften von Gästen sammeln, die den Nationalpark im Landesentwicklungsplan behalten möchten. Mehrere Naturschutz- und Umweltverbände haben die Protestaktion organisiert. Die Einspruchsfrist endet am 15. Juli. Der Nationalpark böte nach Ansicht von Wiemann-Wendt ausschließlich Vorteile. Das großräumige Gebiet wird nicht bewirtschaftet, ist unbewohnt, frei von jeglichen Düngemitteln und befindet sich komplett im Bundesbesitz. „Auch ein Gutachten hat festgestellt, dass sämtliche Kriterien für einen Nationalpark erfüllt sind“, sagt der 67-Jährige. Zunächst sollte die Hälfte der Fläche sich selbst überlassen bleiben, später werden 70 Prozent angestrebt. Dann könnte die Natur für den Menschen erlebbar gemacht werden. Das Beispiel des Nationalparks Eifel habe gezeigt, wie sehr die Hotellerie, die Gastronomie, die Freizeiteinrichtungen profitiert haben. „Das wäre auch bei uns ein Besuchermagnet und gerade für die leidenden Bäder in der Region ein neuer ökonomischer Impuls“, da ist sich Wiemann-Wendt sicher. Dies lasse sich mit einem geschickten Besuchermanagement vereinbaren. Voraussetzung sei jedoch ein Nutzungsplan, den die Landesregierung erstellen muss. Darin könnten auch die Bedürfnisse der Wanderer, Radfahrer und Reiter berücksichtigt werden. Wiemann-Wendt ist überzeugt: „Die Senne ist unsere Arche Noah, sie muss der 17. Nationalpark in Deutschland werden.“ Weitere Informationen zur Senne und zur Unterschriftenaktion gibt es im Internet unter: ?www.unsere-senne.de

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