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Mitreißend: Ulrich Rode, Axel Müller und Frontmann Wolfgang Niedecken (v. l.) servieren Kölschrock vom Feinsten. Foto: Birgit Vredenburg - © Birgit Vredenburg
Mitreißend: Ulrich Rode, Axel Müller und Frontmann Wolfgang Niedecken (v. l.) servieren Kölschrock vom Feinsten. Foto: Birgit Vredenburg | © Birgit Vredenburg

Rietberg BAP begeistern in Rietberg

Cultura-Rockfestival-Special: Die Kölsch-Rocker bringen das Rundtheater gleich an zwei Abenden zum Kochen und beglücken insgesamt rund 1.600 Zuschauer

Birgit Vredenburg
14.07.2019 | Stand 14.07.2019, 13:59 Uhr

Rietberg. „Das ist die kleinste Location der gesamten Tour aber mit Sicherheit ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst", hatten die Kölsch-Rocker BAP sich auf „diesen besonderen Sommer-Gig" im Rietberger Rundtheater gefreut. „Das ist der Hammer hier. Ungefähr so hatte ich es mir vorgestellt", freute sich Frontmann Wolfgang Niedecken über den herzlichen Empfang und das urige Ambiente. Weil das von Michael Beckhoff initiierte Cultura-Rockfestival-Special bereits nach wenigen Tagen ausverkauft war, beglückte BAP seine jubelnden und zumeist mit der Band gealterten Fans gleich am Folgeabend mit einem Zusatzkonzert. „Diese beiden Gigs im Rahmen unserer ‘Strooßekööter-Tour’ sind die einzigen, die wir nicht unter freiem Himmel spielen", verriet Niedecken. Das habe den Vorteil, nicht dem Wettergott huldigen zu müssen. Als kleiner Nachteil erwies sich indes – spätestens als die Büchse ordentlich heiß gerockt war – die mangelhafte Lüftung. „Ihr könnt die Heizung jetzt runter drehen. Oder wir machen einen Aufguss", schlug Niedecken gut gelaunt vor und legte mit Klassikern aus dem neuen Live-Album „Live & deutlich" gleich noch eine Schippe drauf. Damit wenigstens die Fangemeinde sich ein wenig Kühlung verschaffen konnte, verteilte das kulturig-Team Fächer im Publikum. Dass der Erfinder des deutschen Dialektrock nach 43 Jahren auf der Bühne – „Verdammt lang her" – noch längst nicht zum alten Eisen gehört, hat auch mit den wechselnden Formationen hervorragender Musiker zu tun, die das graugelockte Rauhbein um sich scharrt. Gitarrist Ulrich Rode zog das Publikum ebenso in seinen Bann, wie Werner Kopal (Bass), Sönke Reich (Schlagzeug) und Michael Nass (Keyboard). Mitreißende Akzente setzte auch die exzellente Bläsersektion, bestehend aus Axel Müller, Christoph Moschberger und F. Johannes Goltz) sowie Geigerin Anne de Wolff. Acht Jahre nach BAPs erstem Gastspiel in Rietberg – open Air im Gartenschaupark – servierte die quirlige Truppe Klassiker wie „Waschsalon", „Aff un zo", „Zaubre" oder „Et ess wie’t es" mit ungebrochener Frische und Spielfreude. Doch BAP hatte auch diesmal nicht nur Musik, sondern auch politische Botschaften im Gepäck. Das hochdeutsch gesungene „Kyrie eleison" (Gott erbarme dich), das die gleichgültige Haltung der Menschen vor den Problemen der Zeit aufzeigt, machte deutlich: „Absurdistan" ist überall. „Es ist nicht okay, Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen und die Seenotrettung zu kriminalisieren", unterstrich Niedecken. Von dem Stück „Kristallnaach" hätte er sich gewünscht, dass es irgendwann einmal überflüssig werde. „So ist es aber nicht. Eigentlich wird es immer dringender", so der 68-Jährige.

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