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Steht gut da: Um die Zukunft des Sankt Vinzenz Hospitals sorgt sich dessen Geschäftsführer Georg Rüter nicht, nachdem nun das Krankenhaus-Gutachten der Landesregierung vorgelegt wurde. - © Marion Pokorra-Brockschmidt
Steht gut da: Um die Zukunft des Sankt Vinzenz Hospitals sorgt sich dessen Geschäftsführer Georg Rüter nicht, nachdem nun das Krankenhaus-Gutachten der Landesregierung vorgelegt wurde. | © Marion Pokorra-Brockschmidt

Rheda-Wiedenbrück Schließung oder nicht? So geht es mit dem Rheda-Wiedenbrücker Sankt Vinzenz Hospital weiter

Georg Rüter war mit schaurigen Erwartungen nach Essen gefahren. Nach dem Treffen, wo auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein Gutachten vorstellte, hat er jetzt Klarheit.

Marion Pokorra-Brockschmidt
14.09.2019 | Stand 14.09.2019, 10:49 Uhr

Rheda-Wiedenbrück. Mit schaurigen Erwartungen ist Georg Rüter, Geschäftsführer der "Katholischen Hospitalvereinigung Ostwestfalen gem. GmbH" (KHO), zu der auch das Sankt Vinzenz Hospital gehört, nach Essen gefahren. Dort hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ein Gutachten zur Krankenhausplanung im Land vorgestellt. Was Rüter hörte, stimmt ihn gelassen. "Wir müssen nichts fürchten." Die Gutachter hätten eine Methodik vorgestellt, wie das Land künftig die Krankenhausplanung angeht, um sicher zu stellen, dass die Hospitäler in Nordrhein-Westfalen mit ausreichend Personal eine hohe medizinische Qualität bieten. Erwartungsgemäß hätten die Gutachter zudem einen "spürbaren Abbau von Krankenhauskapazitäten vorgeschlagen", informiert Rüter. Das betreffe aber besonders das Ruhrgebiet. Laut Gutachter gebe es "westlich von Hamm keine Überversorgung", in Ostwestfalen-Lippe müsse es darum keine Befürchtungen geben, "dass hier etwas geschlossen wird". Rüter nennt das Gutachten ein "Vehikel, um Strukturen zu klären". Auf das Votum der Patienten setzen Für ihn ist der Strukturwandel im Krankenhaussektor "weiterhin unverzichtbar". Naheliegend sei es, von der traditionellen Bettenplanung abzugehen. Vergütet werden Krankenhausleistungen seit 15 Jahren über Fallpauschalen, nicht über das belegte Bett. Denn nicht die Anzahl der Betten eines Hauses stehe für die Qualität, sondern die technische Ausstattung, eine gute Organisation und die Mitarbeiter. Und da sieht der Geschäftsführer das Sankt Vinzenz Hospital gut aufgestellt. Es verfüge über modernste Geräte für alle wichtigen Fragen, habe ein CT und ein MRT. "Wir haben eine gut funktionieren Radiologie, die gut kann, was wie muss." Dazu komme eine moderne Endoskopie-Abteilung und sehr gute Mediziner. Die KHO, zu der auch das Franziskus Hospital in Bielefeld sowie das Mathilden Hospital in Herford gehören, setze zudem auf das Votum der Patienten. Dabei sei die Grundlage für jedes Vertrauen Transparenz. Würde der Leistungsbereich eines Krankenhauses nach Strukturqualitätsdaten festgelegt, "dann nur zur", sagt Rüter. Seine Mitarbeiter und er würden das "eigentlich ganz gelassen sehen, aber auch etwas mit Freude". Denn das Wiedenbrücker Krankenhaus habe das Glück, in den Kernfächern Innere Medizin und Orthopädie - beispielsweise rund 200 Knieprothesen pro Jahr - gut aufgestellt zu sein. "Es gibt hier keine einzige grenzwertige Abteilung." Im vergangenen Jahr wurden im Sankt Vinzenz Hospital 6.500 Patienten stationär behandelt. 40.000 Männer und Frauen wurden dort medizinisch ambulant versorgt - Tendenz steigend. 300 Mitarbeiter kümmern sich in Wiedenbrück um die Kranken. Erwirtschaftet wurde ein Umsatz von 25 Millionen Euro. "Wir haben 0 Euro Schulden", sagt Rüter. In den drei Krankenhäusern des Verbundes seien 1.600 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Umsatz von 140 Millionen Euro erwirtschaftet hätten. "Wenig Anhaltspunkte, dass zentrale Behörden klügere Entscheidungen treffen" Rüter berichtet, bei der Vorstellung des Krankenhaus-Gutachtens einen "sehr nachdenklichen Minister" erlebt zu haben. Er meint, dass Laumann vermeiden will, dass Krankenhäuser "kaputt gehen". Das war jüngst in Oberhausen geschehen. Schon vor Jahren wurden das Krankenhaus in Werther geschlossen und im Sommer 2015 auch das evangelische Krankenhaus Rheda. Wichtig sei künftig die Frage der ordnungspolitischen Vorgehensweise, meint Rüter zur Gestaltung der künftigen Krankenhauslandschaft. Klar ist ihm, dass es das Sankt Vinzenz Hospital heute nicht mehr gäbe, stünde es alleine da, "das ist es aber seit 20 Jahren nicht mehr", meint er den Verbund mit den beiden anderen katholischen Einrichtungen. Der Geschäftsführer betont zudem die Bedeutung des Patienten: "Dieser hat und wird seine Entscheidung unter umfassenden Qualitätsgesichtspunkten treffen. Es gibt wenig Anhaltspunkte dafür, dass zentrale Behörden langfristig klügere Entscheidungen treffen."

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