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Gütersloh Cheerleaderin aus Gütersloh fliegt zur Weltmeisterschaft nach Japan

Die 26-jährige Gütersloherin nimmt mit ihrer Formation Cat-ix an der Weltmeisterschaft in Takasaki teil. Vor ihrem ersten Doppelsalto in luftiger Höhe schlotterten ihr die Knie.

Anja Hustert
10.11.2019 | Stand 09.11.2019, 11:26 Uhr

Gütersloh. Kurze Röckchen, weiße Stiefel und Pompons in der Hand - ein Bild, das viele mit einem Cheerleader verbinden. Anna Kästel muss bei dieser Vorstellung schmunzeln. Für die Gütersloherin ist Cheerleading Sport. Hochleistungssport. Im Moment trainiert sie mit ihrer Formation "Cat-ix" für die Weltmeisterschaft in Japan, die vom 23. bis 24. November in Takasaki stattfindet. "Am Mittwoch, den 20. November fliegen wir los", erzählt die zierliche 26-Jährige voller Vorfreude. Bereits am Freitag sei dann in der Wettkampfhalle eine Stellprobe geplant. "Da präsentieren wir unser Programm vor einer Jury, damit sie sieht, dass alles regelkonform ist", berichtet Kästel. 15 Seiten umfasst das Regelwerk, das unter anderem auch die Länge der Röcke festlegt. "Unser Team-Germany-Outfit kommt in den nächsten Tagen", erzählt Kästel. Deutscher Meister und Europameister zwei Jahre in Folge Die Gruppe Cat-ix, Cheerleader der American-Football-Mannschaft Bielefeld Bulldogs, trainiert seit 2015 gemeinsam - mit großem Erfolg. Bereits im vergangenen Jahr holte sie die Deutsche und die Europameisterschaft, die sie in diesem Jahr verteidigten. 2017 wurde das Team bei der offenen Weltmeisterschaft in Orlando/USA Dritte. Außer Anna Kästel sind es noch vier weitere Sportlerinnen und ein Mann, die zur Formation der Bielefelder Wildcats gehören. "Aber diesmal stand im Regelwerk, dass wir in unserer Kategorie Senior Coed Groupstunt mit mindestens zwei Männern antreten müssen", erzählt die Sportlerin. "Da haben wir uns erstmal auf die Suche gemacht." Mit Nico aus Hannover hat das Team nun einen Sportler gefunden, der sich gut einfügt. "Es ist schon eine Umstellung, wenn jemand anderes unter einem steht, der einen dann noch höher wirft", erzählt Anna Kästel. Sie ist die "Fliegerin" bei Cat-ix, wirbelt mit Salti und Schrauben durch die Luft und wird dann von ihren Teamkollegen wieder aufgefangen. Sportliche Wurzeln beim TuS Friedrichsdorf im Kunstturnen Ihre sportlichen Wurzeln hat Anna Kästel beim TuS Friedrichsdorf. "Bis ich zwölf Jahre alt war, habe ich dort Kunstturnen gemacht", erzählt die junge Polizistin, die seit 1. September bei der Gütersloher Kripo arbeitet. Es folgte Sportakrobatik beim KSV Gütersloh, 2013 kam sie zu den Wildcats, um sich - 50 Kilo leicht - dort elegant durch die Luft werfen zu lassen. "Als ich das erste Mal einen Doppelsalto geübt habe, haben mir schon die Knie geschlottert", erinnert sie sich. Neue Sprünge würden unter der Anleitung von Trainerin Yvonne Rafinski aus Paderborn zunächst mit einer Longe von der Decke geübt. "Der Gurt wird dann immer lockerer, bis man ihn fast gar nicht mehr spürt", erzählt die Sportlerin. Eine Minute und fünf Sekunden darf die Choreografie dauern, die Cat-ix bei der Weltmeisterschaft am Samstag und nochmal am Sonntag zeigt. "Wir haben uns Videos von der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren angeguckt. Da ist uns schon das Herz in die Hose gerutscht", erzählt sie. Insgesamt 150 Teams starten bei der WM in verschiedenen Kategorien, darunter 15 aus Deutschland. "Besonders die asiatischen und amerikanischen Teams sind stark", weiß Kästel. "Aber wir wollen unser Programm gut auf die Matte bringen. " Das technisch anspruchsvolle Programm klappe schon jetzt, "wenn alle mit den Gedanken dabei sind." Blickkontakt als Trick gegen Lampenfieber Das wird in Japan sicher der Fall sein. Lampenfieber? "Vorher bin ich schon aufgeregt und habe schwitzige Hände. Aber sobald die Musik losgeht, ist das vergessen." Die Athletin verrät: "Dann suche ich mir jemandem im Kampfgericht, der nett aussieht und den gucke ich dann die ganze Zeit an." Zu Hause drücken Anna Kästel dann alle kräftig die Daumen. Ihre Eltern, die sie in Deutschland zu allen Wettkämpfen begleiten und die während ihrer Abwesenheit ihre beiden Katzen Khaleesi und Baghira füttern. Und ihre Schwester Rebecca (22), die ebenfalls als Cheerleaderin bei den Wildcats mit ihre im All-Girl-Team erfolgreich ist. Die Bielefeld Bulldogs, die einen Spendenaufruf für ihre Mädels und Jungs gestartet haben, damit sie die 9.500 Euro für die Wettkampfteilnahme nicht komplett aus eigener Tasche bezahlen müssen. Und natürlich die Kollegen bei der Kreispolizei. Kästel: "Ich habe sogar für den Wettkampf von meinem Chef Sonderurlaub bekommen." Nach der Siegerehrung am Sonntag, 24. November, will Anna Kästel mit ihrem Team noch drei Tage Urlaub machen und sich Tokio ansehen."Nur für zwei Minuten zehn fliegt man ja nicht nach Japan."

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