0
Die Bäume an der B 68 wurden mit schwarzer Kunststofffolie umwickelt. - © Andreas Frücht
Die Bäume an der B 68 wurden mit schwarzer Kunststofffolie umwickelt. | © Andreas Frücht

Gütersloh „Ziemlich dünne Argumentation“: Scharfe Kritik an Reaktion auf bemalte Bäume

Die Bemalungen an den Linden entlang der B61 wurden überklebt. Laut Straßen.NRW, weil die Schrift Autofahrer ablenken könnte. Ein vorgeschobener Grund, um Kritik am Straßen-Ausbau abzuschmettern?

Lena Vanessa Niewald
14.09.2019 | Stand 13.09.2019, 15:32 Uhr

Gütersloh. Mit schwarzer Kunststofffolie haben Mitarbeiter der Wiedenbrücker Straßenmeisterei die weißen Bemalungen an etwa 60 Linden entlang der B 61 zwischen Bielefeld und Gütersloh abgeklebt. Der Grund: Autofahrer könnten durch die Symbole und Schriftzüge abgelenkt werden. Doch für diese Sofortmaßnahme hagelt es mittlerweile mächtig Kritik. NW-Leserin Petra Brinkmann äußert sich in einem Leserbrief an die Redaktion irritiert über die Argumentationsweise von Straßen.NRW: „Was für ein Blödsinn. Mit diesem Argument müsste man alle Werbeplakate vom Fahrbahnrand verbannen. Aber nun gut – schwarze Trauerbinden haben auch ihre Aussagekraft." Auch auf Facebook wird heftig diskutiert. Ein Mann schreibt ironisch: „Ab sofort werden Straßenschilder, Wegweiser und vor allem Wahlplakate eingepackt." Eine anderer meint: „Ziemlich dünne Argumentation. Dass der Grund ein ganz anderer ist, liegt doch wohl auf der Hand." Verantwortlich für Verkehrssicherheit Auf Nachfrage verteidigt Sven Johanning, Sprecher von Straßen.NRW, die Sofortmaßnahme. Dass die Baum-Bemalungen an den Linden abgeklebt habe, habe nichts damit zu tun, dass man von der massiven Kritik an dem geplanten Ausbau der Straße ablenken wolle. „Damit können wir gut umgehen und nehmen uns konstruktiver Kritik auch an. Aber wir stehen in der Pflicht, wenn es um Verkehrssicherheit geht." Wenn auf der B 61 ein Unfall geschehe und der Unfallverursacher würde angeben, er sei etwa durch die weißen Bemalungen an den Bäumen abgelenkt gewesen, dann würde Straßen.NRW ganz schnell zur Rechenschaft gezogen werden, so Johanning. Und dieses Risiko wolle man unter keinen Umständen eingehen. "Die Gefahr ist zu groß" Ähnlich würde der Landesbetrieb übrigens auch handeln, wenn unerlaubt Werbung entlang der B 61 aufgehängt wurde. Denn: „An Bundes- und Landesstraßen gilt ein absolutes Werbeverbot. Wenn unsere Straßenmeisterei jetzt entdeckt hätte, dass ein Plakat oder ein Banner an der Straße montiert worden wäre, hätten die Mitarbeiter auch die entfernt." Die Gefahr, dass Autofahrer durch Plakate abgelenkt würden, sei viel zu groß. „Manchmal sind die Schriftzüge ja auch extrem klein, sodass Autofahrer versuchen, das Kleingedruckte zu lesen und sich dementsprechend nicht mehr gleichzeitig auf den Verkehr konzentrieren können."

realisiert durch evolver group