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Knapp 50 Demonstranten ziehen im Frühjahr des vergangenen Jahres durch Friedrichsdorf, um ihrer Forderung nach einer Ortsumgehung Nachdruck zu verleihen. - © Andreas Frücht
Knapp 50 Demonstranten ziehen im Frühjahr des vergangenen Jahres durch Friedrichsdorf, um ihrer Forderung nach einer Ortsumgehung Nachdruck zu verleihen. | © Andreas Frücht

Ortsumgehung Friedrichsdorf: Wann geht's endlich voran?

In Düsseldorf herrscht inzwischen Funkstille, dafür simmen die Lokalpolitiker für weitere Verkehrszählungen in und um Friedrichsdorf – aus unterschiedlichen Motiven

Rainer Holzkamp
18.05.2019 | Stand 17.05.2019, 17:05 Uhr

Gütersloh. Aus Düsseldorf kommen auch von der neuen Landesregierung keinerlei Signale, wann es mit der geplanten Ortsumgehung Friedrichsdorf vorangeht. Zwar beteuerte Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) bei seinem Besuch im Sommer 2017, das Vorhaben zu unterstützen. Auch kündigte Anfang dieses Jahres ein Ministeriumssprecher gegenüber der Neuen Westfälischen die „Planungsaufnahme bei ausreichenden Kapazitäten an". Jedoch rührt sich bislang nichts. Derweil streitet die Gütersloher Politik weiter über die weitere Vorgehensweise. Verkehrszählungen in und um Friedrichsdorf – aktuell und nach dem Lückenschluss der Autobahn A 33 – haben jetzt im Planungsausschuss zum wiederholten Mal sowohl CDU und Grüne beantragt. Allerdings aus unterschiedlichen Motiven. Die einen wollen die Vorherrschaft des Durchgangsverkehrs belegen und damit die Notwenigkeit der neuen Straße untermauern; die anderen hoffen auf einen hohen Anteil des Ziel- und Quellverkehrs im Dorf, was den Bedarf der Umgehung ihrer Ansicht nach arg in Frage stellen würde. "Niemand glaubt, dass die Verkehrsbelastung durch den Lückenschluss zurückgeht" Andere Fraktionen stellten den Sinn weiterer Zählungen in Frage. Dazu zählt die SPD, die zu den Befürwortern der Umgehung gehört. Deren planungspolitischer Sprecher Thomas Krümpelmann: „Damit kommen wir nicht voran." Im Gegensatz zu Birgit Niemann-Hollatz von den Grünen als Neubaugegner bezweifelte er, dass der A 33-Lückenschluss signifikante Veränderungen der Verkehrsverhältnisse gegenüber der heutigen Situation zur Folge haben werde. Die Autobahn reiche schon jetzt bis Halle. So sah das auch Norbert Bohlmann (UWG): „Niemand glaubt, dass die Verkehrsbelastung durch den Lückenschluss zurückgeht." Beide, sowohl Krümpelmann als auch Bohlmann, nahmen zudem den heimischen Landtagsabgeordneten Raphael Tigges kritisch ins Visier. Der CDU-Politiker habe den Bau versprochen, da es in der neuen Landesregierung von CDU und FDP im Gegensatz zu Rot-Grün keine Straßenbaugegner mehr gebe. Aber außer Worten und dem Besuch Ministers sei allerdings gar nichts passiert. "270.000 Euro Steuergeld verbraten" Woraufhin CDU-Sprecher Gerhard Feldhans aufs heftigste protestierte. Die neue Regierung habe das Bauvorhaben im Ausbauplan des Landes wieder als vordringlich eingestuft, während die alte es herabgestuft habe. Allerdings müsse man jetzt bei der Planung wieder von vorn anfangen, sagte Feldhans. 270.000 Euro Steuergeld für die vor Jahren vorgenommene Linienbestimmung sei verbraten worden. Norbert Morkes (BfGT) meinte, Düsseldorf sei gegenüber der Umgehung nicht so positiv eingestellt, wie oft behauptet werde. Das solle man den Bürgern offen und ehrlich sagen. Eckhard Fuhrmann (FDP) schlug vor, dass die Stadt bei der Planung vorangehen solle. Die Zeit der Zählungen sei jedenfalls vorbei. Ein aussagekräftiges Gutachten muss her Freilich stimmte der Ausschuss am Ende für die Verkehrszählungen. Außerdem setzte die CDU ihre weiteren Forderungen durch. Demnach soll ein Fachbüro ein aussagekräftiges Gutachten über die künftige Verkehrsbelastung in Friedrichsdorf erstellen. Berücksichtigt werden sollen dabei auch eine mögliche Ortsumgehung Ummeln und ein vierspuriger Ausbau der Bundesstraße 61. Zudem soll die Verwaltung über den Stand der Gespräche mit Land, Straßen NRW und der Stadt Bielefeld berichten. Gescheitert war die Umgehung schließlich bislang allein am Widerstand der Nachbarstadt und der strikten Haltung der alten Landesregierung, dass ohne kommunalen Konsens die Straße nicht gebaut wird. „Wir fügen jetzt alles mal zusammen", versprach der städtische Verkehrsexperte Michael Wewer. Eine Gesamtbetrachtung mache Sinne.

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